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Sehr heißes Thema (mehr als 50 Antworten) Alkohol - Kündigt sich die nächste Verbotswelle an? (Gelesen: 9.213 mal)
xila
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Re: Alkohol - Kündigt sich die nächste Verbotswelle an?
Antwort #10 - 16.12.09 um 18:26:46
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Zora schrieb on 16.12.09 um 18:05:34:
xila

Quote:
in Stuttgart ging es explizit um Minderjährige, also nicht die Altersgruppe bis unter 20, sondern die unter 18 Jahren. Für die gibt es nämlich ein (anscheinend relativ neues) Programm, daß sie, wenn sie wegen Alkoholvergiftung im Krankenhaus landen, von dieser Drogenberatungstante dort aufgesucht werden. Deshalb kann man dieser Dame auch unterstellen, daß sie besser über die Einzelheiten, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Fälle im Bilde ist, als sie sich aus bloßen Zahlen herauslesen lassen.

Daß die Stuttgarter Zahlen gerade deshalb nicht kompatibel mit den handelsüblichen statistischen Daten sind, bei denen die Altersgruppen 10- unter 15 und 15- unter 20 zusammengefaßt werden, zeigt m.E. auch, daß es sich lohnen würde, das statistische Material ebenfalls mal etwas tiefergehend zu untersuchen.



xila, weißt du zufällig, ob dieses stuttgarter programm in irgendeiner form mit der geplanten studie zur europäischen jugendgesundheit zusammenhängt?



Ich glaube, eher nicht. Dem Projekt droht gerade das Aus, weil zum Jahresende die Stadtverwaltung den Geldhahn zudrehen will, siehe hier: http://www.release-drogenberatung.de/fileadmin/Dateiarchiv/PDF/Release/Stuttgart...

Übrigens, was mir in dem Interview auffiel: Die Drogenberatungstante hat sich dem Vokabular, das die Interviewerin ganz stur bis zum Schluß des Interviews verwendet hat ("Komasaufen" etc.) beharrlich während des gesamten Interviews verweigert. Fand ich mindestens ebenso erfreulich wie die Weigerung, die Deutungen, die die Zeitung für das "Phänomen Komasaufen" hat, zu übernehmen. Im Grunde wär's schade um dieses Projekt, weil dann niemand mehr diese besondere Nahperspektive hätte und sie ggf. auch anderen vermitteln könnte.

« Zuletzt geändert: 16.12.09 um 18:27:02 von xila »  

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Zora
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Re: Alkohol - Kündigt sich die nächste Verbotswelle an?
Antwort #9 - 16.12.09 um 18:05:34
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xila

Quote:
in Stuttgart ging es explizit um Minderjährige, also nicht die Altersgruppe bis unter 20, sondern die unter 18 Jahren. Für die gibt es nämlich ein (anscheinend relativ neues) Programm, daß sie, wenn sie wegen Alkoholvergiftung im Krankenhaus landen, von dieser Drogenberatungstante dort aufgesucht werden. Deshalb kann man dieser Dame auch unterstellen, daß sie besser über die Einzelheiten, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Fälle im Bilde ist, als sie sich aus bloßen Zahlen herauslesen lassen.

Daß die Stuttgarter Zahlen gerade deshalb nicht kompatibel mit den handelsüblichen statistischen Daten sind, bei denen die Altersgruppen 10- unter 15 und 15- unter 20 zusammengefaßt werden, zeigt m.E. auch, daß es sich lohnen würde, das statistische Material ebenfalls mal etwas tiefergehend zu untersuchen.



xila, weißt du zufällig, ob dieses stuttgarter programm in irgendeiner form mit der geplanten studie zur europäischen jugendgesundheit zusammenhängt?

perle:
Quote:
hier wird für mich nach dem motto "steter tropfen höhlt den stein" versucht, langsam das alter für alkoholgenuß nach oben zu schieben


praktisch ist das ja schon mit der 0,0 Promilleregelung für führerscheinneulinge gemacht worden, die, wenn ich richtig informiert bin, die ersten zwei jahre oder bis zum 21 sten geburtstag gilt.
  

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perle
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Re: Alkohol - Kündigt sich die nächste Verbotswelle an?
Antwort #8 - 16.12.09 um 15:03:10
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auch im ärzteblatt wird das heute thematisiert.
dort wartet man gar mit einer steigerung von 170% auf, allerdings im vergleich zum jahr 2000.

Quote:
Wie das Statistische Bundesamt zuvor in Wiesbaden mitgeteilt hatte, wurden im vergangenen Jahr rund 25.700 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 10 und 20 Jahren aufgrund akuten Alkoholmissbrauchs stationär betreut. Das ist ein Anstieg von elf Prozent im Vergleich zu 2007. Im Vergleich zum Jahr 2000 stieg die Zahl sogar um 170 Prozent.

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/39355/Suchtexperte_fordert_schaerfere_Kont...


leider wird auch hier wieder nicht in gruppen (kinder, jugendliche, junge erwachsene) unterteilt, so daß man nicht genau nachvollziehen kann, in welcher gruppe sich steigerungsraten tatsächlich ergeben haben. so weiß man nicht, ob die steigerung hauptsächlich in der altersgruppe 18-20 jahre liegt, oder nicht.

interessant auch folgender aspekt in dem artikel:

Quote:
„Wir müssen dazu kommen, dass die Ausweiskontrollen bis zu einem geschätzten Alter von 25 Jahren an Supermarktkassen selbstverständlich werden”, sagte der Suchtexperte.


hier wird für mich nach dem motto "steter tropfen höhlt den stein" versucht, langsam das alter für alkoholgenuß nach oben zu schieben.
  

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Re: Alkohol - Kündigt sich die nächste Verbotswelle an?
Antwort #7 - 16.12.09 um 14:33:10
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Zora,

in Stuttgart ging es explizit um Minderjährige, also nicht die Altersgruppe bis unter 20, sondern die unter 18 Jahren. Für die gibt es nämlich ein (anscheinend relativ neues) Programm, daß sie, wenn sie wegen Alkoholvergiftung im Krankenhaus landen, von dieser Drogenberatungstante dort aufgesucht werden. Deshalb kann man dieser Dame auch unterstellen, daß sie besser über die Einzelheiten, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Fälle im Bilde ist, als sie sich aus bloßen Zahlen herauslesen lassen.

Daß die Stuttgarter Zahlen gerade deshalb nicht kompatibel mit den handelsüblichen statistischen Daten sind, bei denen die Altersgruppen 10- unter 15 und 15- unter 20 zusammengefaßt werden, zeigt m.E. auch, daß es sich lohnen würde, das statistische Material ebenfalls mal etwas tiefergehend zu untersuchen.

Diese zwei Jahrgänge hin oder her machen möglicherweise eine ganze Menge Unterschied. Ich erinnere daran, daß Mädchen bei ihren ersten Erfahrungen mit Alkohol offenbar ein erheblich höheres Risiko als Jungs eingehen, am Ende einen Vollrausch zu haben, wegen niedrigerem Körpergewicht und so. Darauf hat die Drogentante ja auch das durchschnittlich niedrigere Alter der Mädchen bei der Einlieferung zurückgeführt, und ich finde, das klingt auch ganz plausibel.

Also, wenn ich eine zwölf-, dreizehnjährige Tochter hätte, dann könnte ich diesem Interview jedenfalls entnehmen, worin der Casus Knacksus besteht und was der Schlüssel dazu wäre, meine Tochter vielleicht vor folgenschweren Dummheiten zu bewahren. Ich würde ihr also vor allem sagen, sie solle sich auch nicht als Mutprobe oder so zum Wodkatrinken verleiten lassen, falls sie keinen gesteigerten Wert darauf legen sollte, im Olgäle den Magen ausgepumpt zu bekommen.
  

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Re: Alkohol - Kündigt sich die nächste Verbotswelle an?
Antwort #6 - 16.12.09 um 14:21:00
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Sollte beim Alkohol die Branche ebenso dumm wie seinerzeit die "pöse Tabaklobby" sein und mit Demutsgebärden reagieren, würde es mich nicht freuen (weil man ja an jenem Beispiel verfolgen konnte, wie das endete), aber überrascht wäre ich auch wieder nicht.

Hat von euch eigentlich schonmal wer das Buch gelesen "Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren"? Ich les das gerade; ganz bin ich noch nicht durch. Duchaus spannend, wenn auch keine ganz so locker-leichte Lektüre, wie es der Titel erwarten läßt.

Das Beispiel des Autors ist die christliche Kirche. Da wird einmal die Korrespondenz von Augustinus mit einem von der damaligen christlichen Kirche verfolgten und enteigneten Heiden zitiert, an anderer Stelle Calvins Argumente, warum Häretiker hart bestraft werden müssen, und dann wiederum läßt er einen Aufklärer gegen Calvin argumentieren.

Das Interessante ist, daß die Aufklärer und Toleranten ebenso wie die Unterlegenen und Opfer von vornherein keine Chance bei einer von beiden Seiten ernst gemeinten Sachdiskussion haben. Jedes Argument prallt an der Tatsache ab, daß der Fanatiker sich im Besitz der Wahrheit glaubt, die ihm gegenüber denen, die diese Wahrheit nicht anzunehmen bereit sind, eine nahezu unbegrenzte Freiheit der anzuwendenden Mittel erlaubt. Toleranz ist nicht nur überflüssig, nein, sie ist in den Augen des Fanatikers sogar von Übel.

Das gilt jedenfalls, wenn und so lange der Fanatiker in der Machtposition ist, um seine Vorstellung von "Wahrheit" anderen aufzuzwingen. Dann ist im Prinzip jedes Mittel erlaubt. Und seine ganz besonderen Feinde sind diejenigen, die seine Wahrheit gehört haben, ohne den "wahren Glauben" anzunehmen. Sie zu bestrafen, ist ein gutes und gottgefälliges Werk.

Der Aufklärer jedenfalls argumentierte hundertprozentig aus derselben Denklogik heraus wie Calvin selbst - ob aus Überzeugung oder nur, weil er andernfalls ebenso auf dem Scheiterhaufen geendet wäre wie die Leute, für die er sich verkämpfte (zweifellos war es auch so nicht ganz ungefährlich für ihn), sei dahingestellt. Im Prinzip lassen sich die Erkenntnisse aus diesem Buch über Logik und Unlogik in Diskussionen mit Fundamentalisten eins zu eins auf die heutige Situation übertragen. Und es erinnerte mich an manchen Stellen ganz fatal an die verbalen "Bußübungen", deren sich die pöse Tabaklobby und Alkohollobby, aber auch diejenigen unter den Rauchern, die gerne als "liebe Raucher" im Gegensatz zu den "bösen Rauchern" wahrgenommen werden möchten, so gerne befleißigen. "Natürlich liegt der Schutz der Nichtraucher uns am Herzen!" - "Niemand hat etwas dagegen, wenn in Restaurants nicht geraucht wird!" - "Der Jugendschutz ist uns sehr wichtig!" ... blahrhabarber ...

Ich bin, wie gesagt, noch nicht ganz durch, aber auf meinem momentanen Stand der Lektüre würde ich aus ihr folgendes Fazit ziehen: Fanatikern sollte man besser gleich die Fresse polieren, anstatt mit ihnen zu diskutieren - das spart einen Haufen Zeit und hindert sie wenigstens daran, ihren Geifer weiterzuverbreiten.

Sollte mein Fazit am Ende des Buches anders lauten, lasse ich es euch natürlich wissen. Vielleicht schafft es der Autor ja auch noch, mich davon zu überzeugen, daß Gewalt dennoch keine Lösung ist (was meinem Gefühl nach durchaus seiner Meinung zu entsprechen scheint).
« Zuletzt geändert: 16.12.09 um 14:34:47 von xila »  

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Re: Alkohol - Kündigt sich die nächste Verbotswelle an?
Antwort #5 - 16.12.09 um 14:09:12
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ebenfalls in der stuttgarter zeitung, allerdings wohl in einer älteren ausgabe als die von der xila oben geschrieben hat, habe ich diesen artikel gefunden:

http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2271946_0_4819_-koma-saufen-im-land-i...

ins auge gesprungen sind mir vor allem die wiedersprüche zu den von xila eingestellten beobachtungen der stuttgarter drogenberaterin, zum beispiel:
Quote:
Rund zwei Drittel der Jugendlichen waren Jungen, ein Drittel Mädchen


(aber evtl. dreht sich die quote im gesammten landesschnitt um)  hä?

sowie die zahlenspielerei der versicherung, die in diesem artikel viel platz einnimmt:

Quote:
Im ersten Halbjahr 2009 wurden nach Zahlen der Landes-AOK 984 Kinder und Jugendliche unter 20 Jahre wegen akuter Alkoholvergiftung ins Krankenhaus gebracht. Rund zwei Drittel der Jugendlichen waren Jungen, ein Drittel Mädchen. Die Behandlungskosten betrugen rund 570.000 Euro. "Entwickeln sich die Zahlen weiter so rasant wie bisher, ist absehbar, dass es auch 2009 zu einer Steigerung der Behandlungszahlen kommen wird", sagte der Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg, Rolf Hoberg.



ob man aus den vielen meldungen zum thema folgern soll, dass sich hier eine antialkoholkampagne anbahnt, weiß ich nicht - fürchte es allerdings genau so wie perle*.
dass die kassen wegen der "steigenden" patientenzahlen und behandlungskosten anfangen zu lamentieren, klingt für mich allerdings erst mal "nur" nach beitragserhöhung.

* den fand ich in diesem zusammenhang auch ganz interessant und stell ihn mal unkommentiert ein:

http://www.swr.de/contra/nachrichten/bw/ulm/-/id=1790024/nid=1790024/did=5652704...



  

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Re: Alkohol - Kündigt sich die nächste Verbotswelle an?
Antwort #4 - 16.12.09 um 13:52:07
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in frankreich sollen bar-und diskobetreiber zukünftig alkoholtests zur verfügung stellen:

Quote:
PARIS (dpa). In Frankreich sollen Nachtschwärmer künftig in jeder Bar und Diskothek einen Alkoholtest machen können. Im Kampf gegen Verkehrsunfälle durch betrunkene Autofahrer will Innenminister Brice Hortefeux Gaststättenbetreiber zwingen, für die Gäste Testgeräte bereitzuhalten.

http://www.aerztezeitung.de/panorama/article/581782/frankreich-will-alkoholteste...


wie weit die branche schon eingeknickt ist, kann man daran sehen, daß die verbände befürchten die kosten selbst tragen zu müssen, obwohl der staat die testgeräte zahlen müsste.

falscher ansatz! kann ich da nur sagen, alkoholtests im rahmen von verkehrsaufgaben ist auch in frankreich eine staatliche aufgabe.

der verband hätte sich lieber darüber aufregen sollen, daß staatliche kontrollfunktionen an die gastronomie verlagert wird.

und es bleiben noch fragen offen. was ist, wenn die testgeräte im einsatz sind, und jemand mehr als die vorgeschriebene menge intus hat. ist dann der gastwirt verpflichtet, die autoschlüssel einzuziehen? und wenn ja, hat der gastwirt dann auch obhutspflicht über die wagen, deren schlüssel er einbehalten mußte?

sicherlich bekommen patissiers in frankreich bald die aufgabe, den blutzuckergehalt ihrer kunden zu überwachen, und lebensmittelhändler die pflicht, übergewichtigen kunden bestimmte produkte nicht zu verkaufen.
« Zuletzt geändert: 16.12.09 um 13:54:48 von perle »  

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Re: Alkohol - Kündigt sich die nächste Verbotswelle an?
Antwort #3 - 16.12.09 um 12:45:49
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Erstaunlicherweise fand sich in der Stuttgarter Zeitung ein Interview, in dem die Zahlen - bezogen auf Stuttgart - von einer Expertin, nämlich einer Dame von der Drogenberatung "Release", ganz nüchtern und ohne Gezeter mit Inhalten versehen wurden.

Ergebnis: Es werden in Stuttgart im Lauf des Jahres 2009 wohl am Ende um die 100 Minderjährige sein (dieselbe Zahl wie letztes Jahr), die wegen Alkoholvergiftung ins Krankenhaus gekommen sind; bislang sind es 92 - 50 Mädchen und 42 Jungs.

Die Jüngste dieser 92 Fälle war ein zwölfjähriges Mädchen, wie überhaupt die Mädchen einen Tick jünger gewesen seien. Bei Jungs gehe es erst so mit 14, 15 los, unter den Mädchen fanden sich auch mehrere Dreizehnjährige.

Auf die Frage nach den Gründen für "die massive Ausweitung des Komasaufens" antwortete sie - was zu meinem Bedauern keine klare, direkte Antwort auf die Frage war - vor allem habe sich der Umgang damit geändert, es werde schneller der Rettungswagen gerufen oder die Polizei geholt. Das sei auch gut so, denn es mache die Zahlen greifbarer, als wenn die Jugendlichen sich "klammheimlich zu Hause ins Bett legen".

Die allgemeinen Zahlen besagten ihrer Darstellung nach, daß der Alkoholkonsum von Jugendlichen nicht an sich ansteigt, sondern daß ein Teil der Jugendlichen kräftiger trinke. Das sei auch bei anderen Rauschdrogen zu beobachten. Kinder versuchten sich damit von ihrer Kindheit abzugrenzen, und bei zierlichen jungen Mädchen, die wenig wiegen, könne es mit dem Rausch ganz schnell gehen.

Im Krankenhaus seien die meisten noch einsichtig, aber zu weiteren Beratungsgesprächen käme fast keiner von ihnen mehr.

Ein weiteres Detail fand ich interessant: Bei fast allen Einlieferungen von Minderjährigen, so die Dame von der Drogenberatung, sei Wodka im Spiel gewesen. Aha. Genau das also, was Minderjährige in der Kneipe (in die sie jetzt von vornherein gar nicht mehr hineindürfen) gar nicht kriegen würden.

Was die Dame leider verschwieg, war eine Antwort auf die Frage, bei wie vielen der Eingelieferten der letzten zwei, drei Jahre die Sache ein einmaliges Ereignis geblieben ist, und wie viele schon wiederholt aufgefallen sind. Es liest sich nämlich so, als wären das mehrheitlich einmalige Sachen.
  

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Re: Alkohol - Kündigt sich die nächste Verbotswelle an?
Antwort #2 - 15.12.09 um 20:45:23
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@ Xila,

in der letzten zeit ist verdammt viel von alkohol die rede. vielleicht erleben wir ja wieder den beginn einer neuen kampagne.

neu ist jedenfalls, daß es plötzlich nicht mehr nur um jugendliche komasäufer geht, sondern jetzt sind die alten auch alle komasäufer.

gibt gar keine normalen mehr, die nur gelegentlich oder regelmäßig kleine mengen alkohol trinken.

nur noch komasäufer unterwegs..........
  

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Terrx
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Einheit in Vielfalt war
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Re: Alkohol - Kündigt sich die nächste Verbotswelle an?
Antwort #1 - 15.12.09 um 20:29:10
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Man fokussiert auf diese Altersgruppe.
Innerhalb der gesamten Statistik fällt sie aber kaum aus dem Rahmen.
Destatis
Diagnose F10.0 gibt es in Deutschland ständig gleichmäßig steigend.

PS: ".0" bedeutet übrigens oft, aber nicht immer Alkohol.
« Zuletzt geändert: 15.12.09 um 20:33:52 von Terrx »  
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Alkohol - Kündigt sich die nächste Verbotswelle an?
15.12.09 um 18:30:43
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Quote:
Es werden immer mehr: Das Statistische Bundesamt hat für das Jahr 2008 die Zahl der akuten Alkoholvergiftungen bei Kinder und Jugendlichen bekanntgegeben. Im vergangenen Jahr mussten 25.700 junge Menschen im Alter zwischen 10 und 20 Jahren stationär im Krankenhaus behandelt werden. Das sind elf Prozent mehr als 2007. Wirklich alarmierend aber ist der Vergleich mit dem Jahr 2000 - damals waren es nur 9500. Somit hat sich die Zahl der jungen Komasäufer in acht Jahren fast verdreifacht.


http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,667206,00.html

Und:

Quote:
Alkoholmissbrauch war mit dem Krankheitsbild psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol mit insgesamt 333.800 stationären Aufnahmen auch der zweithäufigste krankheitsbedingte Grund für einen Krankenhausaufenthalt überhaupt. Der häufigste Krankheitsgrund Herzinsuffizienz lag mit 350.700 Fällen nur knapp darüber


und:

Quote:
Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, forderte entschiedenes Handeln: Gegen das Rauschtrinken der immer größer werdenden Gruppe von Kindern und Jugendlichen müsse mehr getan werden. Es würden zwar immer mehr, aber dennoch seien sie nur eine Minderheit. Insgesamt ging laut der FDP-Politikerin der regelmäßige Alkoholkonsum unter Jugendlichen in den vergangenen Jahren zurück.

Offenbar reichten die bisherigen Präventionsmaßnahmen aber nicht aus. Notwendig seien Ausweiskontrollen bis zu einem geschätzten Alter von 25 Jahren an allen Alkoholverkaufsstellen. Dies wolle sie in Kürze mit dem Hauptverband des deutschen Einzelhandels diskutieren, betonte Dyckmans. Weiter nötig sind nach ihrer Auffassung eine bessere Alkoholprävention an den Schulen und eine bessere Einbeziehung der Eltern in die Aufklärung.


  

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