Seitenindex umschalten Seiten: 1 2 3 [4] 5 6 ... 8 Thema versendenDrucken
Sehr heißes Thema (mehr als 50 Antworten) ÖDP Hamburg startet Volksinitiative (Gelesen: 5.566 mal)
Berlin-Mindplayer
God Member
****
Offline


420

Beiträge: 954
Mitglied seit: 19.02.07
Geschlecht: männlich
Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #69 - 19.07.10 um 19:11:17
Beitrag drucken  
und ich bin der Meinung: Laßt die Schulen selbst entscheiden!
Was spricht gegen eine Koexistenz zwischen dem klassischen 4 Klassen System und der Primärschule (heißt das so?) ...
Wichtig dabei ist doch nur dass der Quereinstieg funktioniert.
  
Zum Seitenanfang
IP gespeichert
 
xila
Advanced Member
*****
Offline


... hat meistens recht
;)

Beiträge: 4.006
Mitglied seit: 15.10.07
Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #68 - 19.07.10 um 16:08:23
Beitrag drucken  
Quirinus schrieb on 19.07.10 um 13:36:07:
xila schrieb on 19.07.10 um 11:50:49:
Wie, frage ich dich, liebe Quirinus, soll es auf diese Weise denn überhaupt möglich sein, gerade in den wichtigen letzten beiden Grundschuljahren (da die ersten beiden ja zu einer Erweiterung der Kindergartenzeit geworden sind) ein vernünftiges Lernklima zu schaffen?


Unsere Politiker, denen die Bildung angeblich so wichtig ist, sollen gefälligst für kleinere Lerngruppen, mehr gut qualifizierte Lehrer und eine bessere Ausstattung aller Schulen sorgen.


Die Grundschulzeit zerfällt - wie jeder weiß, der schon einmal ein Kind durch die Grundschule gebracht hat - in zwei Zweijahreszeiträume. Im ersten dominiert das "spielerische Heranführen" an "spannende Themen", und jedes Kind soll gefälligst jeden Tag mächtig Spaß haben, und der zweite kreist dann größtenteils nur noch um den Übergang aufs Gymnasium - jedenfalls aus Elternblickwinkel. Was, bitte, sollen deine Lösungsvorschläge denn daran ändern?

Quote:
Quote:
Daß es die ELTERN sind, die um jeden, oft wirklich um JEDEN Preis ihr Kind unbedingt auf dem Gymnasium sehen wollen, um das zu wissen, brauche ich keine Experten, denn es ist meine eigene Erfahrung. Und ich habe auch gesehen, was das bei den Kindern oft an völlig überflüssiger Quälerei bedeutet. Ich bin überzeugt davon, ein Aufschub dieses Affentanzes um zwei Jahre wäre nicht nur dem Lernerfolg der Kinder in einer sehr wichtigen Lebensphase dienlich, sondern würde auch verhindern, daß ihnen Lebenszeit unnötig sauer gemacht wird.


Diesen Affentanz kann man mit der Primarstufe nicht beenden, sondern bloß verlängern.


Ich habe keinen Grund zur Annahme, daß sich die Gymnasiumspanik im Vorfeld dann von zwei auf vier Jahre verlängern würde. Und mit ein bißchen Glück würde es dafür sorgen, daß der Anteil der Eltern, die anschließend aus der Schullaufbahn ihrer Kinder eine Ganztagesbeschäftigung machen, um sie auch auf dem Gymnasium zu halten, sich ebenfalls verringert.

Quote:
Viel sinnvoller wäre es, die Grund-, Haupt- und Realschulen gleichermaßen gut auszustatten, überall für mehr gleichermaßen qualifizierte Lehrer sowie kleinere Lerngruppen zu sorgen, alle Lehrer gleichermaßen gut zu bezahlen und damit den ruinierten Ruf der allgemeinbildenden Schulen wiederherzustellen - zu dem im übrigen auch beigetragen hat, daß die unteren Einkommen immer weiter gesunken sind und schon deshalb viele Eltern bestrebt waren, ihre Kinder um jeden Preis aufs Gymnasium zu schicken: was letztlich nur dazu geführt hat, daß das Niveau der weiterbildenden Schulen bis hin zu den Universitäten immer weiter sank. Die Konsequenz? Inzwischen gibt es nicht nur Universitäten, sondern auch 'Elite-Universitäten'. Wie die 'Elite' beschaffen ist, die im In- oder Ausland solche Unis frequentiert, zeigen ja viele unserer 'Entscheider'. Herausragende geistige Fähigkeiten vermag ich in diesen Kreisen kaum zu entdecken - genausowenig wie bei den meisten mir bekannten Abiturienten oder Studenten.

Deshalb plädiere ich für ein Schulsystem, das allen den Erwerb einer soliden Allgemeinbildung ermöglicht und sicherstellt, daß alle Begabungen gleichermaßen gefördert werden, jede an ihrem Ort, aber nicht alle an einem, wo sie sich gegenseitig blockieren, wie es in zusammengewürfelten Lerngruppen der Fall ist: die ja nicht nur an den großen Herkunfts- und wissensbedingten Leistungsunterschieden zwischen den Schülern kranken, sondern heutzutage in ebenso hohem Maße daran, daß immer mehr Schüler Symptome dessen aufweisen, was man ADHS zu nennen pflegt - ganz unabhängig von ihrer formalen Intelligenz. Und diese Schüler sollen, wie von den Primarschulbefürwortern erträumt, eigenverantwortlich lernen? Schon wenn ich heutzutage das Wort "eigenverantwortlich" höre, klingeln bei mir alle Alarmglocken - geht es doch denen, die es so gern um Munde führen, in aller Regel nur darum, Kosten zu senken. Daß sie vorab oft eine Menge investieren, will gar nichts besagen. So war es bei Hartz IV, so ist es im Gesundheitswesen, und so wird es im Bildungsbereich sein. Ziel ist stets das, was unsere LOHAS als effizient betrachten. Und eine wirklich umfassende Allgemeinbildung, zu der auch eine umfassende (und der sozialen Bildung wie der Denkfähigkeit stets förderliche) musische Bildung für ausnahmslos jeden gehört, ist wohl das Letzte, was die LOHAS wirklich wollen. Wer es gelernt hat, mit seinem eigenen Verstande zu denken, der könnte ihnen ja gefährlich werden, so auch ihren Versuchen, mittels der Gesundheitspolitik und der ihnen plötzlich so lieben direkten Demokratie das Volk im Zaume zu halten.


Man merkt, daß dich bei diesem Thema doch vor allem die theoretische Seite beschäftigt hat.

Ehrlich gesagt, ich hätte vor allem gerne ein Verfahren, bei dem die Schulwahl nach Leistungsfähigkeit erfolgt. Es ist mir auch scheißegal, ob das die Eltern, die Lehrer oder meinetwegen ein Schamane entscheidet, solange es nicht weiter darauf hinausläuft, daß diejenigen, die am meisten Geld in die "Förderung" ihrer Kinder stecken, über die Schullaufbahnen aller bestimmen können.

Denn welches Kind, das so für die Schule lernt, wie wir das zu unserer Zeit getan haben, ist im heutigen Schulsystem denn noch "konkurrenzfähig" im Vergleich zu denen, die von ihren Eltern mit Lehrmaterialien aus dem "Nachmittagsmarkt" und zwei Nachmittagen Nachhilfe versorgt werden? Da werden mit viel Geld Standards gesetzt, bei denen eines nur noch eine geringe Rolle mehr spielt, nämlich das, was das Kind an Voraussetzungen mitbringt.

Wegen der kleinen Klassen: Wieviele Schüler waren eigentlich in deiner Klasse? Bei mir waren es 40. Irgendwie will es mir deshalb nicht in den Kopf, daß sich die personellen Möglichkeiten für guten Unterricht seit unserer Zeit verschlechtert haben sollen.

Ich bin auch gar nicht der Meinung, daß die Schule perfekte Lernvoraussetzungen bieten muß. Im Gegenteil, denn wo werden die Kinderlein denn später im Berufsleben kuschelige Idealbedingungen vorfinden? Ich habe es immer für einen nicht unwichtigen Teil der Schule gehalten, daß man sich auch mit diesem Mangel an Perfektion, zuweilen mit Ungerechtigkeiten und all diesem Kram auseinandersetzen muß.

Lehrpläne lassen sich verbessern, aber besonders wichtig finde ich, daß die Leistungen der Kinder untereinander realistisch vergleichbar sind, und da klemmt es derzeit eindeutig. Das, was verglichen wird, enthält zu viele Verzerrungsfaktoren, und am Ende kommen die Falschen mit dem System am besten zurecht. Warum wundern wir uns eigentlich, was für Armleuchter viele junge Akademiker in Wirklichkeit doch häufig sind?

Mir reichen ja schon die Praktikumsanfragen, die ich von Zeit zu Zeit von Studentinnen bekomme ... Die meisten kommen nicht einmal auf die Idee, bei einer Praktikumsanfrage auch nur ihren vollen Namen mitzuteilen, sondern unterschreiben einfach mit "LG, Anja" oder so ähnlich. Man fragt sich wirklich, wie sich solche Leute, wenn sie einmal fertigstudiert haben, im Berufsleben zurechtfinden werden.

  

As the mathematician Ian Stewart points out in “Do Dice Play God?” (Basic), the average person has one breast and one testicle.
Zum Seitenanfang
 
IP gespeichert
 
Quirinus
God Member
****
Offline


711

Beiträge: 773
Mitglied seit: 05.01.08
Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #67 - 19.07.10 um 15:57:26
Beitrag drucken  
Kaum hatt' ich geschrieben, daß bei mir alle Alarmglocken klingeln, wenn gewisse Leute von Eigenverantwortung reden, schon kam mir dieser Thread bzw. der im ersten Beitrag verlinkte Artikel des Lifestyle-Journalisten Ulf Poschardt unter die Augen.

An alle hier: unbedingt lesen! Schon die Überschrift sagt, woher der Wind weht.
« Zuletzt geändert: 19.07.10 um 15:58:42 von Quirinus »  
Zum Seitenanfang
 
IP gespeichert
 
Frotzler
God Member
****
Offline


El Fluppe - Nationaltrainer

Beiträge: 592
Mitglied seit: 25.02.07
Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #66 - 19.07.10 um 15:33:09
Beitrag drucken  
Quirinus schrieb on 19.07.10 um 13:36:07:
[quote author=2637323F5E0 link=1278405188/59#59 date=1279540249]
Unsere Politiker, denen die Bildung angeblich so wichtig ist, sollen gefälligst für kleinere Lerngruppen, mehr gut qualifizierte Lehrer und eine bessere Ausstattung aller Schulen sorgen.


Und einen gewissen Tauchlehrer sollte man entlassen.  Zwinkernd


  



Zum Seitenanfang
 
IP gespeichert
 
Quirinus
God Member
****
Offline


711

Beiträge: 773
Mitglied seit: 05.01.08
Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #65 - 19.07.10 um 13:36:07
Beitrag drucken  
xila schrieb on 19.07.10 um 11:50:49:
Wie, frage ich dich, liebe Quirinus, soll es auf diese Weise denn überhaupt möglich sein, gerade in den wichtigen letzten beiden Grundschuljahren (da die ersten beiden ja zu einer Erweiterung der Kindergartenzeit geworden sind) ein vernünftiges Lernklima zu schaffen?


Unsere Politiker, denen die Bildung angeblich so wichtig ist, sollen gefälligst für kleinere Lerngruppen, mehr gut qualifizierte Lehrer und eine bessere Ausstattung aller Schulen sorgen.

Quote:
Daß es die ELTERN sind, die um jeden, oft wirklich um JEDEN Preis ihr Kind unbedingt auf dem Gymnasium sehen wollen, um das zu wissen, brauche ich keine Experten, denn es ist meine eigene Erfahrung. Und ich habe auch gesehen, was das bei den Kindern oft an völlig überflüssiger Quälerei bedeutet. Ich bin überzeugt davon, ein Aufschub dieses Affentanzes um zwei Jahre wäre nicht nur dem Lernerfolg der Kinder in einer sehr wichtigen Lebensphase dienlich, sondern würde auch verhindern, daß ihnen Lebenszeit unnötig sauer gemacht wird.


Diesen Affentanz kann man mit der Primarstufe nicht beenden, sondern bloß verlängern. Viel sinnvoller wäre es, die Grund-, Haupt- und Realschulen gleichermaßen gut auszustatten, überall für mehr gleichermaßen qualifizierte Lehrer sowie kleinere Lerngruppen zu sorgen, alle Lehrer gleichermaßen gut zu bezahlen und damit den ruinierten Ruf der allgemeinbildenden Schulen wiederherzustellen - zu dem im übrigen auch beigetragen hat, daß die unteren Einkommen immer weiter gesunken sind und schon deshalb viele Eltern bestrebt waren, ihre Kinder um jeden Preis aufs Gymnasium zu schicken: was letztlich nur dazu geführt hat, daß das Niveau der weiterbildenden Schulen bis hin zu den Universitäten immer weiter sank. Die Konsequenz? Inzwischen gibt es nicht nur Universitäten, sondern auch 'Elite-Universitäten'. Wie die 'Elite' beschaffen ist, die im In- oder Ausland solche Unis frequentiert, zeigen ja viele unserer 'Entscheider'. Herausragende geistige Fähigkeiten vermag ich in diesen Kreisen kaum zu entdecken - genausowenig wie bei den meisten mir bekannten Abiturienten oder Studenten.

Deshalb plädiere ich für ein Schulsystem, das allen den Erwerb einer soliden Allgemeinbildung ermöglicht und sicherstellt, daß alle Begabungen gleichermaßen gefördert werden, jede an ihrem Ort, aber nicht alle an einem, wo sie sich gegenseitig blockieren, wie es in zusammengewürfelten Lerngruppen der Fall ist: die ja nicht nur an den großen Herkunfts- und wissensbedingten Leistungsunterschieden zwischen den Schülern kranken, sondern heutzutage in ebenso hohem Maße daran, daß immer mehr Schüler Symptome dessen aufweisen, was man ADHS zu nennen pflegt - ganz unabhängig von ihrer formalen Intelligenz. Und diese Schüler sollen, wie von den Primarschulbefürwortern erträumt, eigenverantwortlich lernen? Schon wenn ich heutzutage das Wort "eigenverantwortlich" höre, klingeln bei mir alle Alarmglocken - geht es doch denen, die es so gern um Munde führen, in aller Regel nur darum, Kosten zu senken. Daß sie vorab oft eine Menge investieren, will gar nichts besagen. So war es bei Hartz IV, so ist es im Gesundheitswesen, und so wird es im Bildungsbereich sein. Ziel ist stets das, was unsere LOHAS als effizient betrachten. Und eine wirklich umfassende Allgemeinbildung, zu der auch eine umfassende (und der sozialen Bildung wie der Denkfähigkeit stets förderliche) musische Bildung für ausnahmslos jeden gehört, ist wohl das Letzte, was die LOHAS wirklich wollen. Wer es gelernt hat, mit seinem eigenen Verstande zu denken, der könnte ihnen ja gefährlich werden, so auch ihren Versuchen, mittels der Gesundheitspolitik und der ihnen plötzlich so lieben direkten Demokratie das Volk im Zaume zu halten.
« Zuletzt geändert: 19.07.10 um 13:36:46 von Quirinus »  
Zum Seitenanfang
 
IP gespeichert
 
perle
Advanced Member
*****
Offline



Beiträge: 6.162
Mitglied seit: 05.04.07
Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #64 - 19.07.10 um 12:59:52
Beitrag drucken  
xila schrieb on 19.07.10 um 12:39:30:
Das würde aber nichts an der "Mein Kind MUSS unbedingt aufs Gymnasium"-Hysterie ändern, die spätestens nach Klasse 3 und bei manchen Eltern schon erheblich früher auftritt. Ich verstehe ja das, was die Eltern dazu antreibt, aber es führt dennoch in eine ganz falsche Richtung. 


stimmt, ich kenne manchen handwerker mit gutem hauptschul- oder realschulabschluß, der mehr verdient als so mancher jungakademiker und obendrein auch noch arbeitsplätze für andere mit seinem handwerks-gewerbe schafft.

was ist eigentlich so abartig daran, ein handwerk zu erlernen? so ein richtiger schneider, schuhmacher oder tischler, das sind doch tolle berufe. und wenn es mehr davon gäbe, wäre es für die breite masse vermutlich erschwinglicher individuellere kleidung und möbel zu kaufen, die lange halten, und die im bedarfsfall sogar repariert werden können.

das wäre mal was "nachhaltiges". ist aber vermutlich wieder nur die übliche sozialromantische träumerei.....
  

das licht am ende des tunnels könnte auch ein idiot mit einer kerze sein
Zum Seitenanfang
 
IP gespeichert
 
xila
Advanced Member
*****
Offline


... hat meistens recht
;)

Beiträge: 4.006
Mitglied seit: 15.10.07
Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #63 - 19.07.10 um 12:39:30
Beitrag drucken  
perle schrieb on 19.07.10 um 12:08:20:
xila schrieb on 19.07.10 um 11:50:49:
Wie, frage ich dich, liebe Quirinus, soll es auf diese Weise denn überhaupt möglich sein, gerade in den wichtigen letzten beiden Grundschuljahren (da die ersten beiden ja zu einer Erweiterung der Kindergartenzeit geworden sind) ein vernünftiges Lernklima zu schaffen? 



das problem liegt woanders. nämlich in den ersten beiden grundschuljahren. wenn man dort nicht zügig beginnt, den kindern lesen, schreiben und die ersten grundrechenarten beizubringen ist eigentlich schon hopfen und malz verloren.

als meine tochter in der zweiten klasse war (1987) bekamen sie eine neue schülerin in die klasse, die zuvor in der damaligen DDR zur schule gegangen war. dieses mädchen konnte im gegensatz zu allen anderen kindern in der klasse schon ganze sätze schreiben, während sie selber immer noch großbuchstaben auf einzelne DinA4 bögen gemalt haben.

und seit 1987 ist ja keineswegs besser geworden, jedenfalls in berlin nicht. mein enkel geht jetzt zur schule, und da "unterrichten" jetzt die 2.klässler, die 1.klässler, während wiederum die 3.klässler die 2.klässler unterrichten und gleichzeitig von den 4.klässlern unterrichtet werden.

dieses system ist seit einigen jahren in berlin standard an grundschulen, und seit dieser zeit ist die zahl der "verweiler" (sitzenbleiben gibt es nicht mehr) um das 5-fache angestiegen.

und warum? nur weil man die schulen kaputtspart bis zum es-geht-nicht-mehr, und den leuten einreden will, wer bildung will, solle gefälligst zahlen, nur damit eine weitere lobby erfolge an ihre auftraggeber vermelden kann.


Das würde aber nichts an der "Mein Kind MUSS unbedingt aufs Gymnasium"-Hysterie ändern, die spätestens nach Klasse 3 und bei manchen Eltern schon erheblich früher auftritt. Ich verstehe ja das, was die Eltern dazu antreibt, aber es führt dennoch in eine ganz falsche Richtung.

Aus meiner Sicht ist an der Schule vieles verbesserungsbedürftig. Eine der Verbesserungen, die meinen Beifall fänden, wäre aber auch eine Verschiebung der Aufteilung in die weiterführenden Schulen. Zwei Jahre hin oder her bedeuten für den Schüler, der ggf. zum Objekt übertriebenen Ehrgeizes seiner Eltern wird, auch zwei Jahre Zuwachs an Eigenständigkeit und viel bessere Chancen, von ihnen nicht einfach plattgewalzt zu werden. 

  

As the mathematician Ian Stewart points out in “Do Dice Play God?” (Basic), the average person has one breast and one testicle.
Zum Seitenanfang
 
IP gespeichert
 
perle
Advanced Member
*****
Offline



Beiträge: 6.162
Mitglied seit: 05.04.07
Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #62 - 19.07.10 um 12:08:20
Beitrag drucken  
xila schrieb on 19.07.10 um 11:50:49:
Wie, frage ich dich, liebe Quirinus, soll es auf diese Weise denn überhaupt möglich sein, gerade in den wichtigen letzten beiden Grundschuljahren (da die ersten beiden ja zu einer Erweiterung der Kindergartenzeit geworden sind) ein vernünftiges Lernklima zu schaffen? 



das problem liegt woanders. nämlich in den ersten beiden grundschuljahren. wenn man dort nicht zügig beginnt, den kindern lesen, schreiben und die ersten grundrechenarten beizubringen ist eigentlich schon hopfen und malz verloren.

als meine tochter in der zweiten klasse war (1987) bekamen sie eine neue schülerin in die klasse, die zuvor in der damaligen DDR zur schule gegangen war. dieses mädchen konnte im gegensatz zu allen anderen kindern in der klasse schon ganze sätze schreiben, während sie selber immer noch großbuchstaben auf einzelne DinA4 bögen gemalt haben.

und seit 1987 ist ja keineswegs besser geworden, jedenfalls in berlin nicht. mein enkel geht jetzt zur schule, und da "unterrichten" jetzt die 2.klässler, die 1.klässler, während wiederum die 3.klässler die 2.klässler unterrichten und gleichzeitig von den 4.klässlern unterrichtet werden.

dieses system ist seit einigen jahren in berlin standard an grundschulen, und seit dieser zeit ist die zahl der "verweiler" (sitzenbleiben gibt es nicht mehr) um das 5-fache angestiegen.

und warum? nur weil man die schulen kaputtspart bis zum es-geht-nicht-mehr, und den leuten einreden will, wer bildung will, solle gefälligst zahlen, nur damit eine weitere lobby erfolge an ihre auftraggeber vermelden kann.
  

das licht am ende des tunnels könnte auch ein idiot mit einer kerze sein
Zum Seitenanfang
 
IP gespeichert
 
perle
Advanced Member
*****
Offline



Beiträge: 6.162
Mitglied seit: 05.04.07
Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #61 - 19.07.10 um 11:59:38
Beitrag drucken  
@ Quirinus,

danke für dein post.
  

das licht am ende des tunnels könnte auch ein idiot mit einer kerze sein
Zum Seitenanfang
 
IP gespeichert
 
perle
Advanced Member
*****
Offline



Beiträge: 6.162
Mitglied seit: 05.04.07
Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #60 - 19.07.10 um 11:57:57
Beitrag drucken  
Destruktor schrieb on 19.07.10 um 11:19:10:
LOHAS-Konsumenten sind beispielsweise Natur- und Outdoor-Urlauber, Kunden von Bioläden oder Biosupermärkten. Ihre Motive ähneln denen der Slow-Food-Bewegung, sie lehnen die „Geiz ist geil“-Mentalität strikt ab.


aber es ist ihnen scheißegal, ob die handgestreichelte baumwolle durch kinderhände gepflückt, oder das outdoor-equipment in schummrigen hinterhofbuden in 13-stunden schichten zusammengenäht wird. es ist ihnen auch scheißegal, wenn die verkäuferin im stylischen bioladen mit 5€/stunde brutto abgespeist wird, der staat unterstützt sie ja, wenn sie hilfe braucht. und wenn nicht, sparen staat und unternehmer.

oder ob der regenwald gerodet und dadurch ureinwohner vertrieben werden, nur damit man sich guten gewissens "biosprit" in den tank füllen kann.

alles scheißegal, aber wenn einem orang utan der fingernagel beim hangeln über die palmölplantagen abbricht -  dann ist aber weltuntergang angesagt.
  

das licht am ende des tunnels könnte auch ein idiot mit einer kerze sein
Zum Seitenanfang
 
IP gespeichert
 
xila
Advanced Member
*****
Offline


... hat meistens recht
;)

Beiträge: 4.006
Mitglied seit: 15.10.07
Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #59 - 19.07.10 um 11:50:49
Beitrag drucken  
Ich muß zugeben, ich habe mich mit dieser Hamburger Sache nicht allzu eingehend befaßt. Meine Sympathien für den Teil, der jetzt gekippt wurde, beruhen ausschließlich auf meinen Erfahrungen aus der Schulzeit meines Sohnes.

Bei mir sind damals die Alarmglocken schon angegangen, als beim ersten Elternabend in Klasse 4 (oder war es womöglich sogar schon Klasse 3?) die Nachhilfe-Mafia massiv mit Werbematerialien aller Art vertreten war. Es war ziemlich auffallend, daß die Kinder aus der Klasse dann innerhalb kürzester Zeit verinnerlicht hatten, daß es eine Schande und ein Versagen sei, sollten sie keine Gymnasialempfehlung bekommen.

Der große Crash kam für viele Schüler, die ihr Ziel, oft tatsächlich mit viel Nachhilfe, erreicht und die ersten Jahre auf dem Gymi auch noch irgendwie durchgestanden hatten, spätestens in Klasse 8, wobei es sich meist eigentlich von Beginn an abgezeichnet hatte.

Wir reden hier von Kindern, die keineswegs freiwillig mehrere Jahre Drill hinter sich hatten und am Ende oft dennoch mit dem Gefühl fertigwerden mußten, versagt zu haben.

Wie, frage ich dich, liebe Quirinus, soll es auf diese Weise denn überhaupt möglich sein, gerade in den wichtigen letzten beiden Grundschuljahren (da die ersten beiden ja zu einer Erweiterung der Kindergartenzeit geworden sind) ein vernünftiges Lernklima zu schaffen?

Daß es die ELTERN sind, die um jeden, oft wirklich um JEDEN Preis ihr Kind unbedingt auf dem Gymnasium sehen wollen, um das zu wissen, brauche ich keine Experten, denn es ist meine eigene Erfahrung. Und ich habe auch gesehen, was das bei den Kindern oft an völlig überflüssiger Quälerei bedeutet. Ich bin überzeugt davon, ein Aufschub dieses Affentanzes um zwei Jahre wäre nicht nur dem Lernerfolg der Kinder in einer sehr wichtigen Lebensphase dienlich, sondern würde auch verhindern, daß ihnen Lebenszeit unnötig sauer gemacht wird.
  

As the mathematician Ian Stewart points out in “Do Dice Play God?” (Basic), the average person has one breast and one testicle.
Zum Seitenanfang
 
IP gespeichert
 
Destruktor
God Member
****
Offline



Beiträge: 875
Standort: Stuttgart
Mitglied seit: 12.04.09
Geschlecht: männlich
Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #58 - 19.07.10 um 11:19:10
Beitrag drucken  
Quirinus schrieb on 19.07.10 um 10:39:45:
Die Sache mit der Hamburger Schulreform ist wirklich ein ganz besonderes Lehrstück, und zwar insbesondere über politische Propaganda. Die Reformbefürworter inkl. eines Teils der CDU und allen voran die Grünen, die SPD und die Linkspartei haben sich als 'fortschrittlich' und 'sozial' dargestellt und die Reformgegner als 'elitär' gebrandmarkt. Bei den Reformern aber handelt sich im großen und ganzen um dieselben Kreise, die massive Rauchverbote durchzusetzen versuchen: nämlich um die sog. LOHAS, die sich so gern einen sozialen Anstrich geben, aber tätsächlich meist nur anderen ihr Weltbild, ihren Lifestyle und ihr Effizienzdenken aufzwingen wollen. Deshalb auch war die Bildungspolitik stets ihr ganz besonderes Steckenpferd, hat sich doch mit deren Hilfe immer wieder das Volk ködern lassen. Doch die Gesamtschulen und die massenhafte Schließung von Gymnasien dienten letztlich nur der Kostenersparnis, die Rechtschreibreform wurde nur zu einem gigantischen Geschäft für einige Verlage, und die Entwicklung nach Einführung der Primarschule würde mit Sicherheit auch diesmal bestätigen, was die Reformgegner einzuwenden haben: daß sich gesellschaftliche Probleme nicht durch Schulexperimente wie die angestrebten lösen lassen, sondern höchstens noch verschärfen. Ohne dies vertiefen zu wollen, weise ich nur auf die oben von mir verlinkten Seiten mit den Argumenten hin und sage:

Bei den meisten heutigen politischen Auseinandersetzungen geht es nicht darum, die Bedürfnisse des Volkes gegen eine reaktionäre Elite durchzusetzen, so wie es z.T. noch um 1970 war, sondern es geht darum, daß eine neue 'grüne' Elite sich gegen die alte durchsetzen will und dabei auch recht erfolgreich ist. Dementsprechend werden die Grünen von den meisten ihrer Wähler, ja sogar von vielen halbwegs gebildeten Nichtwählern noch immer für besonders sozial, ja sogar 'links' gehalten - so daß alles, was sie politisch anstreben, als dem Zusammenleben der Menschen förderlich gilt: und dazu zählen auch die absoluten Rauchverbote. Was die Grünen, die SPD und die Linkspartei fordern, kann doch gar nicht schlecht und gar nicht antisozial sein, gelle? Ihr Engaement für die Schulreform hat es doch gezeigt, gelle?

Darauf sollte keiner hereinfallen. Letztlich liegt der Forderung nach einer sechsjährigen Primarschule für alle und der Abschaffung des Elternwahlrechts das gleiche Menschenbild zugrunde wie den Rauchverboten. Nicht mehr die Bürger selbst, sondern Experten sollen darüber entscheiden, was gut für sie und ihre Kinder ist. Experten halten es für richtig, Kinder, die gut lesen und schreiben können und begabt und lernbegierig sind (das gilt nicht allemal die Sprößlinge der Mittelschicht!), sechs Jahre lang mit Analphabeten und ADHS-Kindern in den gleichen Schulen und Lerngruppen zusammenzupferchen; und Experten halten es für richtig, alle ausgehfreudigen Erwachsenen in die gleichen sterilen Restaurants, Diskotheken und Kneipen hineinzuzwingen. Wer ihnen entgegenhält, daß die Menschen unterschiedlich seien und auf diese Bedürfnisse innerhalb wie außerhalb der Schule eingegangen werden müsse, der wird heute mal als 'elitär' diffamiert, mal als 'prollig' - je nachdem, wie's gerade paßt. Als 'sozial' hingegen gilt jeder, der alles nachbetet, was die LOHAS quer durch alle Parteien uns predigen und was letztlich dem Ziel dient, die Masse der Menschen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft einander gleich zu machen, damit sich einige wenige Reiche (ob Angehörige des alten Geldadels oder Emporkömmlinge) ungestört ihrer ganz besonderen Gleichheit erfreuen können.









LOHAS ist ein Akronym für „Lifestyle of Health and Sustainability“ (Lebensstil für Gesundheit und Nachhaltigkeit). Es steht für einen Lebensstil oder Konsumententyp, der durch sein Konsumverhalten und gezielte Produktauswahl Gesundheit und Nachhaltigkeit fördern will.

Häufig handelt es sich um Personen mit überdurchschnittlichem Einkommen.[1] In den Vereinigten Staaten sollen ungefähr 30 Prozent der Verbraucher diesem Typ entsprechen, in Deutschland etwa 15 Prozent. LOHAS-Konsumenten sind beispielsweise Natur- und Outdoor-Urlauber, Kunden von Bioläden oder Biosupermärkten. Ihre Motive ähneln denen der Slow-Food-Bewegung, sie lehnen die „Geiz ist geil“-Mentalität strikt ab.




In meinem Verwandtenkreis habe ich es leider mit einigen dieser "LOHAS" zu tun.

Sie sind von einer "Mission" beseelt, andere von ihren Ideen zu überzeugen. Manchmal habe ich den Eindruck, daß diese Leute früher die glühendsten Nationalsozialisten gewesen wären.



http://de.wikipedia.org/wiki/LOHAS
« Zuletzt geändert: 19.07.10 um 11:21:51 von Destruktor »  
Zum Seitenanfang
 
IP gespeichert
 
evarix
Senior Member
*****
Offline


Den Dingen auf den Grund
gehen...

Beiträge: 1.072
Standort: Berlin
Mitglied seit: 07.05.08
Geschlecht: weiblich
Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #57 - 19.07.10 um 10:51:54
Beitrag drucken  
Ganz herzlichen Dank für diesen Beitrag, Quirinus,

mit dem Du mir aus der Seele sprichst!

Gruß

evarix
  
Zum Seitenanfang
 
IP gespeichert
 
Quirinus
God Member
****
Offline


711

Beiträge: 773
Mitglied seit: 05.01.08
Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #56 - 19.07.10 um 10:39:45
Beitrag drucken  
Die Sache mit der Hamburger Schulreform ist wirklich ein ganz besonderes Lehrstück, und zwar insbesondere über politische Propaganda. Die Reformbefürworter inkl. eines Teils der CDU und allen voran die Grünen, die SPD und die Linkspartei haben sich als 'fortschrittlich' und 'sozial' dargestellt und die Reformgegner als 'elitär' gebrandmarkt. Bei den Reformern aber handelt sich im großen und ganzen um dieselben Kreise, die massive Rauchverbote durchzusetzen versuchen: nämlich um die sog. LOHAS, die sich so gern einen sozialen Anstrich geben, aber tätsächlich meist nur anderen ihr Weltbild, ihren Lifestyle und ihr Effizienzdenken aufzwingen wollen. Deshalb auch war die Bildungspolitik stets ihr ganz besonderes Steckenpferd, hat sich doch mit deren Hilfe immer wieder das Volk ködern lassen. Doch die Gesamtschulen und die massenhafte Schließung von Gymnasien dienten letztlich nur der Kostenersparnis, die Rechtschreibreform wurde nur zu einem gigantischen Geschäft für einige Verlage, und die Entwicklung nach Einführung der Primarschule würde mit Sicherheit auch diesmal bestätigen, was die Reformgegner einzuwenden haben: daß sich gesellschaftliche Probleme nicht durch Schulexperimente wie die angestrebten lösen lassen, sondern höchstens noch verschärfen. Ohne dies vertiefen zu wollen, weise ich nur auf die oben von mir verlinkten Seiten mit den Argumenten hin und sage:

Bei den meisten heutigen politischen Auseinandersetzungen geht es nicht darum, die Bedürfnisse des Volkes gegen eine reaktionäre Elite durchzusetzen, so wie es z.T. noch um 1970 war, sondern es geht darum, daß eine neue 'grüne' Elite sich gegen die alte durchsetzen will und dabei auch recht erfolgreich ist. Dementsprechend werden die Grünen von den meisten ihrer Wähler, ja sogar von vielen halbwegs gebildeten Nichtwählern noch immer für besonders sozial, ja sogar 'links' gehalten - so daß alles, was sie politisch anstreben, als dem Zusammenleben der Menschen förderlich gilt: und dazu zählen auch die absoluten Rauchverbote. Was die Grünen, die SPD und die Linkspartei fordern, kann doch gar nicht schlecht und gar nicht antisozial sein, gelle? Ihr Engaement für die Schulreform hat es doch gezeigt, gelle?

Darauf sollte keiner hereinfallen. Letztlich liegt der Forderung nach einer sechsjährigen Primarschule für alle und der Abschaffung des Elternwahlrechts das gleiche Menschenbild zugrunde wie den Rauchverboten. Nicht mehr die Bürger selbst, sondern Experten sollen darüber entscheiden, was gut für sie und ihre Kinder ist. Experten halten es für richtig, Kinder, die gut lesen und schreiben können und begabt und lernbegierig sind (das gilt nicht allemal die Sprößlinge der Mittelschicht!), sechs Jahre lang mit Analphabeten und ADHS-Kindern in den gleichen Schulen und Lerngruppen zusammenzupferchen; und Experten halten es für richtig, alle ausgehfreudigen Erwachsenen in die gleichen sterilen Restaurants, Diskotheken und Kneipen hineinzuzwingen. Wer ihnen entgegenhält, daß die Menschen unterschiedlich seien und auf diese Bedürfnisse innerhalb wie außerhalb der Schule eingegangen werden müsse, der wird heute mal als 'elitär' diffamiert, mal als 'prollig' - je nachdem, wie's gerade paßt. Als 'sozial' hingegen gilt jeder, der alles nachbetet, was die LOHAS quer durch alle Parteien uns predigen und was letztlich dem Ziel dient, die Masse der Menschen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft einander gleich zu machen, damit sich einige wenige Reiche (ob Angehörige des alten Geldadels oder Emporkömmlinge) ungestört ihrer ganz besonderen Gleichheit erfreuen können.
« Zuletzt geändert: 19.07.10 um 10:41:03 von Quirinus »  
Zum Seitenanfang
 
IP gespeichert
 
xila
Advanced Member
*****
Offline


... hat meistens recht
;)

Beiträge: 4.006
Mitglied seit: 15.10.07
Re: ÖDP Hamburg startet Volksinitiative
Antwort #55 - 19.07.10 um 07:54:55
Beitrag drucken  
58 zu 42 Prozent, das war fast genauso deutlich wie beim Volksentscheid in Bayern. Auch die Wahlbeteiligung lag mit 39 Prozent nicht viel höher. Daß eine elitär orientierte Bewegung sich durchgesetzt hat, ist an der Wahlbeteiligung der einzelnen Stadtbezirke mühelos zu erkennen.

http://statistik-nord.de/fileadmin/maps/referendum_hh_2010/atlas.html

War das in Bayern womöglich genauso? Und bedeutet das, Volksentscheide sorgen generell eher für eine Durchsetzung der Interessen elitärer Minderheiten, weil diese ihrem politischen Willen einfach eher Ausdruck verleihen?

Für einen eventuellen Volksentscheid über das Rauchverbot in Hamburg sollte eine Gegenkampagne sehr genau und mit Berücksichtigung dieser Tatsache geplant werden. Es ist offensichtlich so, daß die Verliererseite beim bayerischen Volksentscheid mit den Mitteln für die "politisch Aktiven und Interessierten" von vornherein schwerer mobilisierbar war. Es müssen wohl generelle verstärkt andere Mittel gesucht werden, um eine Dominanz der Eliten durch Volksentscheide verhindern zu können.

Von der Sache her tut es mir eigentlich leid, daß dieser Volksentscheid so ausgegangen ist. Aber den Grünen gönne ich den Reinfall natürlich schon, und lehrreich war die Sache außerdem auch.
  

As the mathematician Ian Stewart points out in “Do Dice Play God?” (Basic), the average person has one breast and one testicle.
Zum Seitenanfang
 
IP gespeichert
 
Seitenindex umschalten Seiten: 1 2 3 [4] 5 6 ... 8
Thema versendenDrucken
 
Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass diese Seite Cookies verwendet.    Hier erfahren Sie mehr zum Datenschutz OK