Seitenindex umschalten Seiten: 1 2 [3] 4 5 6 Thema versendenDrucken
Sehr heißes Thema (mehr als 50 Antworten) Anderer Rechtsweg? (Gelesen: 5.419 mal)
xila
Advanced Member
*****
Offline


... hat meistens recht
;)

Beiträge: 4.115
Mitglied seit: 15.10.07
Re: Anderer Rechtsweg?
Antwort #30 - 11.07.10 um 09:53:42
Beitrag drucken  
Quirinus,

beim Lesen dieses Beitrags wurde mir erst so richtig klar, wie sehr du mir in den letzten Monaten gefehlt hattest.  Kuss
  

Unwillkommene Tatbestände sind von einer unbeweglichen Hartnäckigkeit, die durch nichts außer der glatten Lüge erschüttert werden kann. (Hannah Arendt)
Zum Seitenanfang
 
IP gespeichert
 
nicotiana
Newbie
*
Offline


Morituri te salutant!

Beiträge: 45
Standort: Pfaffenhofen
Mitglied seit: 09.07.10
Geschlecht: männlich
Re: Anderer Rechtsweg?
Antwort #31 - 11.07.10 um 10:03:45
Beitrag drucken  
@Quirinus: Acu tetigisti!


ChristophL schrieb on 11.07.10 um 00:02:05:
Ich zwinge niemanden. Der Markt auch nicht


Du vielleicht nicht. Der "Markt" schon, denn die heutzutage von gewissen Kreisen in den Stand eines zwingend anzubetenden goldenen Kalbes erhobenenen
"Sachzwänge" machen die Menschen zu einem reinen betriebswirtschaftlichen Kostenfaktor ("Human Resource", schon bei dem Begriff allein könnte ich kotzen  Ärgerlich), der sich wie alle anderen Ressourcen dem absoluten Dogma des "Wachstums" unterzuordnen hat, zum Wohle des "Shareholders" und seinem "Value".


ChristophL schrieb on 10.07.10 um 17:28:04:
sanitaristische Regulierung


Bitte klär mich auf, ich will nicht dumm sterben. WTF ist sanitaristisch? Eine ausgiebige Googelei in den Enzyklopädien und Lexika dieser Welt brachte mir nämlich keine Erkenntnis.

  
Zum Seitenanfang
 
IP gespeichert
 
shadu
Advanced Member
*****
Offline


MaryLong I smoke you

Beiträge: 3.642
Standort: Basel
Mitglied seit: 07.08.07
Geschlecht: männlich
Re: Anderer Rechtsweg?
Antwort #32 - 11.07.10 um 10:59:05
Beitrag drucken  
Lieber ChristophL: Dein Zitat: "Wer nicht bestimmte Krankheiten oder Behinderungen hat, kann für sich selbst sorgen." Kann ich als Betroffner absolut nicht gut heissen. Ich beziehe zwar weder Arbeitslosengeld noch Sozialhilfe, noch Invalidenrente. Weil, ich gehöre zu dehnen welche durch alle sozialen Netze durchgefallen ist. Also ein kleiner Fisch. Das nur weil meine Lebenspartnerin ein paar Euro mehr verdient als erlaubt !!!

Als Betroffner sieht man die ganze Sache in einem anderen Licht, und wenn ich dann bei uns in der Schweiz die Kommentare der rechtschaffenen Bürger lese, welche durch ihre Steuern sozialschwache Menschen unterstützen müssen. Dann macht mir das Angst für die Zukunft. Nicht für mich persönlich, aber für alle anderen Menschen die noch in diese Netze fallen werden.

http://tinyurl.com/2wx9man

Hier sehen wir Beispiele wie Sozialhilfebezüger von einem Teil der Gesellschaft getreten werden. Diskriminierung wie beim Raucher. Es sind auch die gleichen Mechanismen die zu Tage treten.

Kommentare:

Wieso die Sozialinspektoren abschaffen? Hat die Sozialmafia etwa Angst, dass sie bald nichts mehr zu tun hat, wenn es viel weniger Bezüger und Betrüger gibt?

Am Liebsten wieder Sozialfürsorge auszahlen, an alle, die möchten! Sicher gibt es auch arme Leute, aber für Leute, welche zu faul sind zum arbeiten, kotzt es mich einfach an, Steuern zu bezahlen!!!

Schon erstaunlich wie immer die gleichen Leute (Junge, Grüne, Migranten usw.) gegen irgendwelche Kontrollen sind. Es sind die gleichen welche den ganzen Schlamassel zu verantworten haben. Wer nichts zu verstecken hat, hat auch nichts zu befürchten und könnte die Sache gelassener sehen. Sind wahrscheinlich die gleichen welche sich empören, aber gleichzeitig ihr halbes Leben auf Facebook dokumentiert haben

...ich kenne etliche Sozialbezüger in der Stadt Bern und eine Überprüfung kann nicht schaden! Seit Jahren sind diese im Genuss und gurgeln auf unsere Kosten Bier und Drogen hinunter! Auf die Frage: Was macht ihr gegen eure Situation? - erhält man nur ein müdes Lächeln!

Und darum bin ich auch für ein bedingungsloses Grundeinkommen für jeden.
  
Zum Seitenanfang
 
IP gespeichert
 
Gizeh
God Member
****
Offline


be happy

Beiträge: 541
Standort: Marburg
Mitglied seit: 09.08.07
Geschlecht: weiblich
Re: Anderer Rechtsweg?
Antwort #33 - 11.07.10 um 11:26:28
Beitrag drucken  
shadu schrieb on 11.07.10 um 10:59:05:
Kommentare:

Wieso die Sozialinspektoren abschaffen? Hat die Sozialmafia etwa Angst, dass sie bald nichts mehr zu tun hat, wenn es viel weniger Bezüger und Betrüger gibt?...


Jeder der solche Kommentare schreibt, sollte sich vor Augen halten, dass morgen bei IHM der Sozialinspektor vor der Tür stehen kann.

shadu schrieb on 11.07.10 um 10:59:05:
Und darum bin ich auch für ein bedingungsloses Grundeinkommen für jeden.


Bedingungslose Zustimmung.
  

Der Kultivierte bedauert nie einen Genuss. Das Unkultivierte weiß überhaupt nicht, was ein Genuss ist. (Oscar Wilde)
Zum Seitenanfang
 
IP gespeichert
 
Christoph Suter
Advanced Member
*****
Offline


Corruptissima re publica
plurimae leges!

Beiträge: 3.023
Standort: Basel (Schweiz)
Mitglied seit: 07.06.06
Geschlecht: männlich
Re: Anderer Rechtsweg?
Antwort #34 - 11.07.10 um 11:32:18
Beitrag drucken  
Kompliment Quirinus. Bin beeindruckt.

PS. Deshalb hat in den USA das Medikament Xanax® (Alprazolam) von Pfizer etwa denselben Erfolg, wie die Schweizer Kräuterbonbons von Ricola®. Man lutscht sie prophylaktisch  Zwinkernd 
  
Zum Seitenanfang
 
IP gespeichert
 
perle
Advanced Member
*****
Offline



Beiträge: 6.161
Mitglied seit: 05.04.07
Re: Anderer Rechtsweg?
Antwort #35 - 11.07.10 um 13:15:40
Beitrag drucken  
@ Quirinus,

danke für deinen beitrag. den meisten ist nämlich gar nicht bewußt, daß die eingriffe in die private lebensgestaltung der menschen auch ein aspekt der globalisierung seit beginn der 1990er jahre ist, die sich in ihrem geschäftsgebaren und eher an international operierenden mafiastrukturen  oder des internationales terrorismus orientiert, als an dem des taffen, aber trotz allem "erhbaren kaufmanns".

diese art der globalisierung nach dem zusammenbruch des ostblocks zielt [eher] auf den ausverkauf und zusammenbruch von staaten, denn als auf den aufbau eines kundenstamms, denn man langfristig mit waren und dienstleistungen beliefern kann, so wie das nach dem WKII in europa und weltweit und jahrtausendelang der konsens aller handelnden nationen war. denn globalisierung ist absolut nichts neues, was in den ausgehenden 1980er jahren erfunden wurde. auch wenn das gerne glauben gemacht wird.

geradezu grotesk, daß sich vertreter eines entgegengesetzten ideals ausgerechnet vor diesen karren spannen läßt. es sei denn sie täten es bewußt.
« Zuletzt geändert: 11.07.10 um 13:26:07 von perle »  

das licht am ende des tunnels könnte auch ein idiot mit einer kerze sein
Zum Seitenanfang
 
IP gespeichert
 
Stefan
Administrator
*****
Offline


Meine Lunge gehört MIR!

Beiträge: 397
Mitglied seit: 23.09.07
Re: Anderer Rechtsweg?
Antwort #36 - 11.07.10 um 21:11:13
Beitrag drucken  
Ja, Quirinius, das macht wirklich Sinn.

Frierende Schafe haben natürlich Anspruch auf Wollpullover vom Guten Hirten. Dafür müssen natürlich erst mal alle Schafe geschoren werden. Weil ja nur der Gute Hirte weiß, wie die Wolle am sozial gerechtesten verteilt wird.

Das ist nun mal so und jedes brave Schaf versteht das auch. Auch, daß es an besonders kalten Tagen manchmal doch friert, nimmt es freudig hin. Da es voller Dankbarkeit ja weiß, daß es ohne den Hirten gar keine Pullover gäbe und alle Schafe jämmerlich erfrieren müßten.
Und da ist es natürlich nur logisch, daß der Gute Hirte auch einen immer größeren Anteil der Wolle für Sich und Seine Hunde einbehält. Immerhin muß er für seine schwierige Aufgabe ja auch immer mehr Schafscherer und Pulloververteiler anstellen, die ja auch nicht frieren wollen. Daß der Gute Hirte auch nur eine falsche Entscheidung treffen könnte, ist ein vollkommen absurde Vorstellung! Und der Gedanke, daß der Gute Hirte Entscheidungen treffen könnte, die nur Ihm, aber nicht der Herde nützen, wäre reinste Blasphemie!

Denn dies Alles geschieht ja nur zum Wohle der Herde!

Daß die Herde das Allerwichtigste ist, lernen die jungen Lämmern nämlich schon in der Lammschule, die der Gute Hirte in Seiner allumfassenden Weisheit für sie eingerichtet hat. Denn natürlich lernen die jungen Lämmer nur so, was für ein Leben als richtiges Schaf wichtig ist. Nur hier lernt es, daß es nun mal für die Herde von unabdingbarer Wichtigkeit ist, daß jedes Schaf immer brav dem Hirten folgt. Zum Wohle der gesamten Schafheit! Seine Eltern könnten diese so dringend notwendige Aufgabe nämlich gar nicht leisten. Sie würden dem Lamm ja nur beibringen, wo es das schmackhafteste Gras gibt, obwohl das ja eigentlich nur der Gute Hirte weiß. Außerdem sind die Eltern ja auch voll und ganz damit beschäftigt, sich scheren zu lassen. Sie hätten also gar keine Zeit, sich um ihre Lämmer zu kümmern. Daher geben sie Ihre Lämmer vertrauensvoll in die Schulen des Guten Hirten. Denn der weiß es ja bekanntlich am Besten!

Und daß der Gute Hirte regelmäßig viele der Lämmern schlachtet, dient ebenfalls nur dem Wohl der Herde. Und daher ist es eine große Ehre für jedes Lamm, wenn der Gute Hirte es zur Schlachtbank führt. Und der Gute Hirte baut ihnen dafür auch weithin sichtbare Denkmäler. Auf denen steht dann geschrieben, wie ehrenvoll die jungen Lämmer ihr Leben für die Herde geopfert haben. Und wenn es da steht, dann muß es ja stimmen!

Die Güte des Guten Hirten zeigt sich auch darin, wie sehr er sich um das Wohlergehen jedes einzelnen Schafes sorgt. Sollte ein Schaf auf die ausgesprochen dumme Idee kommen, die falschen Kräuter grasen zu wollen - nur weil es so ein angenehmes Kribbeln im Bauch verursacht, so schickt der gute Hirte sogleich seine Hunde los. Die knurren dann das dumme Schaf an, bis es von seinen Vorhaben abläßt. Bei besonders uneinsichtigen Schafen müssen sie auch schon mal kräftig zubeißen. Das dient dann auch gleichzeitig den anderen Schafen als Warnung, sich nicht über die weisen Anordnungen des Guten Hirten hinwegzusetzen. Manche Kräuter erlaubt der Gute Hirte Seinen Schafen sogar. Wenn sie denn unbedingt wollen, dürfen sie diese fressen. Aber natürlich nicht zu viel und nur außerhalb der Sicht- und Hörweite der anderen Schafe, die sich durch diese ungehörige und herdenschädliche Verhalten natürlich gestört fühlen. Und das junge, beeinflußbare Lämmlein natürlich neugierig machen könnte.

Damit sich die braven Schafe beim Warten auf ihren gerechten Anteil an Gras und Wollpullovern nicht langweilen, hat der Gute Hirte sich ein erbauliches Unterhaltungsprogramm ausgedacht. In den Pausen erläutern besonders kluge Schafe den weniger klugen, wie gut der Gute Hirte für sie sorgt. Manchmal dürfen die besonders klugen Schafe sogar darüber diskutieren, wie der Gute Hirte in Zukunft noch besser für Seine Schafe sorgen könnte und wie jedes Schaf mithelfen kann, indem es sich noch mehr scheren läßt. Um die Unterhaltung noch vielfältiger zu gestalten ist der Gute Hirte sogar soweit gegangen, besonders verdienten Schafen zu gestatten, ein eigenes Unterhaltungsprogramm aufzuführen. Natürlich kann diese Erlaubnis auch jederzeit wieder entzogen werden, wenn dieses Programm dem Guten Hirten die Ihm angemessene Ehrerbietung versagt.

Natürlich gibt es auch schwarze Schafe. Die sind immer daran schuld, wenn es zuwenig Wolle gibt, denn sie wollen sich nicht oder weniger scheren lassen, was natürlich vollkommen unsolidarisch ist.
Oder sie fressen nicht dasselbe Gras wie die weißen Schafe. Oder ihre ewigen Weidegründe, an die sie glauben, sehen etwas anders aus als wie sie der Gute Hirte beschrieben hat. Oder ihre Fellfarbe ist eben etwas anders. Jedenfalls sind sie immer schuld, wenn es der Herde schlecht geht. Und wie jedes Schaf weiß, ist das Wohl der Herde doch das Allerwichtigste!

Also darf ein derartiges Verhalten vom Guten Hirten natürlich nicht geduldet werden. Wenn diese Herdenschädlinge es zu bunt treiben - das erkennt man daran, daß es der Herde trotz der Bemühungen des Guten Hirten immer schlechter geht - richtet der Gute Hirte dann oft spezielle Gatter ein, in die er die schwarzen Schafe treibt. Natürlich zu rein erzieherischen Zwecken steht über dem Eingang dieser speziellen Gatter dann der erbauliche Sinnspruch "Scheren macht frei".

Und dann gibt es noch die völlig verrückten Schafe, die behaupten, die Schafheit wäre ohne Hirten viel besser dran! Vor dem Blöcken dieser vollkommen abartigen Schafe muß der Gute Hirte die braven Schafe natürlich auch schützen. Daher verbietet Er ihnen vorsorglich das Blöcken, denn dieser Irrsinn würde die ja ansonsten brave Schafe nur verwirren. Zu den erbaulichen Diskussionen im Unterhaltungsprogramm werden solche verrückten Schafe natürlich erst recht nicht eingeladen.

Wo doch jedes brave Schaf weiß: Ohne Hirten gibt es kein Gras und kein Wasser, keinen Schutz vor den bösen Wölfen, von denen die klügsten Schafe nicht müde werden zu warnen (und dafür beim Hirten in besonderer Gunst stehen) und natürlich keine kuscheligen Wollpullover!

Die "Staats-Matrix" von Stefan Molyneux: Original (Englisch) - Deutsche Übersetzung
  
Zum Seitenanfang
 
IP gespeichert
 
ChristophL
Administrator
*****
Offline


Freier Rauch statt Rauchfrei!

Beiträge: 8.667
Mitglied seit: 30.06.06
Re: Anderer Rechtsweg?
Antwort #37 - 11.07.10 um 22:55:45
Beitrag drucken  
Ach, mein lieber Quirinus. Jetzt soll ich schon in die Ecke überheblicher Eliten gesteckt werden. Dabei könnt ihr euch doch denken, dass deren Geld und Macht ziemlich den Bach herunterginge, wenn in einem libertären System diese nicht mehr mit Steuergeldern und ihnen nützlichen Regulierungen gefüttert würde. Und ich in den letzten Jahren immer nachdrücklicher gegen diese Eliten Stellung beziehe.

Bemerkenswert übrigens, dass der pauschale Applaus für dein Posting hauptsächlich aus der Generation der Wirtschaftswunderkinder stammt, was ein bestimmtes Anspruchsdenken erklärt.

Siehe hier:

Quirinus schrieb on 11.07.10 um 06:52:47:
Denn die allermeisten Menschen (und ich rede jetzt von denen, die nach ihrer Ausbildung gearbeitet haben und dann ihre Arbeit verloren haben) werden nicht erst zu Wracks, wenn sie Transferleistungen bekommen, sondern lange vorher, und zwar durch den ungeheuren ökonomischen und psychischen Druck, den unsere Gesellschaft zumal seit den 80er Jahren erzeugt. [...] Die an der Basis arbeiten, zerbrechen hingegen daran: und ich habe schon viele Menschen an dem Irrsinn, der zumal in der sog. freien Wirtschaft herrscht, zerbrechen sehen,  Ich [...] kann [...] nur sagen, daß sich ein Akademiker aus den höheren Sphären, ja selbst ein Freiberufler nicht im allergeringsten auch nur vorstellen kann, wie es in den meisten Betrieben wirklich zugeht und was Hunderttausende von Menschen psychisch und oft genug auch physisch zerstört. Es ist der gnadenlose Kampf aller gegen alle - in einer durch und durch von den vermeintlichen Sachzwängen der Ökonomie geprägten Gesellschaft.


So was können nur Leute schreiben, die wirkliche Probleme noch nie erlebt haben, wie den Krieg und die Flucht, das Leben in den ersten Trümmerjahren. Oder die Arbeitszeiten eurer Eltern, ohne mindestens 5 Wochen Jahresurlaub und Arbeitszeitverkürzung. 
Die arme gepeinigte Kreatur, der es viel besser ginge, wenn sie bei der Arbeit wie in der DDR zum Däumchendrehen gezwungen wäre!
Das ist Jammern auf sehr hohem Niveau, geradezu widerwärtig angesichts von Menschen in Teilen der Welt, denen es relativ gesehen wirklich schlecht geht.

CoF schrieb on 11.07.10 um 08:32:58:
Wohlgemerkt: Die Menschen, von denen ich spreche, sind nicht diejenigen, an die du offenbar denkst, wenn von "Leistungsempfängern" die Rede ist, oder die unsere hohen Talkshowgäste im Sinn haben. 


Ich kenne viele Transferleistungsempfänger (mal abgesehen von Banken u.ä., an die man in diesem Zusammenhang auch denken muss) und viele, die unter Bedingungen in Deutschland arbeiten, die gewiss nicht allzu angenehm sind. Ich bin mir trotzdem sicher, dass es der zweiten Gruppe dadurch nicht schlechter geht, als der ersten, im Gegenteil. Auch wenn es völlig legitim ist, über geringe Bezahlung und unanständige Chefs zu klagen.

In welcher K-Gruppe warst du eigentlich in den 70ern?

Quote:
und die technische Entwicklung um des Profits willen so weit voranzutreiben, daß immer mehr Menschen 'freigesetzt' werden können.


Darauf beruht seit Jahrhunderten unser technischer Fortschritt und unser Wohlstand. Und das hat nie aus sich heraus zu struktureller, langer Massenarbeitslosigkeit geführt, auch wenn immer wieder (s. schlesische Weber) gejammert worden ist über den Verlust von Privilegien durch schöpferische Zerstörung.


Quote:
Keiner dieser Menschen hat sich je eine TV-Serie wie Dallas, eine Gerichtsshow oder einen Dreck wie die Serie Big Brother gewünscht; und keiner wollte je den Fraß von McDonald's.


Mal abgesehen davon, dass Dallas im Öffentlich-Rechtlichen lief, ist das durch die Realität absolut widerlegt. Die Menschen haben diese Angebote angenommen. Kein Staat, kein Arbeitgeber hat die Leute zwingen wollen. McDonalds ist das beste Beispiel für eine weltweite Erfolgsgeschichte; selbst die DDR sah sich gezwungen, einen Ost-Hamburger auf den Markt zu bringen, weil ihre Bevölkerung dieses Nahrungsmittel im Urlaub am Plattensee lieben gelernt hatte.
Wer bist, dass du - völlig gegen jeden empirischen Beweis von Marktnachfrage - dir anmaßt, zu urteilen, was die Leute wollen und was nicht?
Sicher, es gibt ein paar Bauern in Frankreich, die sich zu Sozialrevolutionären aufschwingen wollen, weil ihnen die Profite schwinden, da die Leute gerne in den Schnellimbiss gehen.
Gut, dass es noch ein bisschen Markt gibt und Leute wie diese oder du anderen nur bedingt vorschreiben können, was sie zu konsumieren haben.

Quote:
All dies und vieles mehr kannten die sog. kleinen Leute nämlich gar nicht, weil sie nie in den USA waren.


Die älteste Demokratie der Welt - wenn auch heute im Griff schlimmer Eliten - ist groß geworden durch die Zuwanderung der kleinen Leute, insbesondere vieler aus Deutschland. Und die kleinsten und die obrigkeitskritischsten Leute von allen im Nachkriegsdeutschland haben mit Begeisterung Elemente amerikanischer Kultur, vom Rock'n'Roll über die Jeans bis zur Studentenrevolte, übernommen. Und waren so klug, sich den negativen Aspekten zu entziehen, wie sich jetzt von Eliten kopiert werden, wie etwa einer calvinistisch-sanitaristischen Tradition.

Quote:
edes Recht ab, die sog. kleinen Leute für ihre große Misere verantwortlich zu machen und ihnen Erziehungsmaßnahmen angedeihen zu lassen


Etwas Versöhnliches zum Schluss:
Die kleinen Leute verantwortlich zu machen ist so falsch wie Umerziehungsmaßnahmen, zumindest so allgemein formuliert können wir uns wohl einigen.


« Zuletzt geändert: 11.07.10 um 22:56:30 von ChristophL »  
Zum Seitenanfang
 
IP gespeichert
 
Quirinus
God Member
****
Offline


711

Beiträge: 773
Mitglied seit: 05.01.08
Re: Anderer Rechtsweg?
Antwort #38 - 11.07.10 um 22:58:03
Beitrag drucken  
Da ich mich für Menschen interessiere und deshalb auch über Menschen geschrieben habe, und zwar aus eigener jahrzehntelanger Erfahrung, gehe ich auf die Schafsgeschichte nicht ein. Ein weiterer Grund ist, daß die Schafsgeschichte sogleich einen Verdacht in mir weckte, da ich solche und ähnliche Geschichten oft in Büchern und Vorträgen dubioser Psycho-Gurus gefunden habe. Stefan Molyneux scheint einer von ihnen zu sein. Der englische Wikipedia-Artikel über ihn bietet erste Hinweise. Wer googelt, der wird noch viel mehr finden, z.B. solche Geschichten.



Lyrics




« Zuletzt geändert: 11.07.10 um 23:16:16 von Quirinus »  
Zum Seitenanfang
 
IP gespeichert
 
ChristophL
Administrator
*****
Offline


Freier Rauch statt Rauchfrei!

Beiträge: 8.667
Mitglied seit: 30.06.06
Re: Anderer Rechtsweg?
Antwort #39 - 11.07.10 um 23:16:48
Beitrag drucken  
Quote:
WTF ist sanitaristisch? Eine ausgiebige Googelei in den Enzyklopädien und Lexika dieser Welt brachte mir nämlich keine Erkenntnis.


Deutsch für healthism.
Ich lasse unseren geschätzten Mitstreiter Prof. Ropohl sprechen:

Quote:
In sozialphilosophischer Sicht steht hinter der Diskriminierung der Tabakkultur eine
machtvolle Ideologie, die Ideologie des Sanitarismus. Eilfertige Zeitgeistdiagnostiker
behaupten zwar, die „Postmoderne“ hätte die „grossen Erzählungen“, die Ideologien
von der Vernunft, von der Gerechtigkeit und von der Freiheit hinter sich gelassen,1
doch in Wirklichkeit hat sich, unbemerkt von den Postmodernisten, die „grosse Erzählung“
von der Gesundheit breit gemacht. Gesundheit ist zum überlebensgrossen
Wunschbild der Menschen geworden, dem alle anderen Bedürfnisse und Wünsche
bedingungslos untergeordnet werden.2 „Makrobiotik“, die säkularisierte Heilslehre
vom grenzenlos langen Leben, heisst die heimliche Illusion jener Zeitgenossen, die
von der unvermeidlichen Sterblichkeit der Menschen nichts wissen wollen. Dem
muss man den berühmten Romantitel von Fritz Wöss entgegensetzen: „Hunde, wollt
Ihr ewig leben?“3 Wenn aber der Tod wirklich nicht zu umgehen ist, will man auf
jeden Fall gesund sterben. „Gesundheit statt Lebensqualität“: das ist die unausgesprochene
Devise des Sanitarismus.


Quelle


  
Zum Seitenanfang
 
IP gespeichert
 
cookinsland
Full Member
***
Offline


Ich trage gern Smoking

Beiträge: 444
Mitglied seit: 03.08.08
Re: Anderer Rechtsweg?
Antwort #40 - 12.07.10 um 02:25:53
Beitrag drucken  
Das Thema ist hier "anderer Rechtsweg"
oder nicht ?
  
Zum Seitenanfang
 
IP gespeichert
 
nicotiana
Newbie
*
Offline


Morituri te salutant!

Beiträge: 45
Standort: Pfaffenhofen
Mitglied seit: 09.07.10
Geschlecht: männlich
Re: Anderer Rechtsweg?
Antwort #41 - 12.07.10 um 07:34:47
Beitrag drucken  
ChristophL schrieb on 11.07.10 um 23:16:48:
Deutsch für healthism.
Ich lasse unseren geschätzten Mitstreiter Prof. Ropohl sprechen:

Zitat:
In sozialphilosophischer Sicht ... 


Sapienti sat, mea virtute mea involvo
  
Zum Seitenanfang
 
IP gespeichert
 
xila
Advanced Member
*****
Offline


... hat meistens recht
;)

Beiträge: 4.115
Mitglied seit: 15.10.07
Re: Anderer Rechtsweg?
Antwort #42 - 12.07.10 um 07:54:38
Beitrag drucken  
ChristophL schrieb on 11.07.10 um 22:55:45:
Ach, mein lieber Quirinus. Jetzt soll ich schon in die Ecke überheblicher Eliten gesteckt werden. Dabei könnt ihr euch doch denken, dass deren Geld und Macht ziemlich den Bach herunterginge, wenn in einem libertären System diese nicht mehr mit Steuergeldern und ihnen nützlichen Regulierungen gefüttert würde. Und ich in den letzten Jahren immer nachdrücklicher gegen diese Eliten Stellung beziehe.

Bemerkenswert übrigens, dass der pauschale Applaus für dein Posting hauptsächlich aus der Generation der Wirtschaftswunderkinder stammt, was ein bestimmtes Anspruchsdenken erklärt.

Siehe hier:

Quirinus schrieb on 11.07.10 um 06:52:47:
Denn die allermeisten Menschen (und ich rede jetzt von denen, die nach ihrer Ausbildung gearbeitet haben und dann ihre Arbeit verloren haben) werden nicht erst zu Wracks, wenn sie Transferleistungen bekommen, sondern lange vorher, und zwar durch den ungeheuren ökonomischen und psychischen Druck, den unsere Gesellschaft zumal seit den 80er Jahren erzeugt. [...] Die an der Basis arbeiten, zerbrechen hingegen daran: und ich habe schon viele Menschen an dem Irrsinn, der zumal in der sog. freien Wirtschaft herrscht, zerbrechen sehen,  Ich [...] kann [...] nur sagen, daß sich ein Akademiker aus den höheren Sphären, ja selbst ein Freiberufler nicht im allergeringsten auch nur vorstellen kann, wie es in den meisten Betrieben wirklich zugeht und was Hunderttausende von Menschen psychisch und oft genug auch physisch zerstört. Es ist der gnadenlose Kampf aller gegen alle - in einer durch und durch von den vermeintlichen Sachzwängen der Ökonomie geprägten Gesellschaft.


So was können nur Leute schreiben, die wirkliche Probleme noch nie erlebt haben, wie den Krieg und die Flucht, das Leben in den ersten Trümmerjahren. Oder die Arbeitszeiten eurer Eltern, ohne mindestens 5 Wochen Jahresurlaub und Arbeitszeitverkürzung. 
Die arme gepeinigte Kreatur, der es viel besser ginge, wenn sie bei der Arbeit wie in der DDR zum Däumchendrehen gezwungen wäre!
Das ist Jammern auf sehr hohem Niveau, geradezu widerwärtig angesichts von Menschen in Teilen der Welt, denen es relativ gesehen wirklich schlecht geht.

CoF schrieb on 11.07.10 um 08:32:58:
Wohlgemerkt: Die Menschen, von denen ich spreche, sind nicht diejenigen, an die du offenbar denkst, wenn von "Leistungsempfängern" die Rede ist, oder die unsere hohen Talkshowgäste im Sinn haben. 


Ich kenne viele Transferleistungsempfänger (mal abgesehen von Banken u.ä., an die man in diesem Zusammenhang auch denken muss) und viele, die unter Bedingungen in Deutschland arbeiten, die gewiss nicht allzu angenehm sind. Ich bin mir trotzdem sicher, dass es der zweiten Gruppe dadurch nicht schlechter geht, als der ersten, im Gegenteil. Auch wenn es völlig legitim ist, über geringe Bezahlung und unanständige Chefs zu klagen.

In welcher K-Gruppe warst du eigentlich in den 70ern?

Quote:
und die technische Entwicklung um des Profits willen so weit voranzutreiben, daß immer mehr Menschen 'freigesetzt' werden können.


Darauf beruht seit Jahrhunderten unser technischer Fortschritt und unser Wohlstand. Und das hat nie aus sich heraus zu struktureller, langer Massenarbeitslosigkeit geführt, auch wenn immer wieder (s. schlesische Weber) gejammert worden ist über den Verlust von Privilegien durch schöpferische Zerstörung.


Quote:
Keiner dieser Menschen hat sich je eine TV-Serie wie Dallas, eine Gerichtsshow oder einen Dreck wie die Serie Big Brother gewünscht; und keiner wollte je den Fraß von McDonald's.


Mal abgesehen davon, dass Dallas im Öffentlich-Rechtlichen lief, ist das durch die Realität absolut widerlegt. Die Menschen haben diese Angebote angenommen. Kein Staat, kein Arbeitgeber hat die Leute zwingen wollen. McDonalds ist das beste Beispiel für eine weltweite Erfolgsgeschichte; selbst die DDR sah sich gezwungen, einen Ost-Hamburger auf den Markt zu bringen, weil ihre Bevölkerung dieses Nahrungsmittel im Urlaub am Plattensee lieben gelernt hatte.
Wer bist, dass du - völlig gegen jeden empirischen Beweis von Marktnachfrage - dir anmaßt, zu urteilen, was die Leute wollen und was nicht?
Sicher, es gibt ein paar Bauern in Frankreich, die sich zu Sozialrevolutionären aufschwingen wollen, weil ihnen die Profite schwinden, da die Leute gerne in den Schnellimbiss gehen.
Gut, dass es noch ein bisschen Markt gibt und Leute wie diese oder du anderen nur bedingt vorschreiben können, was sie zu konsumieren haben.

Quote:
All dies und vieles mehr kannten die sog. kleinen Leute nämlich gar nicht, weil sie nie in den USA waren.


Die älteste Demokratie der Welt - wenn auch heute im Griff schlimmer Eliten - ist groß geworden durch die Zuwanderung der kleinen Leute, insbesondere vieler aus Deutschland. Und die kleinsten und die obrigkeitskritischsten Leute von allen im Nachkriegsdeutschland haben mit Begeisterung Elemente amerikanischer Kultur, vom Rock'n'Roll über die Jeans bis zur Studentenrevolte, übernommen. Und waren so klug, sich den negativen Aspekten zu entziehen, wie sich jetzt von Eliten kopiert werden, wie etwa einer calvinistisch-sanitaristischen Tradition.

Quote:
edes Recht ab, die sog. kleinen Leute für ihre große Misere verantwortlich zu machen und ihnen Erziehungsmaßnahmen angedeihen zu lassen


Etwas Versöhnliches zum Schluss:
Die kleinen Leute verantwortlich zu machen ist so falsch wie Umerziehungsmaßnahmen, zumindest so allgemein formuliert können wir uns wohl einigen.




MEIN Applaus hatte etwas damit zu tun, daß mir die Herangehensweise von Quirinus - vom Einzelfall ausgehend - richtig erscheint. Viel von dem, was in den letzten Jahren schieflief, hat etwas damit zu tun, daß die umgekehrte Methode, dem Einzelnen das aufzuzwingen, was sich aus einer Theorie heraus eigentlich logisch ergeben sollte, angewandt wurde. Du machst das auch, nur ist es eine andere Theorie. Die Theorie in allen Ehren, aber diese Methode produziert mit jeder zugrundeliegenden Theorie falsche Ergebnisse.

Leider ist meine Zeit momentan zu begrenzt, um die Sache weiter zu vertiefen. Aber eigentlich haben wir uns ja schon so oft über solche Dinge gestritten, daß du dir meine Argumente notfalls selbst noch einmal aufzählen und ihnen dann widersprechen kannst.  Zwinkernd
  

Unwillkommene Tatbestände sind von einer unbeweglichen Hartnäckigkeit, die durch nichts außer der glatten Lüge erschüttert werden kann. (Hannah Arendt)
Zum Seitenanfang
 
IP gespeichert
 
perle
Advanced Member
*****
Offline



Beiträge: 6.161
Mitglied seit: 05.04.07
Re: Anderer Rechtsweg?
Antwort #43 - 12.07.10 um 08:43:52
Beitrag drucken  
nicotiana schrieb on 12.07.10 um 07:34:47:
Sapienti sat, mea virtute mea involvo 


hallo nicotiana,

nicht alle hier sind des lateins mächtig, gib doch demnächst mal "untertitel" mit dazu raus.

danke schön!
  

das licht am ende des tunnels könnte auch ein idiot mit einer kerze sein
Zum Seitenanfang
 
IP gespeichert
 
nicotiana
Newbie
*
Offline


Morituri te salutant!

Beiträge: 45
Standort: Pfaffenhofen
Mitglied seit: 09.07.10
Geschlecht: männlich
Re: Anderer Rechtsweg?
Antwort #44 - 12.07.10 um 08:51:36
Beitrag drucken  
perle schrieb on 12.07.10 um 08:43:52:
hallo nicotiana,

nicht alle hier sind des lateins mächtig, gib doch demnächst mal "untertitel" mit dazu raus.

danke schön! 


Sorry!

Mea culpa, mea maxima culpa (meine Schuld, meine ganz große Schuld)

Und hier die Übersetzung:
Sapienti sat, mea virtute mea involvo  (Dem Wissenden genügt es, ich hülle mich in meine Tugend)

Lieber Gruß
Nicotiana

  
Zum Seitenanfang
 
IP gespeichert
 
Seitenindex umschalten Seiten: 1 2 [3] 4 5 6
Thema versendenDrucken
 
Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass diese Seite Cookies verwendet.    Hier erfahren Sie mehr zum Datenschutz OK