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Einen "Feuersturm der Unwahrheit" bekämpfen (Gelesen: 1492 mal)
xila
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... hat meistens recht
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Beiträge: 3931
Einen "Feuersturm der Unwahrheit" bekämpfen
17.07.16 um 14:19:16
 
Sonderlich viele Projektideen gab es ja in den letzten Jahren nicht mehr. Ich habe auch keine konkrete Projektidee, aber etwas, das man zur Grundlage von solchen machen könnte.

Mir fiel im März 2014, als es um die Annexion der Krim gegangen ist, sofort auf, daß die vom Kreml gesteuerte Propagandawelle, die aus heiterem Himmel über unsere Medien (und vor allem die sozialen Medien) hinwegrollte, viele Gemeinsamkeiten mit der Propagandawelle der Antiraucher aufwies - weshalb ich auch nie in Versuchung war, auf die Putin-Propagandisten von Dirk Müller bis Gabriele Krone-Schmalz reinzufallen. Aber ich war platt darüber, bei vielen anderen diese Masche - wenigstens teilweise - erfolgreich verfangen hat. Sogar bei Leuten aus diesem Forum.

Jetzt las ich ein interessantes Papier der RAND Corporation (Link zu diesem Papier: http://www.rand.org/pubs/perspectives/PE198.html)
über die Wirkungsweise dieses Propagandamodells, das dort als "Feuersturm der Unwahrheit" bezeichnet wird, und deren psychologische Hintergründe. Darin enthalten auch Empfehlungen, wie man ihm wirkungsvoll zu Leibe rücken kann. Das alles läßt sich natürlich nicht 1:1 auf unsere Sache übertragen, aber ein paar interessante Erkenntnisse kann man daraus schon mitnehmen. Ich jedenfalls habe das Gefühl, jetzt besser verstanden zu haben, warum die Tabakkontrolle bislang Erfolg hatte.

Was charakterisiert den "Feuersturm der Unwahrheit"?
1. High-volume and multichannel
2. Rapid, continuous, and repetitive
3. Lacks commitment to objective reality
4. Lacks commitment to consistency.

Worauf kommt es dabei an?
• Variety of sources
• Number and volume of sources
• The views of others, especially the views of those who
are similiar to the message recipient.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse des Papiers: Auch wenn es natürlich wichtig ist, Lügen zu widerlegen, sollte man sich nicht einbilden, daß dies alleine ausreicht, um sie erfolgreich zu bekämpfen. Der Lügner hat den Vorteil, vor uns das von ihnen gewünschte Bild vermittelt zu haben, und jede neue Lüge paßt wenigstens gefühlsmäßig mit ins Gesamtbild, das der gesamten Gesellschaft längst vertraut ist und ihm deshalb auch spontan wahr erscheint. Das heißt, jeder einzelne Empfänger einer jeweils neuen erlogenen Nachricht müßte einzeln davon überzeugt werden, daß sie erlogen ist. Schon das ist aber schwierig und mühsam, und es führt in der Regel nicht dazu, daß die vorherigen Lügen ebenfalls angezweifelt werden.

Dabei spielen weniger die Überzeugten, sondern eher die am Thema nicht sonderlich Interessierten die Schlüsselrolle, weil sie die Informationen nur nebenbei mit aufnehmen und dabei als Kriterium für Glaubhaftigkeit die Vertrautheit der Botschaft am wirksamsten ist.

Einen der Vorschläge fand ich auch für unseren Fall besonders beachtenswert:

Rather than trying to block, refute, or undermine the propaganda, focus instead on countering its objective. ... Don’t direct your flow of information  directly back at the firehose of falsehood; instead, point your stream at whatever the firehose is aimed at, and try to push that audience in more productive directions.

Übertragen auf unseren Fall: Bringt so viele Nichtraucher wie möglich so oft wie möglich in positiven, mit Spaß verknüpften Situationen mit Rauchern zusammen. Denn die Antis verfolgen die Strategie, Raucher und Nichtraucher Schritt für Schritt in immer mehr Alltagssituationen voneinander zu isolieren. Je weniger Nichtraucher aber in Kontakt mit Rauchern sind, desto eher glauben sie auch die absurdesten Thesen über Gesundheitsgefährdungen.

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ChristophL
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Freier Rauch statt Rauchfrei!

Beiträge: 8157
Re: Einen "Feuersturm der Unwahrheit" bekämpfen
Antwort #1 - 26.07.16 um 01:32:11
 
Interessant.
Dass wir bei und um Netzwerk Rauchen mit unserer Aufklärungsarbeit keine aufnahmebereiten Massen finden, dürfte mittlerweile jedem klar sein. Ist eher Information einer Gegenöffentlichkeit und Stärkung eines Widerstandskerns.
Zu deinem Vorschlag: Solche Situationen nehmen m.E. nicht in erster Linie wegen Isolation ab ("Draußenraucher" z.B. bleiben sicht- und ansprechbar), sondern einmal mit zunehmendem Alter (immer mehr Altersgenossen haben mit dem Rauchen aufgehört) und außerdem wegen des künstlich heruntergedrückten Raucheranteils. Hilfreich wäre, wenn Nichtraucher häufiger auf selbstbewusste Raucher träfen würden statt auf Kriecher, die meinen sich entschuldigen zu müssen.
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« Zuletzt geändert: 26.07.16 um 01:32:45 von ChristophL »  
 
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Beiträge: 3931
Re: Einen "Feuersturm der Unwahrheit" bekämpfen
Antwort #2 - 26.07.16 um 10:03:34
 
ChristophL schrieb am 26.07.16 um 01:32:11:
Interessant.
Dass wir bei und um Netzwerk Rauchen mit unserer Aufklärungsarbeit keine aufnahmebereiten Massen finden, dürfte mittlerweile jedem klar sein. Ist eher Information einer Gegenöffentlichkeit und Stärkung eines Widerstandskerns.
Zu deinem Vorschlag: Solche Situationen nehmen m.E. nicht in erster Linie wegen Isolation ab ("Draußenraucher" z.B. bleiben sicht- und ansprechbar), sondern einmal mit zunehmendem Alter (immer mehr Altersgenossen haben mit dem Rauchen aufgehört) und außerdem wegen des künstlich heruntergedrückten Raucheranteils. Hilfreich wäre, wenn Nichtraucher häufiger auf selbstbewusste Raucher träfen würden statt auf Kriecher, die meinen sich entschuldigen zu müssen.


Die Isolation, die ich meinte, ist primär die der zugehörigen Meinung - und genau deshalb gibt es ja auch diese "Kriecher". Wenn du weniger Kriecher haben willst, dann mach dir mal nen Kopf, wie man Rauchern das Gefühl vermittelt, der Mainstream zu sein, obwohl sie es gar nicht sind. Denn das ist meiner Meinung nach der Schlüssel. 

Erreichen muß man nämlich einen Meinungsumschwung bei den Uninteressierten, die die überwältigende Mehrheit stellen. Diese Uninteressierten erreicht man aber nicht mit Argumenten. Sie interessieren sich ja gar nicht für das Thema. Sie orientieren sich an dem, was alle sagen, und an ihrem Bauchgefühl. Wenn sie mit einem einzelnen Raucher zusammentreffen, haben sie für gewöhnlich kein Problem damit, daß er raucht, auch wenn sie das Rauchen allgemein verdammen, weil "man" das eben so macht.

Man erreicht genau diese Leute mit den Beeinflussungsmethoden, die von der RAND Corporation skizziert wurden; Putin hat mit ihnen mühelos die russische öffentliche Meinung gleichschalten können und in Deutschland trotz der Beschränkung auf soziale Medien und Alternativmedien immerhin eine Minderheit von vielleicht 20 Prozent auf seine Seite gebracht. Uns stehen diese Mittel, anders als den Antis, aber nicht zur Verfügung. Also sollten wir uns mit den vorgeschlagenen Gegenmitteln befassen.


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