Heißes Thema (mehr als 10 Antworten) Gastronomie, Sucht und soziale Kontrolle (Gelesen: 590 mal)
xila
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... hat meistens recht
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Gastronomie, Sucht und soziale Kontrolle
20.05.10 um 09:26:50
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Eine sehr scharfsinnige Analyse der Zusammenhänge zwischen dem Bestreben, legale "Suchtfaktoren" immer weiter in Richtung Illegalität zu treiben, und beunruhigenden parallel erfolgenden gesellschaftlichen Fehlentwicklungen.

http://gastrobetreuung.de/gastroblog/gastronomie-und-gesellschaft/raucherkneipen...

Auch das Verständnis des Blogautors der Rolle, die Kneipen in der Gesellschaft sowie für ihre Besucher spielen, finde ich sehr lesenswert:

http://gastrobetreuung.de/gastroblog/worum-gehts/
  

Unwillkommene Tatbestände sind von einer unbeweglichen Hartnäckigkeit, die durch nichts außer der glatten Lüge erschüttert werden kann. (Hannah Arendt)
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cogito
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ergo sum

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Re: Gastronomie, Sucht und soziale Kontrolle
Antwort #1 - 20.05.10 um 10:40:27
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Hervorragende Analyse.
  

"No passion so effectually robs the mind of all its powers of acting and reasoning as fear."

"The powers in charge keep us in a perpetual state of fear,"
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Zora
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Re: Gastronomie, Sucht und soziale Kontrolle
Antwort #2 - 20.05.10 um 11:52:14
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Quote:
Hervorragende Analyse.

finde ich auch, nur dass der autor leider einen inhaltlichen elementarfehler drin hat: prof. wiebel würde niemals eine studie für das aktionsbündnis "bayern sagt nein!" lancieren, wiebel steht auf der seite der "ja-sager" um das aktionsbündnis nichtraucherschutz, also ödp und co.
  

"Puritaner sollten zwei Feigenblätter vor den Augen tragen." (Stanislaw Lec)
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Matrix
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In tyrannos!

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Re: Gastronomie, Sucht und soziale Kontrolle
Antwort #3 - 20.05.10 um 12:57:21
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Hervorragend!
  

Tu felix Austria fume
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perle
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Re: Gastronomie, Sucht und soziale Kontrolle
Antwort #4 - 20.05.10 um 13:16:52
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xila schrieb on 20.05.10 um 09:26:50:
Eine sehr scharfsinnige Analyse der Zusammenhänge zwischen dem Bestreben, legale "Suchtfaktoren" immer weiter in Richtung Illegalität zu treiben, und beunruhigenden parallel erfolgenden gesellschaftlichen Fehlentwicklungen. 


darüber hinaus fragt man sich als halbwegs zivilisierter mitteleuropäer, wie solche vorschläge zu verstehen sind:

Quote:
Politiker wollen sämtliche Drogen legalisieren
http://tinyurl.com/2wjx4js


frage: darf man zukünftig, falls das realität werden sollte, sich im café oder der kneipe 'ne line ziehen, aber wenn geraucht wird, werden gast und gastwirt mit einer strafe belegt?
  

das licht am ende des tunnels könnte auch ein idiot mit einer kerze sein
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Martella
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Reality.sys is corrupted!
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Re: Gastronomie, Sucht und soziale Kontrolle
Antwort #5 - 20.05.10 um 18:20:03
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perle schrieb on 20.05.10 um 13:16:52:
frage: darf man zukünftig, falls das realität werden sollte, sich im café oder der kneipe 'ne line ziehen, aber wenn geraucht wird, werden gast und gastwirt mit einer strafe belegt?

Der professionelle Anti würde drauf sagen: "Den Koks muss ich ja nicht mitschnupfen!"

Ich habe eher den Verdacht, dass diese leisen Tendenzen, Drogen nicht mehr unter Strafe zu stellen, unter den Oberbegriff "Sparmaßnahmen" fallen. Was ja auch stimmt. Die Kieberer, die im Normalfall hinter den Hanfpflanzerln her sind, ließen sich vielleicht nutzbringender bei der Verfolgung von Einbrechern oder ähnlichem Gelichter einsetzen.
« Zuletzt geändert: 20.05.10 um 18:20:28 von Martella »  
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ChristophL
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Re: Gastronomie, Sucht und soziale Kontrolle
Antwort #6 - 20.05.10 um 19:46:08
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Quote:
Ich habe eher den Verdacht, dass diese leisen Tendenzen, Drogen nicht mehr unter Strafe zu stellen, unter den Oberbegriff "Sparmaßnahmen" fallen. Was ja auch stimmt. Die Kieberer, die im Normalfall hinter den Hanfpflanzerln her sind, ließen sich vielleicht nutzbringender bei der Verfolgung von Einbrechern oder ähnlichem Gelichter einsetzen.


Die Verminderung von Kosten für Verbrechensbekämpfung und Strafverfolgung sowie die Verringerung von Kriminalität durch Rückgang der Beschaffungsdelikte sind seit eh und je Argumente gegen die Drogenprohibition, stoßen aber im Allgemeinen auf taube Ohren. An ein großes Umdenken glaube ich da nicht.
Ein anderes finanzielles Argument taucht allerdings im o.g. Artikel auf, nämlich die Besteuerung legalisierter Drogen. Big Government setzt ja nicht auf Ausgabenreduzierung, sondern auf Einnahmenerhöhung. Außerdem - auch das ein typischer Gedanke - soll die Legalisierung einer sehr weitgehenden Durchregulierung dieser Drogen dienen.

« Zuletzt geändert: 20.05.10 um 19:46:41 von ChristophL »  
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perle
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Re: Gastronomie, Sucht und soziale Kontrolle
Antwort #7 - 20.05.10 um 19:48:15
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Martella schrieb on 20.05.10 um 18:20:03:
Die Kieberer, die im Normalfall hinter den Hanfpflanzerln her sind, ließen sich vielleicht nutzbringender bei der Verfolgung von Einbrechern oder ähnlichem Gelichter einsetzen. 


oder man spart genau diese kieberer ebenfalls ein, und mit dem legalisieren von drogen erhofft man sich zusätzliche steuereinnahmen.

wenn schon die bankster keine steuer zahlen, dann vielleicht die gangster?

sorry ich lese gerada "gangster wirtschaft" von jürgen roth, und bin entsprechend demoralisiert......
  

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Zora
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Re: Gastronomie, Sucht und soziale Kontrolle
Antwort #8 - 20.05.10 um 21:58:37
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perle, auf das buch bin ich auch schon gestolpert. die besprechung war gut, was sagst du?
  

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perle
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Re: Gastronomie, Sucht und soziale Kontrolle
Antwort #9 - 21.05.10 um 08:29:49
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Zora schrieb on 20.05.10 um 21:58:37:
perle, auf das buch bin ich auch schon gestolpert. die besprechung war gut, was sagst du? 


eine besprechung habe ich nicht gesehen oder gelesen. mein freund hat sich das buch gekauft, und jezt lese ich es.

was ich im kontext und als absolutes kontrastprogramm danach empfehlen kann, ist "hammerstein oder der eigensinn" . mehr hammersteins täten der gesellschaft außerordentlich gut. hier ein link dazu: www.suhrkamp.de/hammerstein mit sehens- und hörenswertem video vom schriftsteller - hans magnus enzensberger.
« Zuletzt geändert: 21.05.10 um 08:30:12 von perle »  

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gastromartini
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Hallo

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Re: Gastronomie, Sucht und soziale Kontrolle
Antwort #10 - 21.05.10 um 14:41:22
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Ich möchte mich für die lobenden Worte zu meinem Artikel bedanken.
Den üblen Schnitzer mit dem falschen Volksbegehren werde ich demnächst korrigieren. Als Blogneuling muss ich erst noch checken, ob mir bei einer Änderung die Kommentare nicht flöten gehen. Christophs ist mein erster, und denn will ich natürlich in Ehren halten Smiley.
Bevor ich gestern nacht geplättet meinen Blog besichtigt habe, hat sich "Pelzig unterhält sich" in der ARD auch zum angesprochenen Thema Drogenlegalisierung  geäussert. Anscheinend stammt der Vorschlag aus Holland, woher auch sonst.
Aufgemerkt, Pelzig hält das für einen bedenkenswerten Ansatz, die Staatsfinanzen zu sanieren. Schließlich sei viel Geld verdient, und die Kosten bei der Verfolgung von Kriminellen sinken rapide (stimmt beides). Er fragt sich, was aus Sicht des Staates krimineller sei: Der Betrieb eines Mohnfeldes oder der Besitz einer Landesbank.
Hinter dem Spaß verbirgt sich auch eine Erkenntnis: Unter anderem wegen solcher Erwägungen war die staatliche Seite zumindest in Deutschland ja gar nicht der grosse Treiber bei der Hetzjagd auf Raucher. Vielmehr ist es ein verschwindend kleiner gesellschaftlicher Anteil von besserwisserischen Betonköpfen, die hier einen Kreuzzug führen. Dieser kleine Teil hat es lediglich geschafft, sich eine sehr grosse Aufmerksamkeit zu verschaffen.
  
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xila
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Re: Gastronomie, Sucht und soziale Kontrolle
Antwort #11 - 21.05.10 um 15:38:44
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Wie schön, daß mein Link dich zu einem Besuch hier animiert hat.  Smiley

gastromartini schrieb on 21.05.10 um 14:41:22:
Dieser kleine Teil hat es lediglich geschafft, sich eine sehr grosse Aufmerksamkeit zu verschaffen.


Die spannende Frage ist: Wie kam's dazu? Und die noch spannendere Frage: Wohin wird's führen?

Dieses Komasaufen-Phänomen, das du in deinem Blogartikel erwähnt hattest: Mir fiel das auch schon auf. Das wurde nahezu parallel zu den ersten Rauchverbots-Debatten zum großen Aufreger-Thema.

Dazu fällt mir aber noch etwas ganz anderes ein: Die zunehmende Härte, mit der sich die Ordnungshüter in den letzten Jahren bemüßigt fühlen, Jugendliche bzw. junge Erwachsene präventiv zu kontrollieren und dabei in rüdester Weise anzugehen. Mein Sohn hat schon Haarsträubendes davon erzählt, wie Kontrollen auch am hellichten Tag und auf offener Straße ablaufen.

Neulich wurde mir von jemandem, der als Mittvierziger längst jenem Alter entwachsen ist, von einer Freitagabend-Kontrolle in der S-Bahn durch ca. ein Dutzend Uniformierte erzählt. Erst dachte er, ein Gewaltverbrecher müsse an Bord sein, als plötzlich der Wagen voller Polizei war. Dann stellte sich aber heraus, daß sie es nur auf die jungen Leute abgesehen hatten, die wie Partygänger aussahen.

Wie mit ihnen umgesprungen wurde, entsprach seiner Schilderung nach ziemlich genau dem, wie es auch mein Sohn beschrieben hatte.

Aber dann wieder nichts als kulleräugige Verwunderung des Polizeisprechers darüber, daß in unserer örtlichen Kriminalstatistik unter Jugendlichen das Delikt "Widerstand gegen die Staatsgewalt" so steil angestiegen ist. Die wissen offenbar wirklich nicht, was sie tun.

Beim Rauchverbot wissen sie es auch nicht.
  

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perle
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Re: Gastronomie, Sucht und soziale Kontrolle
Antwort #12 - 21.05.10 um 18:47:58
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gastromartini schrieb on 21.05.10 um 14:41:22:
Dieser kleine Teil hat es lediglich geschafft, sich eine sehr grosse Aufmerksamkeit zu verschaffen. 


ja schon erstaunlich, wie eine doch verschwindend geringe minderheit, gemessen an ihrem sonstigem gesellschaftlichen und politischem engagement, es schafft so ein großes rad zu drehen.

das bringt uns wieder zu der 1. philip-marlowe-regel "follow the money".

bei der lektüre, die ich gerade verarbeite (gangster wirtschaft) kommen mir da ein paar ganz seltsame gedanken. dagegen ist lobbying der pharmaindustrie geradezu eine wohltat.
  

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Meinrad
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Wider das tierische Abstinenzlertum
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Re: Gastronomie, Sucht und soziale Kontrolle
Antwort #13 - 22.05.10 um 06:54:49
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Ich bin nicht so ganz begeistert von der Analyse des Blogautoren. Die Gastronomie ist von vornherein unter dem Aspekt "Sucht" zu sehen und auch er reiht sich in die Schar derer ein, die meinen überlegen zu müssen, wie sie zu verhindern sei. Das 20. Jahrhundert dachte eben anders: die Gastro ist so zu gestalten, dass sie einen sozialen Austaush möglich macht und dass sie den gesellschaftlichen Zusammenhang fördert. "The pub is the hub", nicht nur in England. Da wurde die Politik gemacht und es steht wohl außer Frage, dass wir ohne die Gaststätten niemals eine Demokratie bekommen hätten. Dasselbe gilt für den Sport, die Musik und die großen Verbände. Gerade in Deutschland sind die Menschen bereit, ungeheuer viel für die Allgemeinheit zu tun und dazu brauchen sie die Gastwirtschaft als Drehscheibe. Dass dies alles schlagartig zusammenbricht, wenn man den Akteuren nur noch und ausschließlich Kamillentee ausschenkt, war dermaßen offensichtlich, dass es nie Gegenstand der Diskussion war. Dieses muntere Treiben erfordert härtere Zutaten und man hielt das für eine Petitesse. Alle Erfahrungen, die man jetzt mit der Prohibition macht, zeigen eins: diese Einschätzung war absolut richtig, strenge Rauchverbote lassen dieses Milieu auf Erbsengröße schrumpfen. Das wirklich massive Kneipensterben in UK und Frankreich zeigt doch eins: unsere Vorfahren sind nur deswegen aus dem trostlosen Mittelalter haraus gekommen, weil nie eine dermaßen dämliche Generation wie die unsere dazwischen war.

Die Gastro erfüllt ihren eigentlichen Zweck nicht mehr, der Konsum von legalen wie illegalen Drogen bleibt davon unbeeinflusst, die Jugendlichen treffen sich jetzt im Freien und nicht mehr unter Aufsicht eines Wirts, der bemüht war, zweifelhafte Elemente aus seiner Wirtschaft fernzuhalten. Saufende Jugendliche ohne Aufsicht sind geradezu eine Einladung für Ganoven aller Art: als Absatzmarkt und Rekrutierungsplatz sind sie geradezu ideal. All das war längst in England zu sehen und ist in diesem Forum bereits vor zwei Jahren ausführlich beschrieben worden. Was einen an der Sache immer wieder wundert: die strikte Weigerung, das Offensichtliche zur Kenntnis zu nehmen und daraus zu lernen.

Eine dämlichere Idee, als Rauchverbote zum Schutz der Jugend ist wohl kaum denkbar.

Gruß Meinrad



  
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