Normales Thema Minarett-Verbot (Gelesen: 214 mal)
xila
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... hat meistens recht
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Re: Minarett-Verbot
Antwort #6 - 02.12.09 um 16:00:56
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ChristophL schrieb on 02.12.09 um 00:23:07:
Dieter Nuhr eben im ZDF: "Jetzt müssen die nur noch die Glockentürme der Kirchen verbieten, dann ziehe ich in die Schweiz".

Wie sagte Jürgen Becker doch einmal: Kabarett statt Minarett.
Mit Dank an Karl Martell.



Also, dieser Witz beschreibt doch ganz gut, daß die praktischen Konsequenzen dieses Votums harmlos genug sind. Niemand will Muslime ausweisen, niemand will Moscheen verbieten, und der Koran wurde damit nicht angetastet. Es geht nur um Minarette. Das ist, als würde in einem muslimischen Land der Bau von Kirchen gestattet, aber der von Kirchtürmen nicht - was derzeit in vielen Ländern die dort lebende christliche Minderheit vermutlich als endgültiger Gottesbeweis, da ein schier unglaubliches Wunder, betrachtet würde, weil dort vielfach nicht nur der Bau von Kirchtürmen, sondern auch der Bau von Kirchen verboten ist.

Die ganze Aufregung entsteht, weil die Urheber des Volksentscheids und wahrscheinlich auch ein Teil der Wähler natürlich sehr viel mehr als nur ihre Meinung zu einer Bauvorschrift zum Ausdruck bringen wollten. Aber auch deshalb, weil die über dieses Votum Empörten noch viel mehr als das hineinprojizieren. Im Spiegel-Online-Forum haben sich die Diskutanten teilweise die erstaunlichsten Dinge dazu zusammenphantasiert.

Ärgerlich finde ich persönlich vor allem die Initiatoren des Volksentscheids, denn es scheint ja keinen konkreten Anlaß dafür gegeben zu haben, sich wegen vermehrt geplanter Minarette mit der Frage auseinanderzusetzen, ob man das will oder nicht.

Ich sag's aber ganz ehrlich - ich bin mir nicht sicher, wie ich abgestimmt hätte. Wir hatten nämlich in einem Nachbarort gerade erst eine "Minarett-Affäre" (http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2218959_0_9223_-moscheebau-in-essling...) und ich habe dabei das zusätzliche Problem, daß ich diese Sache mit dem Wissen gelesen habe, daß das nicht das erste Mal ist, daß türkische Vereine bei uns in der Gegend, haben sie erst einmal für irgendwas ihre Genehmigung bekommen, sich mehr erlauben, als genehmigt worden ist. So ein bißchen ist bei mir da schon der Eindruck entstanden, das habe Methode.

Ich finde es legitim, jemandem, der mich bittet, ihm meinen kleinen Finger zu reichen, von vornherein Nein zu sagen, wenn ich Grund zu der Annahme haben muß, daß er nicht die Absicht hat, sich dann auch damit zu begnügen.

  

As the mathematician Ian Stewart points out in “Do Dice Play God?” (Basic), the average person has one breast and one testicle.
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evarix
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Re: Minarett-Verbot
Antwort #5 - 02.12.09 um 15:34:49
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Es gibt auch zwischen uns christlich orientierten Völkern kulturelle Unterschiede. Beispielsweise gehen US-Amerikaner mit Badekleidung in die Sauna, was bei uns verpönt ist und Italiener gehen abends nicht in kurzen Hosen aus, am wenigsten mit weißen Socken!

Ich kann die Schweizer schon verstehen, wenn sie eine gewisse Anpassungsbereitschaft von Ausländern und speziell Muslimen verlangen. Ich finde es nur ein wenig feig, das hinter der Frage einer architektonischen Ästhetik zu verstecken.

[/quote]

Wieso nicht auch einmal politisch unkorrekt, "StopferRonnie"?

Von mir aus ja, klar.

Deine vier Sarrazins seien Dir gegönnt, und auch ich stimme dem Namensgeber in vielerlei Hinsicht zu, nachdem ich das vollständige Interview in "Lettre International" gelesen habe.

Völlig einig bin ich z.B. auch mit König Heinz I. von Neukölln (dessen Parteigängerin ich bekanntermaßen nicht bin) darin, daß die Integration vielerorts, gerade in dem hiesigen Ballungsgebiet, in dem ich lebe und arbeite, nahezu gescheitert ist.

Die zunehmende Ausprägung einer sich immer mehr separierenden Parallelgesellschaft gibt mehr als zu Sorgen Anlaß, gerade auch im Hinblick auf die jetzt schon in vierter Generation aufwachsenden Migrantenkinder, die häufig mit wenig bis null Deutschkenntnissen eingeschult werden - künftig noch unterstützt mit der "Herdprämie" der neuen Koalition bis zum dritten Lebensjahr.

Daß nicht nur die von mir sehr geschätzte Kollegin Seyran Ates, die vor Jahren durch einen durchgedrehten Mann, der "im Namen der Ehre" unterwegs war, lebensgefährlich verletzt wurde und auch heute noch permanent bedroht wird, die Problematik tabulos anspricht, sondern diese Entwicklung immer wieder auf das heftigste kritisiert, ist eine Sache, die aus meiner Sicht wichtig ist; denn auch steter Tropfen höhlt den Stein.

Andererseits, "StopferRonnie":

Die "Minarettentscheidung" in der Schweiz qua Volksabstimmung hat mich doch einigermaßen erschüttert; denn die Schweiz hat die Religionsfreiheit, wie viele andere zivilierte Staaten auch, in ihrer Verfassung verankert. Und bekanntermaßen beweist sich die Werthaltigkeit "gelebter Verfassungsgrundsätze" auch immer daran, wie man mit sog. Minderheiten umgeht.

Bestandteil der verfassungsmäßig gewährten Religionsfreiheit ist nun aber auch das Recht derjenigen, die einer Religion angehören, diese Zugehörigkeit selbstverständlich nach außen durch Sakralbauten, in diesem Fall Moscheen, zu dokumentieren, und zwar in dem der jeweiligen Religion entsprechendem Stil.

Eine Gefahr der Islamisierung sehe ich hierin nicht; im Gegenteil: Das, was sichtbar wahrgenommen wird, und dazu zählen eben auch Minarette, taugt eher wenig für das Verborgene.

Eine letzte Anmerkung: Ich nehme für mich auch die Religionsfreiheit in Anspruch, und zwar die Freiheit von der Religion. Dennoch mokiere ich mich weder über christliche Kirchtürme, so imposant sie auch sein mögen, noch über das damit verbundene Glockengeläut und eben auch nicht über Minarette.

Gruß

evarix









« Zuletzt geändert: 02.12.09 um 16:41:36 von evarix »  
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StopferRonnie
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Re: Minarett-Verbot
Antwort #4 - 02.12.09 um 11:56:39
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Leute, ich werde jetzt mal so richtig politisch inkorrekt und nehme 4 Sarrazin auf ein Mal (1 Sarrazin = Abstand zwischen zwei Fettnäpfen).

Wir sind in D etwa 81,8 Mio Einwohner, wovon 1,7 Mio die türkische Staatsangehörigkeit haben, wobei noch einige Eingebürgerte hinzu kommen. Man kann ruhig annehmen, dass sie bei Weitem die größte Gruppe der Muslime darstellen. Aufgerundet ist ihr Anteil 2,1 Prozent.

Die Schweiz hat 7,7 Mio Einwohner, wovon 440.000 Muslime sind. Das ist ein Anteil von 5,7 Prozent, also das 2,7-fache des unsrigen.

Bei uns leben etwa 7,3 Mio Ausländer insgesamt, also 8,9 Prozent, in der Schweiz 1,67 Mio bzw. 21,7 Prozent. Obwohl es wahrscheinlich wenig kulturelle Reibung zwischen Deutschen, Franzosen, Österreichern und Schweizern (und weiteren christlich orientierten Ausländern) gibt, fragen sich manche Schweizer zu Recht, ob sie irgendwann eine Minderheit im eigenen Land sein werden.

Es gibt auch zwischen uns christlich orientierten Völkern kulturelle Unterschiede. Beispielsweise gehen US-Amerikaner mit Badekleidung in die Sauna, was bei uns verpönt ist und Italiener gehen abends nicht in kurzen Hosen aus, am wenigsten mit weißen Socken!

Ich kann die Schweizer schon verstehen, wenn sie eine gewisse Anpassungsbereitschaft von Ausländern und speziell Muslimen verlangen. Ich finde es nur ein wenig feig, das hinter der Frage einer architektonischen Ästhetik zu verstecken.

Ach so: Quelle der Zahlen ist Wiki


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ChristophL
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Re: Minarett-Verbot
Antwort #3 - 02.12.09 um 00:23:07
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Dieter Nuhr eben im ZDF: "Jetzt müssen die nur noch die Glockentürme der Kirchen verbieten, dann ziehe ich in die Schweiz".

Wie sagte Jürgen Becker doch einmal: Kabarett statt Minarett.
Mit Dank an Karl Martell.

  
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sargnagel
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Re: Minarett-Verbot
Antwort #2 - 01.12.09 um 22:12:59
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Quote:
einheitliches bauten harmonisierungs gesetz?


Mit dem alten "Anscheinparagraphen" im Waffengesetz
wäre das einfacher gewesen: Wirken doch Minarette ein kleines bißchen wie ICBMs (Interkontinentalraketen)
... sind also ggf. dazu geeignet, den Anschein von Kriegswaffen zu erwecken. Andererseits: Kirchenglocken am Sonntag morgen erwecken nicht nur diesen Anschein ...


  

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perle
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Re: Minarett-Verbot
Antwort #1 - 01.12.09 um 21:07:23
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hardl schrieb on 01.12.09 um 20:52:05:
ein Christen-Schutzgesetz daraus zu machen



wie wäre es mit:

einheitliches bauten harmonisierungs gesetz?

das bringt auch die atheisten mit ins boot..........
  

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hardl
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Minarett-Verbot
01.12.09 um 20:52:05
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das Wort gefällt mir nicht, wird aber ständig in der Zeitung verwendet.

Mein Verbesserungsvorschlag zur Wortwahl und Entschärfung zukünftiger Diskussionen wäre:

ein Christen-Schutzgesetz daraus zu machen


Wer hat noch Ideen?

PS:Ich will niemanden wegen seines Glaubens beleidigen, es ist ironisch gemeint.
« Zuletzt geändert: 01.12.09 um 20:57:08 von hardl »  
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