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Sehr heißes Thema (mehr als 50 Antworten) ÖDP Hamburg startet Volksinitiative (Gelesen: 5.588 mal)
perle
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Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #39 - 17.07.10 um 19:52:05
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Quirinus schrieb on 17.07.10 um 18:13:00:
Ob den meisten 'Konservativen' Ziel & Zweck der Raucherhatz wirklich eher bewußt ist?


also ich habe festgestellt, daß je älter ein konservativer/eine konservative ist, desto eher wird eine verbindung zu längst vergangenen deutschen zeiten gezogen, so um die 70 jahre, in etwa. und das nicht nur wegen der rauchverbote......
  

das licht am ende des tunnels könnte auch ein idiot mit einer kerze sein
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Quirinus
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Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #38 - 17.07.10 um 18:13:00
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@bom: Vielen Dank für deine Klarstellung. Nun bin ich erleichtert.

@perle: Ob den meisten 'Konservativen' Ziel & Zweck der Raucherhatz wirklich eher bewußt ist? Ich befürchte, daß die meisten Leute, quer durch alle politischen Lager (wozu ich auch das der Nichtwähler zähle), nicht begreifen, worum es bei der ganzen Sache wirklich geht. Wäre es anders, dann hatten sich im schwarzen Bayern viel mehr Stimmberechtigte am Volksentscheid beteiligt, und das Ergebnis wäre ein anderes gewesen.
« Zuletzt geändert: 17.07.10 um 18:19:22 von Quirinus »  
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perle
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Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #37 - 17.07.10 um 14:25:22
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bom schrieb on 17.07.10 um 13:32:54:
Solchen Leuten erklären zu wollen, daß die Anti-Raucher-Propaganda mittlerweile faschistoide Züge annimmt, halte ich für aussichtlos.


ironischerweise schnallen das die meisten "konservativen" sofort.
  

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bom
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ProHausrecht

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Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #36 - 17.07.10 um 13:32:54
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Quirinus schrieb on 15.07.10 um 15:03:57:
Gehe ich recht in der Annahme, daß du mit "diese" wirklich alle Linken meinst?


Selbstverständlich nicht. Habe mich da unpräzise ausgedrückt.

Natürlich gehören nicht all diejenigen, die sich selbst als links bezeichnen oder von Dritten als links eingestuft werden, zu der Gruppe, die ich kritisiere und von der ich meine, daß sie für uns als Ansprechpartner ausscheidet.

Meine Kritik galt denjenigen Linken, die sich unter dem Antifa-Etikett versammeln und gleichzeitig den faschistoiden Charakter des ehemals real existierenden Sozialismus leugnen. Solchen Leuten erklären zu wollen, daß die Anti-Raucher-Propaganda mittlerweile faschistoide Züge annimmt, halte ich für aussichtlos.
  
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Terrx
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Einheit in Vielfalt war
bis zur FCTC-Konvention

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Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #35 - 16.07.10 um 21:44:54
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ChristophL schrieb on 16.07.10 um 19:09:11:
[quote author=764350564350574543220 link=1278405188/31#31 date=1279150407]
Und ich finde es auch gut, dass sich hier seit Jahren kritische Stimmen lagerübergreifend zusammenfinden.

Finde ich auch.
Politische Lagerkämpfe sind nicht unsere Angelegenheit, zumal jeder weiß daß die Lager oft austauschbar sind(z.B. von Bundesland zu Bundesland).
Und nun mal wieder zu Hamburg, bitte.
  
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ChristophL
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Freier Rauch statt Rauchfrei!

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Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #34 - 16.07.10 um 19:09:11
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Tartaruga schrieb on 14.07.10 um 23:33:27:
Ich finde allerdings, dass die Bedeutung des Rauchens ein bisschen überschätzt wird, z.B. wenn Du schreibst: „Deshalb wurde der Kampf gegen das Rauchen und die Raucher seit jeher von jenen betrieben, die ein Interesse daran haben, das Volk aus religiösen und politischen Gründen zu kontrollieren.“ Na ja, auch Stalin war Raucher. Und in den islamischen Diktaturen wie Libyen oder Algerien wird überall geraucht. Letztes Jahr konnte ich noch gemütlich im Flughafen (!)von Algier gemeinsam mit einem Polizisten (!) eine Zigarette genießen. Aber klar, es geht um darum, dass die Menschen effektiv sind und sonst nichts. Ich habe mal irgendwo den Begriff „Privatisierung des Privaten“ gelesen: So wie der öffentliche Sektor (Stadtwerke, Krankenhäuser…) zunehmend privatisiert, also dem Profitsystem unterworfen wird, so ist die bislang private,arbeitsfreie Zeit auch nicht mehr „frei“, sondern soll der Fitness für besseres Arbeiten dienen. Jeder Arbeitnehmer soll leben wie ein Hochleistungssportler. So weit wohl Konsens. 



Die Bedeutung des Themas Rauchen ist aus mehreren Gründen kaum zu überschätzen:
- Es geht um eine sehr große Bevölkerungsgruppe weltweit, möglicherweise mehr als etwa alle Homosexuellen und Juden zusammengenommen
- Es geht um ein vielfach genutzte 'Kopiervorlage' für verwandte Themen wie Alkohol, Ernährung, Parfüm u.ä. Das Rezeptbuch der Tabakkontrolle wird mit leicht veränderten Zutaten in diesen Bereichen nachgekocht.

Historisch gesehen hat nur eine Minderheit der unterdrückerischen Systeme auch eine Art Tabakkontrolle betrieben. Der Umkehrschluss ist aber wahr: Tabakkontrolle ist Teil eines Unterdrückungssystems.

Mit "Profitsystem" und Arbeitnehmereffizienz hat das nur sehr bedingt zu tun. Es geht dem medzinisch-industriellen Komplex natürlich um die Profite, aber keineswegs um Effizienz oder gar echte Marktwirtschaft, dann könnten sie diese Profite nicht realisieren. Ohne Schulterschluss mit dem Staat könnten die im Bereich Tabakentwöhnung kaum was verdienen.
Da hängen heute zuviele 'Linke' oder auch immer noch religiös Konservative drin, als dass man das mit dem Wirtschaftsliberalismus in kausale Verbindung bringen könnte.


Tartaruga schrieb on 14.07.10 um 23:33:27:
Selbst wenn es zu einem neuen Faschismus kommt wird er mit Sicherheit nicht so aussehen wie der letzte. Vielleicht wird er so aussehen, wie Julie Zeh in „Corpus Delicti“ beschreibt: ein fürsorglich, repressives System, das sich auf modernste Überwachungstechniken stützt. Aber von einer faschistischen Entwicklung zu sprechen ist meines Erachtens zur Zeit eine ziemliche Spekulation und man sollte deswegen Leuten, die man überzeugen will, nicht sofort damit kommen.


Es gibt allen Anlass zu Befürchtungen. Das kann man auch "Leuten, die man überzeugen will" klarmachen, indem man die nächste Schritte aufzeigt, die sich im Ausland oder in nachlesbaren Plänen finden.

Ein "fürsorglich[es], repressives System" waren Drittes Reich und DDR auch. Wobei der Übergang vom Nanny State zum Bully State heute längst vollzogen ist.

bom schrieb on 15.07.10 um 11:25:16:
Gerade weil sich Geschichte nicht 1 zu 1 wiederholt und daher sowohl sog. "Antifaschisten" wie auch allgemein kritische Linke nicht erkennen oder zu erkennen bereit sind, daß sich Geschichte nie genau so, aber auf andere Weise und nicht minder gefährlich, wiederholen kann, ist die Anti-Raucher-Hetze so bedrohlich.

Hinzu kommt, daß diejenigen, die sich noch heute gern unter dem Etikett "Antifaschisten" versammeln, meist diejenigen sind, die z.B. die Totalität der kommunistischen Systeme völlig ausblenden und z.B. die DDR wegen ihrer angeblich klaren antifaschistischen Position noch heute loben.

Daß sich also die sog. "Antifaschisten" vornehmlich gegen Neonazis engagieren, um sich selbst als Gutmenschen zu fühlen, gleichzeitig den früheren kommunistischen Staatsterror ausblenden und Sympathie liberaler Kreise erheischen zu können, ist (psycho-)logisch. 


Dem schließe ich mich an.
Linke - jetzt mal absichtlich sehr pauschalisiert - sind nicht gegen Unterdrückung, sondern nur dagegen, dass sie unterdrückt werden statt umgekehrt  andere unterdrücken zu können. Die Kommunisten haben das sehr gut verstanden. Aber auch bei den Rot-Grünen unserer Tage ist das deutlich.
Aber selbstverständlich gibt es heutzutage auch viele Linke, die freiheitlich genug sind, dass sie mit Sanitarismus so gar nichts anfangen können.

Quirinus schrieb on 15.07.10 um 15:03:57:
Nur haben sich viele leider noch nicht mit der Rolle der sog. Gesundheitspolitik befaßt. Das könnte sich ändern, und das muß sich ändern. Es wird sich aber nur sehr wenig ändern, wenn die Raucherbewegung sich spalten läßt oder, noch schlimmer! sich selbst schwächt, indem sie alle Linken unter Generalverdacht stellt, während die Antis schlau genug sind, ihrer Sache zuliebe über alle politischen und weltanschaulichen Grenzen hinweg miteinander zu kooperieren. 


Auch das ist absolut richtig. Die Prohibionisten sind traditionell eine Mischung aus religiös Konservativen und 'Progressiven'.
Dementsprechend tun wir als Bewegung gut daran, nicht links noch rechts zu sein, sondern einem gemeinsamen Ziel zu folgen.
Meines Wissen hat das Netzwerk Rauchen mal einen berüchtigen Rechtsextremen nicht als Mitglied aufgenommen, ist sonst aber offen. Selbstverständlich auch für Angehörige der Linkspartei, von denen wir ein paar haben. (Schau z.B. hier)
Und ich finde es auch gut, dass sich hier seit Jahren kritische Stimmen lagerübergreifend zusammenfinden.

Ich werde hier im Forum aber weiterhin bestimmte 'rechte' und 'linke' Meinungen angreifen, wenn ich finde, dass diese nicht unkommentiert stehen bleiben sollten bzw. den Fakten oder der Haltung unserer Bewegung widersprechen.

« Zuletzt geändert: 16.07.10 um 19:16:34 von ChristophL »  
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Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #33 - 15.07.10 um 15:03:57
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bom schrieb on 15.07.10 um 11:25:16:
Gerade weil sich Geschichte nicht 1 zu 1 wiederholt und daher sowohl sog. "Antifaschisten" wie auch allgemein kritische Linke nicht erkennen oder zu erkennen bereit sind, daß sich Geschichte nie genau so, aber auf andere Weise und nicht minder gefährlich, wiederholen kann, ist die Anti-Raucher-Hetze so bedrohlich.

Hinzu kommt, daß diejenigen, die sich noch heute gern unter dem Etikett "Antifaschisten" versammeln, meist diejenigen sind, die z.B. die Totalität der kommunistischen Systeme völlig ausblenden und z.B. die DDR wegen ihrer angeblich klaren antifaschistischen Position noch heute loben.

Daß sich also die sog. "Antifaschisten" vornehmlich gegen Neonazis engagieren, um sich selbst als Gutmenschen zu fühlen, gleichzeitig den früheren kommunistischen Staatsterror ausblenden und Sympathie liberaler Kreise erheischen zu können, ist (psycho-)logisch.

Aus diesem Forum würde ich niemandem eine solche Gesinnung unterstellen.

Daß sie unter Linken aber immer noch (seit den Siebzigern) weit verbreitet ist, sollte uns zeigen, daß diese keine Ansprechpartner für uns sind.


Gehe ich recht in der Annahme, daß du mit "diese" wirklich alle Linken meinst? Falls ja, dann möchte ich folgendes zu bedenken geben:

1. Die Gleichung 'Linke = 5. Kolonne Moskaus' bzw. 'Linke = SED-Sympathisanten' wurde und wird zu demselben Zweck verbreitet wie die Gleichung "Netzwerk Rauchen = 5. Kolonne der Tabakindustrie". Würde das Netzwerk Rauchen alle Linken ausgrenzen, hätten die Antis bereits gewonnen. Im übrigen müßten dann auch Forenteilnehmer wie ich sofort ausgeschlossen werden. Vorausgesetzt, daß ich mich in eine Schublade einordnen müßte, wäre das nämlich die linke. Doch ich habe etwas dagegen, Menschen in Schubladen hineinzuzwingen, und das habe ich mit vielen Linken gemeinsam, ob sie nun parteilos sind oder Mitglied der Linkspartei, in der es ein genauso breites Meinungsspektrum gibt wie in anderen Parteien auch. Das kann ich mit Sicherheit sagen, da ich diverse Mitglieder der Linkspartei wie auch der Grünen und der SPD persönlich gut kenne. Ich selbst war und bin übrigens parteilos - wie so viele mir bekannte Linke.

2. So wie es "die" Linke nicht gibt, existieren auch "die" Antifaschisten nicht. Diejenigen, die du meinst, sind nur ein kleiner und (im wahrsten Sinne des Wortes:) allmählich aussterbender Teil des Teil des Antifa-Spektrums; und die penetrantesten Gutmenschen aus diesem Spektrum sind nicht etwa diejenigen, die man mit "Moskau" in Verbindung bringen könnte, sondern seit 1989 die sog. Antideutschen.

3. Daß - wie du schreibst - "auch allgemein kritische Linke nicht erkennen oder zu erkennen bereit sind, daß sich Geschichte nie genau so, aber auf andere Weise und nicht minder gefährlich, wiederholen kann", stimmt definitiv nicht. Fast alle mir persönlich gut bekannten Linken denken in diesem Punkt nicht anders als du. Nur haben sich viele leider noch nicht mit der Rolle der sog. Gesundheitspolitik befaßt. Das könnte sich ändern, und das muß sich ändern. Es wird sich aber nur sehr wenig ändern, wenn die Raucherbewegung sich spalten läßt oder, noch schlimmer! sich selbst schwächt, indem sie alle Linken unter Generalverdacht stellt, während die Antis schlau genug sind, ihrer Sache zuliebe über alle politischen und weltanschaulichen Grenzen hinweg miteinander zu kooperieren.




  
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Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #32 - 15.07.10 um 11:25:16
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Tartaruga schrieb on 14.07.10 um 23:33:27:
Was nun die Ausrottung der Raucher angeht: ich wundere mich seit Jahren, dass sich die Linke in ihrem Antifaschismus weitgehend auf Neonazis konzentriert. ... ...
Aber für mich ist klar, dass sich Geschichte nie eins zu eins wiederholt. ... ... Ich wundere mich aber, dass selbst hier im Forum offenbar einige meinen, was sich im dritten Reich abgespielt hat, würde sich genauso wiederholen, nur dass die Opfer jetzt nicht mehr die Juden, sondern die Raucher seien.  ...


Richtig, die Geschichte wird sich nie 1 zu 1 wiederholen. Aber wesentliche Argumentations- und Verhaltensmuster wiederholen sich:
Wenn ein Jude im 19. Jahrhundert meist noch die Chance hatte, durch Konvertierung zum Christentum aus der Schußlinie von Antisemiten zu kommen, war das im Dritten Reich bekanntlich nicht mehr möglich. Wie Goldhagen in "Hitlers willige Vollstrecker" im einzelnen beschreibt, hatte sich der Antisemitismus des 19. Jahrhunderts ab Beginn des 20. Jahrhunderts zu einem eliminatorischen Antisemitismus radikalisiert.
Wir werden genau hinsehen müssen. Aber wenn man neuere US-Studien zur dauerhaften Genveränderung infolge Rauchens sieht, wird man nicht lange auf Anti-Raucher-Propaganda mit ebenfalls eliminatorischem Chartakter warten müssen.

Mehr dazu an anderer Stelle in diesem Forum:

http://forum.netzwerk-rauchen.de/cgi-bin/YaBB.pl?num=1279188614

Gerade weil sich Geschichte nicht 1 zu 1 wiederholt und daher sowohl sog. "Antifaschisten" wie auch allgemein kritische Linke nicht erkennen oder zu erkennen bereit sind, daß sich Geschichte nie genau so, aber auf andere Weise und nicht minder gefährlich, wiederholen kann, ist die Anti-Raucher-Hetze so bedrohlich.

Hinzu kommt, daß diejenigen, die sich noch heute gern unter dem Etikett "Antifaschisten" versammeln, meist diejenigen sind, die z.B. die Totalität der kommunistischen Systeme völlig ausblenden und z.B. die DDR wegen ihrer angeblich klaren antifaschistischen Position noch heute loben.

Daß sich also die sog. "Antifaschisten" vornehmlich gegen Neonazis engagieren, um sich selbst als Gutmenschen zu fühlen, gleichzeitig den früheren kommunistischen Staatsterror ausblenden und Sympathie liberaler Kreise erheischen zu können, ist (psycho-)logisch.

Aus diesem Forum würde ich niemandem eine solche Gesinnung unterstellen.

Daß sie unter Linken aber immer noch (seit den Siebzigern) weit verbreitet ist, sollte uns zeigen, daß diese keine Ansprechpartner für uns sind.
« Zuletzt geändert: 15.07.10 um 11:27:06 von bom »  
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Tartaruga
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Hallo

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Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #31 - 14.07.10 um 23:33:27
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Liebe Quirinus,
im Großen und Ganzen gebe ich Dir ja völlig recht in Deiner Analyse. Ich finde allerdings, dass die Bedeutung des Rauchens ein bisschen überschätzt wird, z.B. wenn Du schreibst: „Deshalb wurde der Kampf gegen das Rauchen und die Raucher seit jeher von jenen betrieben, die ein Interesse daran haben, das Volk aus religiösen und politischen Gründen zu kontrollieren.“ Na ja, auch Stalin war Raucher. Und in den islamischen Diktaturen wie Libyen oder Algerien wird überall geraucht. Letztes Jahr konnte ich noch gemütlich im Flughafen (!)von Algier gemeinsam mit einem Polizisten (!) eine Zigarette genießen. Aber klar, es geht um darum, dass die Menschen effektiv sind und sonst nichts. Ich habe mal irgendwo den Begriff „Privatisierung des Privaten“ gelesen: So wie der öffentliche Sektor (Stadtwerke, Krankenhäuser…) zunehmend privatisiert, also dem Profitsystem unterworfen wird, so ist die bislang private,  arbeitsfreie Zeit auch nicht mehr „frei“, sondern soll der Fitness für besseres Arbeiten dienen. Jeder Arbeitnehmer soll leben wie ein Hochleistungssportler. So weit wohl Konsens. Du schreibst weiter: „Aufklärung und Gegenaufklärung sind also in unserer heutigen sog. Informationsgesellschaft so eng miteinander verbunden wie nie zuvor. Eben deshalb würden wir uns verzetteln, gingen wie immer wieder in allen Einzelheiten auf alle Argumente ein. Das sollten wir nur gegenüber Leuten tun, die wirklich offen dafür sind.“ Genau um diese geht’s mir. Ich kenne eine Menge Leute, die eigentlich nichts dagegen haben, dass man raucht, wenn’s nicht grade in ihrem Schlafzimmer ist. Sie finden es auch ok, dass es Raucher- und Nichtraucherkneipen gibt. Sie sind aber verunsichert, weil inzwischen unwidersprochen behauptet wird, das sogar geringste Mengen von Passivrauch zum Beispiel bei Kellnern heftigste Gesundheitsschäden hervorrufen.  Ich finde, da muß man zunächst mal sachlich aufklären, dann kann man später darauf zu sprechen kommen, was hinter dieser ganzen Bewegung steckt. Dass hier im Forum dazu gute Arbeit geleistet wurde, weiß ich sehr wohl zu schätzen.

Nehmen wir doch mal die Klimakatastrophe, die ja auch stark religiösen Charakter hat. Babylon und die strafende Sintflut. Wenn man den Leuten sagt, dass die ganze Flut selbst nach Aussagen des Weltklimarats ca. 40cm bis 2100 betragen wird, während der Weserdeich, auf dem ich sitze, ca. 10 m hoch ist, gibt’s in der Regel eine große Überraschung und Verunsicherung. Die ist aber – glaube ich  - die Vorraussetzung dafür, dass die Leute anfangen nachzudenken, was hinter der Hysteriekampagne stecken könnte.

Was nun die Ausrottung der Raucher angeht: ich wundere mich seit Jahren, dass sich die Linke in ihrem Antifaschismus weitgehend auf Neonazis konzentriert. Es ist zweifellos richtig und wichtig, dass die gelegentlich eins auf die Mütze bekommen, schon um die ausländischen Mitbürger zu schützen. Aber für mich ist klar, dass sich Geschichte nie eins zu eins wiederholt. Dass noch mal eine komische Figur wie Hitler die Massen begeistern würde und grölende Horden mit Hakenkreuzfahnen durch die Straßen ziehen, ist abwegig. Ich wundere mich aber, dass selbst hier im Forum offenbar einige meinen, was sich im dritten Reich abgespielt hat, würde sich genauso wiederholen, nur dass die Opfer jetzt nicht mehr die Juden, sondern die Raucher seien.  Nochmal: Geschichte mag sich gelegentlich wiederholen, aber nie in völlig identischer Form. Selbst wenn es zu einem neuen Faschismus kommt wird er mit Sicherheit nicht so aussehen wie der letzte. Vielleicht wird er so aussehen, wie Julie Zeh in „Corpus Delicti“ beschreibt: ein fürsorglich, repressives System, das sich auf modernste Überwachungstechniken stützt. Aber von einer faschistischen Entwicklung zu sprechen ist meines Erachtens zur Zeit eine ziemliche Spekulation und man sollte deswegen Leuten, die man überzeugen will, nicht sofort damit kommen.

Viele Grüße, Tartaruga
  
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ChristophL
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Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #30 - 14.07.10 um 19:31:38
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Quote:
Der reumütige Ex-Raucher, der seinem "Laster" entsagt hat, ist wieder willkommen in der Mehrheitsgesellschaft.

Letzteres war denjenigen, die die Nazis als "Volljuden" oder sog. Mischlinge, weitgehend unabhängig bekanntermaßen von deren persönlichem Religionsbekenntnis, einstuften, nicht beschieden


Dass derzeit der Rauchstop bzw. das Abnehmen als heilsversprechend propagiert werden, habe ich doch nicht bezweifelt. Wie oben ausgeführt, habe ich einen Blick in die Zukunft gewagt. Irgendwann wird auch am Ex-Raucher ein Stigma hängenbleiben.

Und ich wiederhole nochmals, dass solche Politik auf Dauer in physische Vernichtung übergehen kann.

Ich wiederhole fernerhin, dass Nocebo-Effekt und Rauchverbotstote belegen, dass diese Kräfte schon heute über Leichen gehen. "Quit or die" heißt ja auch, dass jemand, der nicht macht, was die Antis von ihm wollen, den Tod verdient hat.

Übrigens hat das Dritte Reich in den Anfangsjahren durchaus die jüdische Emigration gefördert (in Zusammenarbeit mit zionistischen Organisationen). Eine "judenfreie Welt" war da keineswegs offizielle Politik. 
« Zuletzt geändert: 14.07.10 um 19:34:16 von ChristophL »  
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Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #29 - 14.07.10 um 16:08:50
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Ich bleibe  bei meiner oben geäußerten Auffassung, ChristophL:

Der reumütige Ex-Raucher, der seinem "Laster" entsagt hat, ist wieder willkommen in der Mehrheitsgesellschaft.

Letzteres war denjenigen, die die Nazis als "Volljuden" oder sog. Mischlinge, weitgehend unabhängig bekanntermaßen von deren persönlichem Religionsbekenntnis, einstuften, nicht beschieden; Ausnahme: die sog. Geltungsjuden. Ordnung mußte ja auch damals schon herrschen!

Gruß

evarix
« Zuletzt geändert: 14.07.10 um 16:09:52 von evarix »  
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Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #28 - 14.07.10 um 15:05:34
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Quote:
im wesentlichen schließe ich mich Deiner Meinung an, und zwar deshalb, weil es bei unserem Thema "lediglich" um staatlicherseits erwünschte, allerdings zunehmend repressiv betriebene UMERZIEHUNG geht; die Belohnung des Wohlverhaltens jedoch, das dann also zur Wiederaufnahme in die "Volksgemeinschaft" oder das "Kollektiv" (DDR-Jargon) führen kann, ja sogar soll,  ist mit der Shoah nun keineswegs vergleichbar.

Auf "Umerziehung" kam es den Nazis bekanntermaßen bei denjenigen Menschen, die sie als Juden (mit all den bekannten "Schattierungen") einstuften, nicht an. Etwaiges "Wohlverhalten" gegenüber den Machthabern war also völlig ohne Belang.


Naja, es bringt auch nichts, wenn man in einigen Jahrzehnten den Vergleich genau dann zieht, wenn es schon zu spät ist.
Auch damals haben noch im Viehwagen viele an den Nutzen ihres "Wohlverhaltens" geglaubt.
Es kommt auch gar nicht auf die Frage an, ob sich eine industrielle Massenvernichtung physischer Art wiederholt. Entscheidend sind: das Ausrottungsziel, die Methodik der Herabwürdigung, die eskalierenden Maßnahmen der Freiheitseinschränkung. Wie weit das gehen wird, mit Zwangsentziehungsanstalten für Raucher, mit Entziehung des Sorgerechts für Eltern dicker Kinder, mit Haftstrafen u.a.m., können wir heute nicht abschätzen.
Und was die Wiederaufnahme ins Kollektiv der Volksgemeinschaft angeht: Wenn die ihr Etappenziel der starken Minimierung der Raucherquote erreichen, werden auch Ex-Raucher irgendwann zur dubiosen Gruppe, wie etwa zu sozialisierende Ex-Knackis, derer sich dann wohlhabende ältere Damen annehmen, um Rückfälle zu verhindern.

« Zuletzt geändert: 14.07.10 um 15:06:20 von ChristophL »  
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Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #27 - 14.07.10 um 14:42:43
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Tartaruga schrieb on 14.07.10 um 07:48:05:
Liebe Leute, ich habe mich kürzlich mit einem Freund über den bayrischen Volksentscheid unterhalten. Er meinte, die Antis wären wesentlich besser rübergekommen, weil sie sachlich argumentiert hätten. Nun, das ist eine Meinung – sie muß nicht stimmen. Aber ehrlich gesagt: wenn ich höre, es ginge „um die Ausrottung der Raucher“ oder um „Zwangssterilisation“, um „physische Vernichtung“ finde ich das so grotesk übertrieben, dass ich als normaler Zuhörer sofort abschalten würde. Ich glaube, dass die Antis teilweise sehr unsachlich argumentieren, indem sie Gefahren z.B. durch Passivrauch unglaublich übertreiben und Panik verbreiten. Das aufzuklären scheint mir sinnvoller als selbst Panik zu erzeugen.
Viele Grüsse,
Tartaruga


Tartaruga,

im wesentlichen schließe ich mich Deiner Meinung an, und zwar deshalb, weil es bei unserem Thema "lediglich" um staatlicherseits erwünschte, allerdings zunehmend repressiv betriebene UMERZIEHUNG geht; die Belohnung des Wohlverhaltens jedoch, das dann also zur Wiederaufnahme in die "Volksgemeinschaft" oder das "Kollektiv" (DDR-Jargon) führen kann, ja sogar soll,  ist mit der Shoah nun keineswegs vergleichbar.

Auf "Umerziehung" kam es den Nazis bekanntermaßen bei denjenigen Menschen, die sie als Juden (mit all den bekannten "Schattierungen") einstuften, nicht an. Etwaiges "Wohlverhalten" gegenüber den Machthabern war also völlig ohne Belang.

Gruß

evarix

P.S.: Bei den gelben Raucherquadraten der DB drängen sich allerdings Parallelen auf, die ich auch nicht leugnen mag - im Gegenteil!


  
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Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #26 - 14.07.10 um 13:01:25
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Quote:
Ich glaube, dass die Antis teilweise sehr unsachlich argumentieren, indem sie Gefahren z.B. durch Passivrauch unglaublich übertreiben und Panik verbreiten. Das aufzuklären scheint mir sinnvoller als selbst Panik zu erzeugen.


Wir klären unglaublich sachlich über den Passivrauch auf, das ist seit Anbeginn ein ganz wesentlicher Schwerpunkt des Netzwerk-Arbeit.
Man muss aber nicht nur über die propagandalügnerischen Methoden der Tabakkontrolle aufklären, sondern auch über ihr Ziel. Und ihre Historie. Und da wird sehr klar, wo man hin will und warum als Zwischenschritt die Raucher als Mörder, Brunnenvergifter und Kinderschänder hinstellt.
Dass es viele Raucher als gottgebenes Schicksal hinnehmen, wenn sie zu Untermenschen erklärt werden, kann für uns nicht Anlass sein, dem zu folgen. Wir sind vielmehr die nötige Avantgarde des Widerstandes. Die noch nicht so zahlenmäßig stark ist wie der voll ausgebildete Widerstand.
Man betrachte nur den Feind: Die fanatischsten unter den Antis, mit den weitestgehenden Forderungen, haben sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend durchgesetzt. Dagegen kommt man nicht mit einem "Du, äh, sorry, aber ich finde das nicht knorke" an.

Christoph S. und Quirinus (super Beitrag!) schließe ich mich voll an.
« Zuletzt geändert: 14.07.10 um 13:02:12 von ChristophL »  
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Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #25 - 14.07.10 um 12:31:57
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Christoph Suter schrieb on 14.07.10 um 08:21:57:
Die «Weisse Rose» hat auch versucht, sachlich aufzuklären. Weit ist sie damit nicht gekommen.

Wenn die Antitabakfaschisten die Bevölkerung gegen die Raucher aufhetzt, dann ist es höchste Zeit zu reagieren. «Davon haben wir nichts gewusst.» zieht dann nicht mehr.


100 % Zustimmung meinerseits.

@Tartaruga:

In diesem Forum wurde schon längst herausgearbeitet, was bei genauerer Betrachtung ohnehin offensichtlich ist: daß es bei der Debatte um das Rauchen längst nicht mehr um das Für und Wider des Tabakgenusses und dessen medizininische Folgen geht, also um eine Sachfrage, sondern darum, uns alle weltweit auf einen einzigen Lebensstil zu programmieren: den der absoluten Effizienz. Demgemäß haben Werbeagenturen für die Gesundheitsindustrie den Begriff HEALTHSTYLE erfunden, den sie nun "implementieren" wollen. Und dazu dient ihnen vor allem die Hetze gegen uns Raucher, da wir ja einem scheinbar völlig nutzlosen "Laster" frönen, das angeblich die Produktivität am Arbeitsplatz senkt, die Gesundheitskosten in die Höhe treibt und deshalb ausgemerzt werden muß - aber eben nicht nur deshalb. Denn Raucher galten ja stets als besonders gesellig - und wo Menschen sich versammeln, um zwanglos miteinander zu reden, wittern die Herrschenden seit jeher aufrührerische Tendenzen. Deshalb wurde der Kampf gegen das Rauchen und die Raucher seit jeher von jenen betrieben, die ein Interesse daran haben, das Volk aus religiösen und politischen Gründen zu kontrollieren. Und das sind in unserem westlichen Kulturkreis seit geraumer Zeit vor allem die Ökos, seit sie von ihren verrauchten Hippie-Spelunken und aus ihren verrauchten WGs an die Macht kamen. Es geht also nur vordergründig um das Rauchen. Tatsächlich geht es um die Schaffung eines neuen Menschen, der sich nicht nur widerstandlos allen ökonomischen "Sachzwängen" unterwirft, sondern freudig danach ruft, daß alles verboten werde, was der schönen neuen Welt entgehensteht. Der neue Mensch soll kein mündiger und toleranter Bürger mehr sein, so wie es in der BRD zumal während der 60er und 70er Jahre noch gefordert wurde, sondern ein kleiner Diktator, der sich selbst und alle anderen in Schach hält. Diesem neuen Bild des Demokraten entsprechen die Antis. Und um immer mehr Menschen für diese Art von Demokratie zu begeistern, wird genau das Feindbild benötigt, das von uns Rauchern gemalt wird: arbeitsscheues, verdrecktes, stinkendes Gesindel, das sich an Stammtischen und auf der Straße zusammenrottet, um das deutsche Volk zu zerstören. So dachte und schrieb man während der 60er Jahre über "die Kommunisten", "die Sozis" und "die APO"; und so denken und schreiben die neuen Saubermänner über uns. Letztlich also geht es um MACHT; und demjenigen, der seine MACHT erhalten und vergrößern will, ist jedes Mittel recht. Deshalb auch ist es in den USA schon länge gang & gäbe, den Rauchern - wie auch Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen wollen - vorzuwerfen, sie betrieben einen "Holocaust" an unschuldigen Menschen bzw. Ungeborenen. Weshalb die offizielle Propaganda in Europa und speziell hierzulande nicht zu diesem Mittel greift, muß nicht erklärt werden. Doch es ist auch unnötig. In einer Gesellschaft, die von ewiger Jugend und davon träumt, den Tod zu besiegen, reicht es ja schon, jenes Raucher als Inkarnation des Todes darzustellen. Und genau das ist ein untrennbarer Bestandteil der Gesundheitsreligion. Wer den Raucher kennt, kennt den Teufel.

Gegen eine Religion aber ist bekanntlich nur mit Sachargumenten nicht anzukommen, schon gar nicht gegen die Gesundheitsreligion, die für die meisten nicht als solche erkennbar ist, da es nirgendwo einen Gott zu geben scheint; ja mehr noch: da viele Anhänger dieser neuen Religion sich gleichzeitig öffentlich zum Atheismus bekennen, die Naturwissenschaften preisen und damit den Eindruck erwecken, alles, was sie sagen, sei völlig rational. Auch wohl aus diesem Grunde gibt es (was hier nur am Rande bemerkt sei) erstaunliche personelle Verbindungen zwischen der Pharmaindustrie und der Skeptikerbewegung, die sich (wie jede andere Bewegung auch) prächtig für Ziele instrumentalisieren läßt, um die es ihr ursprünglich gar nicht ging.

Aufklärung und Gegenaufklärung sind also in unserer heutigen sog. Informationsgesellschaft so eng miteinander verbunden wie nie zuvor. Eben deshalb würden wir uns verzetteln, gingen wie immer wieder in allen Einzelheiten auf alle Argumente ein. Das sollten wir nur gegenüber Leuten tun, die wirklich offen dafür sind. Viel wichtiger ist es, immer wieder das Wesentliche zu benennen und möglichst vielen Menschen klarzumachen: daß der Krieg gegen das Rauchen und die Raucher Ausdruck einer relativ neuen und im Kern menschenfeindlichen Religion mit wissenschaftlichem Anstrich ist, die sich letztlich gegen alles "Ungesunde" im "Volkskörper" richtet und sich daher früher oder später gegen jeden richten wird, der sich ihr nicht bedingungslos unterwirft.



Nachtrag. Für alle, die ihn noch nich gelesen haben, sei auf diesen 2008 erschienenen ZEIT-Artikel von Manfred Lütz hingewiesen:

Quote:
Erhebet die Herzen, beuget die Knie

Gesundheit als Religion: Vorsorge, Enthaltsamkeit, Sport – das ist die neue Dreifaltigkeit. Ein Gotteslästerer, der dies bezweifelt.

[...]

Die Gesundheitsreligion ist eine gigantische Anleitung zum Unglücklichsein. Sie suggeriert unerreichbare Utopien und unterhält eine florierende Industrie, die ihren trügerischen Versprechungen die sehnsüchtigen Massen zutreibt. Mit verbissenem Ernst, die Todesdrohung im Nacken, und schuldgebeugt hetzen die Menschen bei Marathonläufen durch die Straßen hässlicher Städte, laufen von Arzt zu Arzt und essen unschmackhafte Sättigungsbeilagen zu einem Leben voller Verzicht und Kasteiung. Um den Tod zu vermeiden, nehmen sie sich das Leben, nämlich unwiederholbare Lebenszeit. Es gibt Menschen, die leben von morgens bis abends nur noch vorbeugend, um dann gesund zu sterben. Doch auch wer gesund stirbt, ist definitiv tot.

Einsam und untröstlich stirbt der Gesundheitsgläubige in seiner kalten Gesundheitsgesellschaft. Denn die Gesundheitsreligion ist radikal egoistisch. Während die Hochreligionen Judentum, Christentum und Islam immer auch einen sozialen Aspekt hatten, interessiert sich der Gesundheitsgläubige nur für seine Laborwerte, seine Prognose, seine Zukunft. Das macht die Kämpfe in der Gesundheitspolitik oft so hart und rücksichtslos.


Vor allem aber macht es den Kreuzzug der Antis, der nun in auch in Hamburg in eine neue Phase eintritt, zu einem Politikum ersten Ranges - nicht nur für Raucher.
« Zuletzt geändert: 14.07.10 um 12:59:31 von Quirinus »  
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