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Sehr heißes Thema (mehr als 50 Antworten) Rauchverbot auf dem Berg (Gelesen: 3.344 mal)
robin
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robin

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Re: Rauchverbot auf dem Berg
Antwort #15 - 21.07.08 um 11:16:00
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Da liegst du jetzt falsch.
Das KdF-Programm diente im Gegenteil dem Zweck, auch Arbeitern 'bürgerliche' Statussymbole (Reisen, Auto...) zu ermöglichen.
Hier wurde also ganz bestimmt nicht die Askese, sondern eher der Wohlstandsgedanke angesprochen. Nach dem Hunger des Weltkriegs und der Misere der grossen Wirtschaftskrise in den 20ern wäre ein Askesegedanke auch kaum vermittelbar gewesen.

Es gab zwar durchaus Verzichtspropaganda, wie 'Kanonen statt Butter', aber die Popularität des Systems war in erster Linie auf der Schaffung von Arbeit und Wohlstand gegründet.
Die Jugenderziehung passt auch nicht so recht, denn in Erinnerung der eigenen, harten Kindheit erschien den Menschen ein 'Zäh wie Kruppstahl' gar nicht so abwegig - Vergiss nicht, dass diese Eltern , insbesonders die Männer natürlich, die extreme Erfahrung des Weltkriegs gerade hinter sich hatten. Wenn da die 'Pimpfe' geschliffen wurden, sahen das wohl die meisten Väter eher als Bestätigung ihrer Heldenrolle nach dem Muster 'Das ist ja nioch gar nichts im Vergleich zu dem, was wir an der Front geleistet haben!'
  
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perle
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Re: Rauchverbot auf dem Berg
Antwort #16 - 21.07.08 um 11:58:00
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robin schrieb on 20.07.08 um 11:45:20:
Im Mittelalter wies man Juden in Ghettos, und man zwang sie dazu, an Sonntagen christliche Predigten zu hören, um sie zu bekehren.

Dazu hätte dieser Spruch auch gepasst:

"Unser Ziel ist nicht, Juden zu verfolgen und sie auszusondern oder gar sie zu vertreiben. Wir versuchen ihnen zu helfen, ihren Irrglauben  loszuwerden und sie zur Seligkeit zu bekehren."


das macht benny der 16. seit dem diesjährigen karfreitag auch wieder, jetzt werden die juden "bebetet", damit sie von ihrem glauben ab- und dem christlichen glauben zufallen.

mittelalter 2.0!
  

das licht am ende des tunnels könnte auch ein idiot mit einer kerze sein
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xila
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... hat meistens recht
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Re: Rauchverbot auf dem Berg
Antwort #17 - 21.07.08 um 12:06:00
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"Askese" trifft es begrifflich nicht ganz richtig, aber die Gemeinsamkeiten zwischen Gesundheitswahn im Nationalsozialismus und heute sind eindeutig genug. In beiden Fällen sollte die Gesunderhaltung primär der Gemeinschaft (Volksgemeinschaft/Solidargemeinschaft) nützen, nicht dem Individuum.

Daß das Individuum davon profitiert, wurde und wird zwar gar heftig beworben, Tatsache ist aber, daß in beiden Fällen Krankheit, die über ein verhältnismäßig einfach zu behebendes Leiden hinausgeht, stigmatisiert ist und den Kranken erst einmal dem Verdacht aussetzt, selbst schuld zu sein und damit der Gemeinschaft Schaden zugefügt zu haben.

Im heutigen Falle finde ich dabei besonders bedenklich, daß die Arbeitswelt in den letzten Jahren wieder krankmachender geworden ist, und zwar m.E. primär durch die Zunahme der Zeitarbeit. Der Einsatzbetrieb eines Zeitarbeiters hat längst nicht dasselbe geschäftliche Eigeninteresse an der Gesunderhaltung seiner Mitarbeiter wie ein normaler Arbeitgeber. Da Zeitarbeiter ohnehin überwiegend mit Zeitverträgen beschäftigt sind, können sie, sobald sie "Verschleißerscheinungen" aufweisen, problemlos zur weiteren Versorgung der Solidargemeinschaft aufs Auge gedrückt werden, indem die Verträge einfach nicht verlängert werden.

Das könnte sich früher oder später noch für die SV als ein Faß ohne Boden erweisen, sollte die Zeitarbeit ihren derzeitigen Stellenwert behalten. Da werden alle Anti-Rauch-Kampagnen nichts helfen.
  

Unwillkommene Tatbestände sind von einer unbeweglichen Hartnäckigkeit, die durch nichts außer der glatten Lüge erschüttert werden kann. (Hannah Arendt)
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robin
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robin

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Re: Rauchverbot auf dem Berg
Antwort #18 - 21.07.08 um 12:12:00
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perle schrieb on 21.07.08 um 11:58:08:
das macht benny der 16. seit dem diesjährigen karfreitag auch wieder, jetzt werden die juden "bebetet", damit sie von ihrem glauben ab- und dem christlichen glauben zufallen.

mittelalter 2.0!


Es ist allerdings ein riesengrosser Unterschied, ob man für ein Ereignis betet oder es durch Zwang, unter eklatanter Missachtung der Menschenrechtskonvention und diverser Straftatbestände (Volksverhetztung!) forciert.

Der Protagonist für letzteres ist vor allem Luther, der zwar, wie sich die evangelischen Kirchen gerne brüsten, gegen individuelle Übergriffe gegen Juden auftrat, aber gleichzeitig die staatliche 'Obrigkeit' in die Pflicht nahm, die Judenbekehrung mit administrativen Mitteln (Sondersteuern, Berufsverbote, bis hin zur Ausweisung) zu unterstützen.
So gesehen war er weit 'moderner' als die katholische Kirche.
  
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Christoph Suter
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Re: Rauchverbot auf dem Berg
Antwort #19 - 21.07.08 um 12:25:00
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perle schrieb on 21.07.08 um 11:58:08:
das macht benny der 16. seit dem diesjährigen karfreitag auch wieder, jetzt werden die juden "bebetet", damit sie von ihrem glauben ab- und dem christlichen glauben zufallen.

mittelalter 2.0!


Nun ja - da muss man für Benny den 16. Verständnis haben Zwinkernd Zumal der Weise (evtl. auch Rabbiner) Yehoshua Ben Josef (Jesus, Sohn des Josefs) - gemäss Johannes 8.58 - angeblich gesagt haben soll „Dixit eis Iesus amen amen dico vobis antequam Abraham fieret Ego sum“ (Jesus hat zu ihnen gesagt: "Amen, amen, ich sage euch: Ehe Abraham ward, bin ich!").

Abraham wäre demzufolge Christ und nicht Jude gewesen!

Da fliegt natürlich jedem männlichen Juden - verständlicherweise - die Kippa vom Kopf, wie eine Frisbee-Scheibe. ;-D

Aber jetzt wird es eindeutig zu theologisch. Kümmern wir uns um das Rauchverbot!
  
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Zora
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Re: Rauchverbot auf dem Berg
Antwort #20 - 21.07.08 um 18:13:00
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Quote:
Da liegst du jetzt falsch.
Das KdF-Programm diente im Gegenteil dem Zweck, auch Arbeitern 'bürgerliche' Statussymbole (Reisen, Auto...) zu ermöglichen.


jain, robin,
das wurde den menschen vorgegaukelt, genau so, wie ihnen heute wieder etwas vorgegaukelt wird. so wie ich askese in diesem zusammenhang sehe, ist es die von max weber als "Askese ins Innerweltliche" verstandene, also immer auch ein produkt des kapitalismus.

wenn henry ford 1923 schreibt:

"Stellt eine Ware so gut und so billig her, wie es möglich ist, und zahlt so hohe Löhne, daß der Arbeiter das, was er erzeugt, auch selbst zu kaufen vermag, schaltet jede Verschwendung aus und spart vor allem das kostbarste Gut, die Zeit..."

und drei jahre später:

"Die große Masse der bei uns angestellten Arbeiter ist ungeschult; sie lernen ihre Aufgabe innerhalb weniger Stunden oder Tage. Haben sie nicht innerhalb dieser Zeit begriffen, so können wir sie nicht gebrauchen. Viele von ihnen sind Ausländer; alles, was wir von Ihnen verlangen, ehe sie angestellt werden, ist, daß sie potentiell imstande sind, so viel Arbeit zu leisten, um den Raum, den sie in der Fabrik beanspruchen, zu bezahlen."

und damit unter anderem für die nazis zum vorbild wurde (der "volkswagen"), so hat das sicher nichts mehr mit einem traditionellen metaphysischen askesebegriff zu tun, sehr wohl aber mit einem neuen, der den menschen im sinne einer kapitalistisch orientierten weltordnung definiert:

du musst gesund und kräftig sein, um funktionieren/dienen zu können.

du hast also recht, wenn du schreibst, dass der wohlstandgedanke angesprochen und nicht an entbehrungen erinnert werden sollte (so weit haben wir es erst heute getrieben), nur schau doch einfach einmal hin, wie die moderne askese aussieht (siehe auch pro-hirnfrei) - so falsch lag m. weber nicht. Und, ein bißchen o.t. außerdem neulich schon life besprochen: der gute alte goethe wäre mit seinen trinkgewohnheiten auch nicht durchgekommen, stattdessen als pathologisch abgestempelt worden (und dann noch nicht mal nordic walking!)  Schockiert/Erstaunt

grüße, zora


  

"Puritaner sollten zwei Feigenblätter vor den Augen tragen." (Stanislaw Lec)
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Werner Paul
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Re: Rauchverbot auf dem Berg
Antwort #21 - 21.07.08 um 22:24:00
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Mr.Marple schrieb on 20.07.08 um 13:38:42:
Robin, Dein letzter Beitrag gehört auf goldene Tafeln gemeiselt und in jeder auch noch so kleinen Ortschaft aufgestellt, damit den Leuten endlich die Parallelen klar werden.

Gruß, Mr.Marple


Mir würde Stein schon genügen  ;-D
  

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robin
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robin

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Re: Rauchverbot auf dem Berg
Antwort #22 - 22.07.08 um 09:30:00
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Zora schrieb on 21.07.08 um 18:13:22:
wenn henry ford 1923 schreibt:...


henry Ford, dies als Anmerkung, hat hier wohl nicht nur den Antisemitismus der Nazis verinnerlicht (VOR den Nazis, übrigens), sondern auch deren Schlagwort vom 'schaffenden' und 'raffendem' Kapital.
Beides, Antisemitismus und Ablehnung reiner Kapital-Maximierung, gingen ja Hand in Hand, da die Juden mit dem anonymen 'Kapital' geradezu gleichgesetzt wurden.
Dass der Faschismus eine eindeutig 'soziale' Komponente hatte, ist wohl unstreitig. Und ich glaube, daß Henry Ford sich durchaus als eine Art Sozialist fühlte.
Das trifft übrigens auf viele 'Patriarchen' seines Schlags zu,  als Beispiel sei vielleicht Alfried Krupp genannt.
  
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Zora
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Re: Rauchverbot auf dem Berg
Antwort #23 - 22.07.08 um 10:04:00
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Quote:
Und ich glaube, daß Henry Ford sich durchaus als eine Art Sozialist fühlte.  


das sehe ich auch so, es gilt übrigens auch im umgekehrten sinne: die sozialisten haben in ihm einen apostel gesehen. zitat aus der erstausgabe der Moscow News von 1930 ein Plädoyer für “Lenins Ford”:

Quote:
  “American technique and Sovietpower will build socialism”.

  

"Puritaner sollten zwei Feigenblätter vor den Augen tragen." (Stanislaw Lec)
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ChristophL
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Re: Rauchverbot auf dem Berg
Antwort #24 - 22.07.08 um 12:06:00
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Wenn ich mich recht erinnere, hat sich Ford auch im Anti-Rauchen betätigt.
  
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robin
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robin

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Re: Rauchverbot auf dem Berg
Antwort #25 - 22.07.08 um 12:19:00
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ChristophL schrieb on 22.07.08 um 12:06:30:
Wenn ich mich recht erinnere, hat sich Ford auch im Anti-Rauchen betätigt.


Ja, sehr sogar:

http://medicolegal.tripod.com/ford1914.htm

Aus dem Jahr 1914, zeitlich paralell mit der Alkohol-Prohibition, für die er sich ebenfalls vehement einsetzte - und die EXAKT die gleichen 'Begründungen' gebrauchte.

Ein Beispiel:

"If you will study the history of almost any criminal you will find that he is an inveterate cigarette smoker. Boys, through cigarettes, train with bad company. They go with other smokers to the poolrooms and saloons. The cigarette drags them down. Hence if we can educate them to the dangers of smoking we will perform a service."

GENAU das gleiche wurde vom Alkohol behauptet: Praktisch alle Verbrechen sind dem Alk zuzuschreiben, verbietet ihn, und gefängnisse werden überflüssig!

Und, wie interessant: Der Saloon, also die Kneipe, war das eigentliche Feindbild!
  
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Matrix
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In tyrannos!

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Re: Rauchverbot auf dem Berg
Antwort #26 - 22.07.08 um 18:23:00
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Ab 1938 haben manche österreichische Fremdenverkehrsgemeinden Gäste damit geworben, sie seien "judenfrei".
  

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dieblauen-berlin
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Re: Rauchverbot auf dem Berg
Antwort #27 - 22.07.08 um 18:56:00
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Vielleicht ist DIESES genau das langfristige Ziel.. grübel..
  
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Pater Peter
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Re: Rauchverbot auf dem Berg
Antwort #28 - 22.07.08 um 23:14:00
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Matrix schrieb on 22.07.08 um 18:23:50:
Ab 1938 haben manche österreichische Fremdenverkehrsgemeinden Gäste damit geworben, sie seien "judenfrei".


Literarisch verarbeitet von Elisabeth Langgässer in "Saisonbeginn"...
  

Die Wirte des Menschen sind unantastbar!
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Zora
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Re: Rauchverbot auf dem Berg
Antwort #29 - 23.07.08 um 07:05:00
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dieblauen berlin schrieben:

Quote:
Vielleicht ist DIESES genau das langfristige Ziel.. grübel..


wie meinst du/meint ihr das?

gruß, zora
  

"Puritaner sollten zwei Feigenblätter vor den Augen tragen." (Stanislaw Lec)
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