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Sehr heißes Thema (mehr als 50 Antworten) ÖDP Hamburg startet Volksinitiative (Gelesen: 6.211 mal)
Sunflower
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Hallo

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ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
06.07.10 um 08:33:08
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Nach Bayern geht es jetzt in Hamburg los.  weinend

http://oedp-hamburg.de/themen/nichtraucherschutz
  
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shadu
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MaryLong I smoke you

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Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #1 - 06.07.10 um 08:53:05
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Sunflower schrieb on 06.07.10 um 08:33:08:
Nach Bayern geht es jetzt in Hamburg los.  weinend

http://oedp-hamburg.de/themen/nichtraucherschutz


Ist doch gut da haben wir noch mal eine Möglichkeit

Vielleicht wacht ja jetzt die schlafende Rauchergemeinde auf
  
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sargnagel
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Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #2 - 06.07.10 um 09:19:03
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Quote:
Vielleicht wacht ja jetzt die schlafende Rauchergemeinde auf


Die reibt sich wahrscheinlich noch schlaftrunken die Augen, wenn sie in die bereitstehenden Viehwagen taumelt.
  

Prohibitionisten aller Länder verpfeift Euch!
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xila
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... hat meistens recht
;)

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Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #3 - 06.07.10 um 16:37:18
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bini,

bist du aus Hamburg?

Ist hier davon abgesehzen eigentlich sonst irgendwer aus Hamburg? Spontan fällt mir nämlich kein Forumsteilnehmer ein, auf den das zutrifft.

  

Unwillkommene Tatbestände sind von einer unbeweglichen Hartnäckigkeit, die durch nichts außer der glatten Lüge erschüttert werden kann. (Hannah Arendt)
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Quirinus
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Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #4 - 08.07.10 um 14:14:24
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Ich bin nicht aus Hamburg, sondern nur aus Bremen. Dennoch möchte ich shadu sagen, was der Sargnagel bereits auf seine Weise gesagt hat: daß die schlafenden Raucher nicht aufwachen werden, solange man sie nicht in Viehwagen hineinzwingt. Und selbst dann würden sie aufgrund der Gehirnwäsche der letzten Jahre bzw. Jahrzehnte eher dazu neigen, sich selbst die Schuld dafür zuzuschreiben und den Umerziehern widerstandslos zu folgen.

Das ist leider nicht überspitzt gesagt, wie die Geschichte der Juden (aber eben nicht nur der Juden) während der Nazizeit zeigt. Die meisten haben sich nicht von Anfang an gewehrt, weil sie nicht für möglich hielten, wozu die Nazis und deren Mitläufer fähig sein würden.

Aber man muß gar nicht zu solchen historischen Vergleichen greifen. Aus der Psychologie ist längst bekannt, daß Folter-, Gewalt- und Mobbingopfer dazu neigen, sich paradoxerweise mit ihren Angreifern zu identifizieren, indem sie sich deren Wahn zu eigen machen à la: "Ich habe es eben nicht besser verdient. Ich bin ja wirklich nur ein Stück Dreck." Das wissen die Antis sehr genau: und auch aus diesem Gründe scheuen sie nicht davor zurück, systematisch dafür zu sorgen, daß Raucher nur noch als stinkende Schweine, Luftverpester u.dgl. wahrgenommen werden, gemäß dem Muster, das wir aus anderen Zeiten kennen.

Die Raucher zu mobilisieren reicht also nicht. Es gilt, der gesamten Öffentlichkeit klarzumachen, was für Typen all die Saubermänner und Sauberfrauen sind und wofür sie wirklich stehen, auch wenn es ihnen selbst gar nicht bewußt ist. Sie wollen ja schließlich nur das Gute. Und weil sie wirklich daran glauben, gelingt es ihnen immer wieder, sich als blütenweiße Unschuldslämmlein darzustellen und damit unbewußt an die religiösen Gefühle auch derer zu appellieren, die längst nicht mehr an den Messias glauben. Darin besteht die große Gefahr.

Auf diese Gefahr übrigens habe ich meine Hamburger Freundin (einst bei den Grünen, heute in der Linkspartei) schon tausendmal hingewiesen. Aber auch sie, eine Gelegenheitsraucherin, will bis heute nicht wahrhaben, was Sache ist, weil auch sie und ihresgleichen psychisch kaum noch in der Lage sind, die Zusammenhänge zu verstehen. Also steckt sie ihren Kopf in den Sand, indem sie sich mit aller Kraft für die Rechte der Migrantinnen und Migranten engagiert, aber nicht für ihre eigenen. Ähnliches gilt für viele Politiker, quer durch alle sog. demokratischen Parteien und Gruppierungen. Bereits aufgewachte Raucher wiederum neigen dazu, das zu verabsolutieren, was sie bewegt. Aber alle müssen begreifen, daß es um sehr viel mehr geht, nämlich darum, die drohende Diktatur neuen Typs zu verhinden.




  
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Tartaruga
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Hallo

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Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #5 - 10.07.10 um 12:47:37
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Hallo Quirinus, den Vergleich mit den Juden finde ich gefährlich und so sollte man m.E. nicht argumentieren. Sonst hat man  sofort und zu Recht den Vorwurf der Verharmlosung der Naziverbrechen am Hals. Aber ansonsten, was den psychologischen Mechanismus angeht (und darum geht’s Dir ja wohl), finde ich, dass Du  Recht hast. Es ist wirklich ein Problem, dass viele Raucher sich selbst als schwach und willenlos sehen und daher meinen, Verbote verdient zu haben bzw. diese sogar als Unterstützung bei ihrem Wunsch aufzuhören ansehen. Vielleicht muss man sich bei einer Gegenkampagne tatsächlich weniger auf die Raucher konzentrieren als vielmehr auf eine tolerante Öffentlichkeit, die den zunehmend totalitären Anspruch des Ökologizismus auf alle Lebensbereiche misstrauisch sieht. Ich habe leider nicht die Möglichkeit gehabt nach  Bayern zu fahren und zu sehen, wie die dortige Pro- und Kontrakampagne gelaufen ist.  Ich fände es gut, wenn die Bayern ein Auswertungswochenende machen würden, wo man gemeinsam mit interessierten Leuten aus anderen Bundesländern überlegt, was gut und was schlecht gelaufen ist. Ich kündige meine Teilnahme schon mal an– falls terminlich machbar. Ich bin übrigens auch aus Bremen – allerdings lebe ich einen großen Teil des Jahres im Ausland. Wenn die ÖDP in Hamburg Erfolg hat, dürfte Bremen das nächste Opfer sein. Ich glaube aber auch, dass wir in Bremen bessere Aussichten haben zu gewinnen als in den anderen Bundesländern. Es gibt ja offenbar mehrere Bremer im Forum. Vielleicht sollten sich die Bremer mal treffen – wer Lust hat, kann mir ja eine Privatnachricht schicken.
Gruss Tartaruga
  
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Quirinus
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Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #6 - 13.07.10 um 02:49:31
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Tartaruga schrieb on 10.07.10 um 12:47:37:
Hallo Quirinus, den Vergleich mit den Juden finde ich gefährlich und so sollte man m.E. nicht argumentieren. Sonst hat man  sofort und zu Recht den Vorwurf der Verharmlosung der Naziverbrechen am Hals.


Hallo Tartaruga,

erst jetzt sehe ich deinen Beitrag und verstehe sehr gut, was dich zu deinem Einwand bewogen hat. Gleichzeitig jedoch ist mir nicht klar, weshalb du meinst, der Vorwurf der "Verharmlosung der Nazizeit" wäre in solchen Fällen berechtigt. Das nämlich ist er nicht. Erstens ist (wie schon Marcel Reich-Ranicki lakonisch bemerkt hat) ein Vergleich noch lange keine Gleichsetzung, und zweitens wäre es fatal, nicht immer wieder Vergleiche zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart anzustellen. Nur durch solche Vergleiche können einzelne Menschen und ganze Völker ja überhaupt nur lernen. Das ist eine Binsenwahrheit, die nicht dadurch falsch wird, daß es Leute gibt, die offenbar nicht begriffen haben, was dieser berühmte Satz mit alledem zu tun hat: Those who cannot remember the past are condemned to repeat it.

Quote:
Aber ansonsten, was den psychologischen Mechanismus angeht (und darum geht’s Dir ja wohl), finde ich, dass Du  Recht hast. Es ist wirklich ein Problem, dass viele Raucher sich selbst als schwach und willenlos sehen und daher meinen, Verbote verdient zu haben bzw. diese sogar als Unterstützung bei ihrem Wunsch aufzuhören ansehen.


Genau darum ging es mir. Und um zu zeigen, wohin es im schlimmsten Falle führen kann, wenn Menschen sich das negative Bild, das andere von ihnen malen, zu eigen machen, habe ich auf das historische Beispiel verwiesen; übrigens auch unter dem Eindruck dieses Spruchs:

Quote:
Wohnt im Haus ein Raucherschwein,
zieht Gift und Dreck zum Fenster rein!


Welcher Tradition solche Sprüche entstammen, ist hier nachzulesen.

Quote:
Vielleicht muss man sich bei einer Gegenkampagne tatsächlich weniger auf die Raucher konzentrieren als vielmehr auf eine tolerante Öffentlichkeit, die den zunehmend totalitären Anspruch des Ökologizismus auf alle Lebensbereiche misstrauisch sieht.


Und gerade ältere (aber noch geistig rege) Menschen wären entsetzt, wenn sie wüßten, daß es Sprüche wie den zitierten gibt und sie ausgerechnet von jenen stammen, die sich so viel darauf zugute halten, nicht zur rauchenden (d.h. bestalisch stinkenden) Unterschicht zu gehören. Gerade jüngeren Menschen hingegen mangelt es häufig an dieser Sensibilität. Und genau deshalb sollten wir besonders wachsam sein.

Gruß zurück:
Quirinus
  
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shadu
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MaryLong I smoke you

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Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #7 - 13.07.10 um 05:33:02
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Der Vergleich mit den Juden wird in vielen Foren kritisiert.

Wie so darf man das nicht ?
macht man sich strafbar ?
oder
Ist es ein moralisches Tabu ?

Meiner Meinung nach sollten bei der jüdischen Gemeinde die Alarmglocken läuten wenn sie solchen tendenziösen Texte gewahr wird.

Und SIE sollte das öffentlich Anprangern.
  
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Christoph Suter
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Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #8 - 13.07.10 um 07:09:03
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shadu schrieb on 13.07.10 um 05:33:02:
Der Vergleich mit den Juden wird in vielen Foren kritisiert.

Wie so darf man das nicht ?
macht man sich strafbar ?

Strafbar macht man sich nicht. Hierzu gibt es einen Präzedenzfall:

Der deutsche Dramatiker Rolf Hochhuth am 22. April 1991 in der Zeitung «Die Welt»

(Zitat)
«Man wird Raucher nie ermorden, doch Teile unserer Gesellschaft sind im Begriff, die Raucher schon ebenso zu verfolgen wie die Nazis die Juden. Raucher sind, in zivilen Zeiten, immerhin, wenn auch niemand sie jemals wird schlagen dürfen, ganz brauchbar als eine gar nicht so kleine Gruppe von Sündenböcke. Kein Zufall, daß niemand in Gegenwart Adolf Hitlers gewagt hätte, eine Zigarette anzuzünden.»(Zitat Ende). 

Gegen Hochhuth hat deswegen ein verblendeter Anti-Raucher Strafanzeige wegen Volksverhetzung eingereicht. Die Klage wurde abgewiesen. 

Auszug aus der Verhandlung: Oberstaatsanwältin Cirullies: «... Er führt dem Leser lediglich vor Augen, dass übertriebene Kampagnen gegen Raucher die Gefahr einer Art Pogromstimmung gegen Raucher - vergleichbar dem Judenpogrom - in sich bergen.(...)».
(Auszug Ende)

Diesen Auszug habe ich seit 2006 mehrmals hier eingestellt. Da ich bis heute weder von Matrix noch Mikls «abgemahnt» wurde, veröffentliche ich diesen Beitrag erneut.

Dessen ungeachtet habe ich mich vor kurzer Zeit entschlossen, nur noch Beispiele aus der Zeit vor und nach der Shoa einzustellen. Den letzen Beitrag mit dem Begriff «Wannsee» habe ich nur verfasst, um den Taucher wieder einmal zu ärgern  Durchgedreht

  
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Wettereule
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Am Anfang waren .....
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Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #9 - 13.07.10 um 07:18:05
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shadu schrieb on 13.07.10 um 05:33:02:
Der Vergleich mit den Juden wird in vielen Foren kritisiert.

Logo, getroffener Hund bellt - und wie!

Die, die gegen derlei Vergleiche lautstark zu Felde ziehen, ahnen warum sie dies tun müssen: Kommt die Einsicht nämlich erstmal in den Köpfen an, könnte ihnen deren Manifestation schnell das Handwerk legen.

Und diejenigen die - heute wie damals - mit halbleerem Mitläufergeist durchs Leben dümpeln, wollen sowas nicht hören, damals wie heute nicht, müssten sie sich doch offenen Auges mit einem Teil der Wirklichkeit konfrontieren.

Klar also, dass man sich mit Händen und Füßen dagegen sträubt, die Parallelen der aktuellen Raucherhatz zu den ersten Anfängen der die spätere Verfolgung einleitenden Schikanierung und Ausgrenzung der Juden wahrzunehmen, geschweigedenn zuzulassen, dass diese Ähnlichkeiten offen ausgesprochen werden.

Aber ich denke wir sollten aus der Geschichte versuchen zu lernen und deshalb ist es mitnichten fragwürdig, sondern ganz im Gegenteil sogar unsere heilige Pflicht, die bestehenden Parallelen auch zu benennen.

ICH werde mir jedenfalls von nichts und niemandem verbieten lassen, die Schergen nicht mehr als das bezeichnen zu dürfen, was sie sind: Böswillige Menschenschinder, die schon jetzt noch ganz andere Dinge mit Rauchern anstellen würden, wenn man sie nur ließe ...!

Bekennt Euch offen zu Euren Ansichten der Dinge. Lassen wir uns nicht auch noch das selbständige Denken verbieten!

Jürgen
« Zuletzt geändert: 29.12.14 um 13:45:44 von Javaanse »  

Nicht woher der Wind weht, sondern wie man die Segel setzt, darauf kommts an.
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sargnagel
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Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #10 - 13.07.10 um 07:55:11
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Quote:
Die reibt sich wahrscheinlich noch schlaftrunken die Augen, wenn sie in die bereitstehenden Viehwagen taumelt.

>>
Quote:
Der Vergleich mit den Juden wird in vielen Foren kritisiert.

?
Vorab: Da ich auch weiterhin vergleichbare Sachen hemmungslos miteinander zu vergleichen gedenke, hatte ich eigentlich nicht vor, zum Thema
„Unvergleichliches“ Stellung zu nehmen. Und die Konnotation des Viehwagens war ja auch durchaus bewusst in Kauf genommen…

Aber ein Automatismus ist interessant: Wo im obigen Zitat ist vom III. Reich, dem Holocaust oder dem II. Weltkrieg die Rede?
Alle haben’s einfach stillschweigend ergänzt!

Als seit Mitte des 19. Jahrhunderts zur Verfügung stehende Technologie ist die Bahn schon deutlich vor Schicklgruber et al. zur Verschiebung
unliebsamen Menschenmaterials benutzt worden, ob das jetzt konföderierte Kriegsgefangene nach Elmira, Dekabristen nach Sibirien, Buren ins Lager oder Sowjetbürger ins Gulag
waren…

Beste Grüße - sargnagel
« Zuletzt geändert: 13.07.10 um 07:57:14 von sargnagel »  

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Zora
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Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #11 - 13.07.10 um 09:37:36
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was hier schon oft und richtig geschrieben wurde, jetzt u.a. auch wieder von sargnagel, habe ich ebenfalls festgestellt: es gibt ganz bestimmte, ungute reflexe, die das denken vernageln. das zeigt sich nicht nur bei den oben zitierten viehwagons, sondern auch bei den reizworten "führer" oder "faschismus". dabei ist es ganz egal, dass frankenberger stadtführer in österreich und schriftführer für die deutsch-österreichische gesellschaft ist und es das wort faschismus schon einige jahrhunderte gab, bevor in braunau ein gewisser adolf schickelgruber geboren wurde.
nicht nur quirinus hatte schon an anderer stelle darauf hingewiesen, dass es fatal ist, sich DEN faschisten ausschließlich mit seitenscheitel und briefmarkenbärtchen vorzustellen.
der sehr interessante beitrag im deutschlandradio im post von quirinus macht aber auch noch auf eine zusätzliche misere aufmerksam:

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/religionen/785390/

Quote:
"Du Jude, Du Opfer"
Schimpfwörter in der Jugendsprache
Von Blanka Weber
Früher waren es Schimpfwörter wie "Deppen", "Dumme" oder "Blöde", mit denen sich Jugendliche gegenseitig beleidigten. Heutzutage sind auf deutschen Schulhöfen auch Worte wie "Du Jude" oder "Du Opfer" zu hören. - Experten sehen in diesem Trend keine Form des klassischen Antisemitismus, Grund zur Entwarnung gibt es dennoch nicht.


die misere, von der ich spreche, wird in dem beitrag nicht angesprochen, zumindest nicht im pressetext und genau das ist die krux. da ich selbst gegenüber einer grundschule (!) wohne, höre ich das wort "jude" als schimpfwort auch immer wieder, genauso wie "schwuler" - "hey, bist du schwul, alter!" ist eine absolut gängige rüffelung unter den schülern. der ausländeranteil (vor allem aus islamischen ländern) an dieser schule lag vor drei jahren weit über 60% und ich denke, daran hat sich nicht allzuviel geändert, weil dies nun mal ein sog. multikultiviertel ist. daraus entstehen ganz eigene probleme, unter anderem die im deutschlandradio beklagten. wer diesen problemen blauäugig begegnet, tut sich keinen gefallen.

zwei beispiele dazu: von einem irakischen freund hatte ich ein sehr schönes arabische lied gelernt. bei meinen versuchen, die sprache auszuloten, bin ich offenbar phonetisch in die hebräische richtung geraten - ein gigantischer streit war die folge.

beispiel zwei: vor einigen jahren noch unter der g.w. bush-regierung richtete die mosche im viertel eine demonstration gegen den jüdischen staat aus. ein langer zug verschleierter frauen und islamisch traditionell gekleideter männer trug schilder mit aufschriften wie "nieder mit dem staat israel". es erübrigt sich eigentlich zu schreiben, dass es keine gegendemonstration gab.
zwischen dem reflex, die eigene nationalsozialistische vergangenheit auf kundgebungen der neonazis durch gegendemonstrationen zu verarbeiten und der angst als ausländerfeindlich dazustehen war offenbar keine bewegung mehr möglich, man erstarrte bei der frage, auf welche weise man denn lieber zum neonazi werden wollte.
diese geschichte kommt mir oft in den sinn, wenn ich über die gründe der raucherhatz nachdenke, auch wenn sie nur exemplarisch für die suche nach einem politisch korrekten sündenbock steht.
  

"Puritaner sollten zwei Feigenblätter vor den Augen tragen." (Stanislaw Lec)
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Mr.Marple
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Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #12 - 13.07.10 um 10:24:26
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Quote:
"Du Jude, Du Opfer"
Schimpfwörter in der Jugendsprache


Das kann ich nur bestätigen. Am häufigsten höre ich bei den 10- bis 16-jährigen der Unterschicht "Opfer", "Behinderter" und "Mißgeburt" als Schimpfwort.

Antisemitisch, oder ausländerfeindlich ist der Hintergrund dieses Wortgebrauchs nicht. Es spiegelt eher die Tendenz wieder, dass in manchen jugendlichen Kreisen die Opferrolle, das "schwächer sein", als etwas unehrenhaftes, beleidigendes empfunden wird.

Jemand, der der Hilfe anderer bedarf, ist in dieser Gesellschaft nicht mehr bemitleidenswert, sondern abstoßend. Ich denke, dass das durchaus auch die früchte unserer Leistungsgesellschaft sind; in Bewerbungsgesprächen keine Schwächen zu offenbaren, das immer wieder betonte "Selbstbewusstsein" in Talkshows, und die unrühmliche Rolle des Opfers in Täter-Opfer-Ausgleichen.

Auf den Nenner gebracht:
In manchen Kreisen der heutigen Jugend gilt die Opferrolle bzw. die Rolle des Schwächeren als uncool, die des Aggressors als cool.
Das ist auch der Grund, warum Anti-Raucher-Kampagnen, die das Passivrauchen thematisieren, dort keinen Anklang finden. Alles hat auch seine gute Seite.
Jedoch haben die Antis gute Karten bei diesen jugendlichen, wenn sie selbst als Aggressor auftreten, wie z.B. beim bayerischen Volksbegehren. Wer arme, hilfsbedürftige Raucher aus ihren letzten refugien verteiben will, der hat diese Gruppe von jungen Leuten schnell auf seiner Seite, wenn er als eben dieser Aggressor und Vernichter des Status Quo auftritt. Mit Argumenten, Aufklärungsarbeit etc. erreicht man dahingegen überhaupt nichts.

Gruß, Mr.Marple
« Zuletzt geändert: 13.07.10 um 10:27:37 von Mr.Marple »  

Ich habe noch nie gehört, dass einer seine Frau verprügelt hat, weil er zuviel geraucht hatte.
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Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #13 - 13.07.10 um 11:09:41
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Zora schrieb on 13.07.10 um 09:37:36:
...von einem irakischen freund hatte ich ein sehr schönes arabische lied gelernt. bei meinen versuchen, die sprache auszuloten, bin ich offenbar phonetisch in die hebräische richtung geraten....

Kein Wunder. Denn ohne die protosemitische Schrift, ca. 1'350 Jahre vor der Zeit (d.h. vor Christus) und die Sprache der Hebräer, gäbe kein Arabisch. Die heute bekannte hebräische Schrift entstand ca. 950 Jahre vor der Zeit (also vor Christus).

Einige Beispiele:

Tag =      Yom (hebr.)      Yam (arab.)

Licht = Or (hebr.)      Nur (arab.)

Haus = Beit (hebr.) Bait (arab.)

Noah = Noach (hebr.) Nuch (arab.)

Moses = Moshe (hebr.) Musa (arab.)

Maria ) ) = Miriam (hebr.) Mariam (arab.)

Friede = Shalom (hebr.) Salaam (arab.)

uns last bur not least

Samstag heisst auf Arabisch "Yam as'Sabbat"

In diesem Sinne

Shalom Aleichem
as-salāmu alaikum

Friede mit (auf) Euch!

PS. Schön wäre es, wenn dies auch die Antis beherzigen würden.  Smiley



  
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Tartaruga
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Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #14 - 13.07.10 um 14:57:27
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Lieber Quirinius, ich finde, dass Thema braucht hier im Forum nicht abschließend geklärt zu werden. Ich bin nicht der Meinung, dass die Judenvernichtung einmalig und historisch völlig unvergleichbar sei, wie von jüdischen Organisationen immer wieder behauptet. Die Ausrottung der Indianer und überhaupt der Kolonialismus waren ähnlich brutal. Dass die Propaganda gegen Raucher  in einigen, seltenen Fällen Erinnerungen an Antisemitismus weckt gebe ich gerne zu. Irgendeine Schule hat ja mal rauchende Schüler mit speziellen Buttons ausgestattet, damit sich die Mitschüler fern halten können und nicht von den Giftstoffen aus der Kleidung der Raucher gefährdet werden. Aber das haben sie schnell wieder aufgegeben.

Die Konsequenzen von Antisemitismus und  Prohibitionspolitik sind meines Erachtens aber tatsächlich unvergleichlich. Selbst in Kalifornien werden Raucher nicht in Konzentrationslager gesperrt. Und meines Wissen ist auch im Iran noch niemand wegen Alkoholtrinkens zum Tode verurteilt worden. Wegen einer liebgewordenen Gewohnheit vor die Tür gesetzt zu werden ist ärgerlich und unverschämt und man sollte sich dagegen wehren. Aber wegen einer ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit umgebracht zu werden ist etwas ganz anderes.

Ich glaube, wenn man in einer öffentlichen Versammlung Raucherhetze mit Antisemitismus vergleicht, wird genau das passieren, was hier im Forum passiert ist: es findet eine lange Debatte statt, ob dieser Vergleich zulässig ist. (In diese Falle laufen die Palästinenserorganisationen regelmäßig.) Und da der Vergleich zumindest ausgesprochen zweifelhaft ist, finde ich das nicht besonders geschickt. Wir haben bessere Argumente.

Viele Grüße,
Tartaruga
  
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