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Heißes Thema (mehr als 10 Antworten) Angebot und Nachfrage (Gelesen: 1.002 mal)
Martella
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Reality.sys is corrupted!
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Re: Angebot und Nachfrage
Antwort #15 - 11.02.08 um 13:49:00
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Mentholi schrieb on 11.02.08 um 11:36:29:
Tolerenz mmmh..... Ich weiß nicht wie die üblicherweise "übersetzt" wird.

Na ja, eines meiner Hobbys ist Sprachgeschichte, außerdem habe ich im Gymnasium Latein gelernt. Dieses Wissen funkt mir im politischen Diskurs leider immer wieder dazwischen.

Toleranz leitet sich nämlich vom Wort tolus für Last  bzw. vom Zeitwort tolerare für eine Last erdulden her. Ein "toleranter Nichtraucher" empfindet Raucher demnach als Last, gedenkt aber diese Last zu ertragen - warum eigentlich? Weil Gott ihn im Jenseits dafür belohnen wird?

Vermutlich meinen viele, die sich selbst als "tolerante Nichtraucher" bezeichnen einfach, dass ihnen schlicht und einfach egal ist, ob der Nächste raucht oder nicht. Ändert aber nichts daran, dass das Konzept der Toleranz als solches bei mir immer den Beigeschmack von Herablassung hat.
  
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Mentholi
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I love YaBB 1G - SP1!

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Re: Angebot und Nachfrage
Antwort #16 - 11.02.08 um 14:31:00
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Quote:
Ein "toleranter Nichtraucher" empfindet Raucher demnach als Last, gedenkt aber diese Last zu ertragen - warum eigentlich? Weil Gott ihn im Jenseits dafür belohnen wird? 


Vieleicht hofft er auf ein paar Jungfrauen im Jenseits als Belohnung für sein Martyrium  Lippen versiegelt

  
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Dirk
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Re: Angebot und Nachfrage
Antwort #17 - 11.02.08 um 16:38:00
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Wieso »Herablassung«?

Schließlich gibt es auch tolerante Raucher (und nicht wenige), die erdulden, an vielen Orten oder im Beisammensein mit Bekannten/Freunden/Nichtrauchern nicht rauchen zu können, auch freiwillig Rücksicht nehmen und nicht rauchen!

Tolerant ist meines Erachtens nach ein sehr treffender Begriff, das »Laster« oder »Nichtlaster« seiner Mitmenschen zu »erdulden« – solange es denn freiwillig geschieht.
  

Dirk
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ChristophL
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Freier Rauch statt Rauchfrei!

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Re: Angebot und Nachfrage
Antwort #18 - 12.02.08 um 03:02:00
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Quote:
Das ist sie auch nicht, weil die Norm in Mitteleuropa im Jahr 2008 eben Heterosexualität ist. Die krampfhaften Versuche, jedes noch so ausgefallene Phänomen in die "Normalität" hineinzuzwängen, bestätigt doch nur jene gesellschaftlichen Kräfte, die uns in allen Aspekten gleichschalten wollen.


In diesem Zusammenhang zitiere ich die Soziologin Prof. Dr. Doris Lucke:

"Was heißt heute noch 'normal'? Das, was angeboren und in diesem Sinne natürlich ist, das, was statistisch am häufigsten vorkommt, ein errechneter Mittelwert oder eine Idealvorstellung als das konstruierte (Mittel-)Maß aller Dinge und (Garde-)Maß der in einer bestimmten Gesellschaft lebenden Menschen? Normal also in welcher Hinsicht und in Bezug worauf? Wer kann da noch von sich selbst oder von anderen sagen, er oder sie seien 'normal'?

Eine soziologisch informierte Antwort hierauf könnte lauten: Normal ist, was maßgebliche andere Normale für normal halten - und dies sagen oder schreiben, dementsprechend handeln und andere behandeln, sich auf Einstellungs- und Verhaltensebene innerhalb einer Normalgemeinschaft mit ihren Normalitätsvorstellungen und Normalitätsdefinitionen durchsetzen und zum Maßstab auch für alle Nicht-Normalen erheben, die sich diesen Normalitätsdiktaten freiwillig oder unfreiwillig unterwerfen (müssen).

Kurz gefasst: Normalität ist Definitionssache und - nicht zuletzt - eine Machtfrage. Zu einer Paradoxie gerät die Normalitätsanforderung in einer Unterscheide-dich-vom-Rest-der-Welt-Gesellschaft, in der einerseits die Grenzen zwischen gesund - krank, künstlich - natürlich, normal - anormal immer fließender werden und in der gleichzeitig die Normalen die Anormalen zur Behauptung ihrer eigenen Normalidentität mehr denn je brauchen und die betreffenden Normalitätskonstruktionen in ihrem eigenen Interesse um jeden Preis, koste es die jeweils anderen, Nicht-Normalen, was es wolle, aufrechterhalten müssen."

http://www.1000fragen.de/dialog/diskussion/thread.php?nid=2800
(Hervorhebungen von mir)
  
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Raucher
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Re: Angebot und Nachfrage
Antwort #19 - 12.02.08 um 03:39:00
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Lieber Christoph,

danke für diese interessanten Erörterungen von Prof. Dr. Doris Lucke, welche ich sehr präzise formuliert finde.

Ihre Ausführungen sind auf viele Bereiche anwendbar, so auch z. B. auf geistige und körperliche Entwicklungen von Kindern und Heranwachsenden.

In einer Zeit, in der z. B. das Abitur nach 12 Jahren und  das Fremdsprachenlernen in der Grundschule als ein Muss festgelegt werden, in jüngster Zeit aber doch gewisse Zweifel an der "reinen Lehre" aufkommen, sind tiefgehende Erörterungen wie die von Dir zitierten wohltuend und auch notwendig, vermeintliche Sachzwänge ("in fast allen EU-Ländern wird das Abitur nach 12 Jahren abgelegt", " Deutschland ist nur im Mitttelfeld bei PISA! etc. pp.) zu hinterfragen und in einem anderen Licht erscheinen zu lassen.

Grüße Zwinkernd

Raucher
  
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xila
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... hat meistens recht
;)

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Re: Angebot und Nachfrage
Antwort #20 - 12.02.08 um 07:36:00
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ChristophL schrieb on 12.02.08 um 03:02:42:
In diesem Zusammenhang zitiere ich die Soziologin Prof. Dr. Doris Lucke:

"Was heißt heute noch 'normal'? Das, was angeboren und in diesem Sinne natürlich ist, das, was statistisch am häufigsten vorkommt, ein errechneter Mittelwert oder eine Idealvorstellung als das konstruierte (Mittel-)Maß aller Dinge und (Garde-)Maß der in einer bestimmten Gesellschaft lebenden Menschen? Normal also in welcher Hinsicht und in Bezug worauf? Wer kann da noch von sich selbst oder von anderen sagen, er oder sie seien 'normal'?



Oder, wie Wolfgang Ambros es ausdrückte:

A jeda gheat zu ana Minderheit,
a jedn geht's wos o;
a jeda hot a Handicap,
an jedn geht's aso.
  

Unwillkommene Tatbestände sind von einer unbeweglichen Hartnäckigkeit, die durch nichts außer der glatten Lüge erschüttert werden kann. (Hannah Arendt)
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Mentholi
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Re: Angebot und Nachfrage
Antwort #21 - 12.02.08 um 15:51:00
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Ich bin auf diesem Gebiet nicht so bewandert und danke für die Anregungen - wieder neues Denkfutter *lechz* Laut lachend


In einem anderen Forum habe ich mal Folgendes entdeckt:

"Ich hab nix gegen die, aber normal ist das nicht" ist ein
weltoffenes, sachliches und vor allem logisches Argument.


Laut lachend  Laut lachend  Laut lachend


  
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Carolus Magnus
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Ich rauche und trinke
aus politischen Gründen.

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Re: Angebot und Nachfrage
Antwort #22 - 16.02.08 um 13:43:00
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Raucher werden weiter abgezockt

Smokers could be forced to buy £10 licence just for the privilege of lighting up

Smokers could be forced to pay for a Government tobacco licence in order to carry on buying cigarettes under draconian proposals being considered by ministers. Government advisers have drawn up plans for a smoking permit - similar to the one needed to watch TV - which all smokers would have to carry ...

But Simon Clark, of smokers' rights group Forest, said the smoking permit proposal was outrageous.

"We are becoming not just a nanny state but a bully state," he said.

"Smokers already face record levels of taxation and this would be another financial hit on them. Tobacco is a perfectly legal product.

"There are a whole host of things out there that are potentially dangerous. If smokers are targeted in this way, it's a very short step to slapping a similar charge on anyone who wants to buy alcohol or any other product ministers don"t approve of."

Full Article
  

www.sackstark.info - heute schon gelesen?
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archimede
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Tabak und Bier..dann gehòrt
die Welt mir..

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Re: Angebot und Nachfrage
Antwort #23 - 16.02.08 um 13:57:00
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Neue Schilder fùr Kneipen Toiletten:

Rot=Anti/Nichtraucher Kneipe

Orange= Kneipe mit getrennt Ràume

Grùn= Raucher Kneipe-

  
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Bonnie
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Wer jetzt noch raucht,
ist schon wieder Avantgarde

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Re: Angebot und Nachfrage
Antwort #24 - 16.02.08 um 14:12:00
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Nochmal zur Toleranz:
Quote:
Toleranz leitet sich nämlich vom Wort tolus für Last  bzw. vom Zeitwort tolerare für eine Last erdulden her. Ein "toleranter Nichtraucher" empfindet Raucher demnach als Last, gedenkt aber diese Last zu ertragen - warum eigentlich? Weil Gott ihn im Jenseits dafür belohnen wird? 


Im Jenseits wird man evtl. ? belohnt für einseitige Toleranz. Aber was gar nicht in dieser Diskussion erwähnt wurde, ist der Normalfall: Toleranz bedeutet eben auch gegenseitige Toleranz. Der Nichtraucher erträgt mein Rauchen und ich ertrage sein Laster, was auch immer es ist. Zum Laster kann man vieles deklarieren. Daß diese gegenseitige Toleranz in eine einseitige verwandelt wurde in der Sicht der Gesellschaft in den letzten Jahren / Monaten, ist mir auch in der Sauna aufgefallen. Okay, habe ich in einer Art Trotzreaktion gedacht, wenn ihr mir das Rauchen im Bistro verbietet, kann ich auch unangenehm werden.
- Es werden dauernd Zeitschriften geklaut (nicht von mir).
- Es wird im Ruheraum laut gequatscht.
- Es setzen sich Leute mit nacktem Hintern in das Dampfbad, obwohl es Plastikfolien zum Ziehen gibt (hihi)
- Es werden Liegen reserviert (was verboten ist, Laut lachend)
- Es fallen Birnen im Solarium aus
- etc etc
Ich bin nicht so der Pedant und beschwere mich nie, manches von den genannten Sachen ertrage ich auch nur mit zusammengebissenen Zähnen, manches mache ich selbst. Im Falle Rauchen haben sich die Meckerer durchgesetzt, die aber auch viel auf dem Kerbholz haben. Man muß so einen Rauch-Meckerer nur mal einen Tag verfolgen und Notizen machen..
  
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