Normales Thema Einige Gedanken zum Begriff "Nichtraucher" (Gelesen: 159 mal)
perle
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Re: Einige Gedanken zum Begriff "Nichtraucher"
Antwort #3 - 01.08.10 um 15:30:36
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Coma_Black schrieb on 01.08.10 um 15:27:40:
Mit dem Sexverbot wären wir dann wieder bei der Arterhaltung angelangt, bzw. an einem Punkt, wo der "vernünftige" Egoismus sich in sein Gegenteil verkehrt.


würde aber bestimmte spielarten öko-esoterisch grün angehauchter kreise sehr entgegegnkommen, die im verschwinden der menscheit die einzige rettung für den planete erde sehen.

diese kräfte sind sehr stark vertreten und nutzen die klimahysterie zur verbreitung ihrer forderungen.

  

das licht am ende des tunnels könnte auch ein idiot mit einer kerze sein
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Coma_Black
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Re: Einige Gedanken zum Begriff "Nichtraucher"
Antwort #2 - 01.08.10 um 15:27:40
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Mit dem Sexverbot wären wir dann wieder bei der Arterhaltung angelangt, bzw. an einem Punkt, wo der "vernünftige" Egoismus sich in sein Gegenteil verkehrt.

Das erinnert mich jetzt an so eine pietistische Sekte, die irgendwann in der frühen Neuzeit nach Amerika ausgewandert und dort aufgrund von Abstinenz ausgestorben ist.  Laut lachend
  
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perle
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Re: Einige Gedanken zum Begriff "Nichtraucher"
Antwort #1 - 01.08.10 um 15:23:42
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Quote:
In logischer Konsequenz müsste sich der Nichtraucher daher ein neues Betätigungsfeld suchen. Alkohol, Zucker, Koffein, fettes Essen stehen daher nicht zufällig bereits auf der Agenda der Bessermenschen.
Treiben wir dieses Spiel bis in die letzte Konsequenz, so bleibt irgendwann nur noch die völlige Ablehnung und Verneinung der Welt - einschließlich des eigenen Selbst. Gegen etwas zu sein, "anti" zu sein ist daher nicht nur destruktiv (wie die Gastronomieeinbußen in Staaten mit Rauchverboten belegen), sondern in letzter Konsequenz selbstzerstörerisch.


ich denke eher, daß es primär um das "dagegen sein" geht. hätte man zufälligerweise begonnen, nicht das rauchen auf die agenda zu setzen, sondern fastfood oder "ungesundes" essen, hätte ein herr frankenberger halt dazu ein VE gestartet.

und so, wie er aus teilweise dubiosen quellen seine stimmen gewonnen hat, dürfte er aus ähnlich dubiosen quellen seine zustimmung für ein VE gegen fastfood beziehen können.

wer nicht mehr ausgeht, und/oder keinerleie gelegenhat hat fastfood (gleich welcher art) zu konsumieren, hat gar kein problem damit, etwas zu verbieten.

und die antis haben sich doch schon längst die von dir genannten betätigungsfelder gesucht. einfach weil sie nicht davon lassen können, anderen menschen ihren lebensstil aufprägen zu wollen. ich fände es auch toll, wenn bei bestimmten menschen alle meiner meinung wären, nur leider ist das leben nicht so.

und wenn die themen, tabak, alkohol, fett, fleisch, zucker, salz, koffein abgearbeitet, sprich verboten sind, stören dann vielleicht die verschiedensten spielarten der körperlichen liebe. insbesondere dann, wenn man selbst keinen sex mehr hat (aus welchen gründen auch immer) ist das ein höchst wichtiger grund, allen anderen ebenfalls eine sexfreie lebensweise vorschreiben zu wollen. oder aber nur bestimmte spielarten der körperlichen liebe zu gestatten, bzw. zu verbieten.

« Zuletzt geändert: 01.08.10 um 15:25:17 von perle »  

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Coma_Black
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Einige Gedanken zum Begriff "Nichtraucher"
01.08.10 um 15:03:52
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Mit dem Begriff "Nichtraucher" definiert sich der Nichtraucher durch etwas, das er nicht tut.
Dahinter mag zunächst der Versuch stecken, sich in eine moralisch überlegene Position zu rangieren durch die bloße Tatsache, daß man eine angeblich verwerfliche Handlung unterläßt.
Problematisch daran ist allerdings, daß man als Nichtraucher seinen Widerpart, den Raucher, niemals loswerden kann - im Gegenteil braucht man ihn geradezu als Anschauungsmaterial und Negativbeispiel. Schon in sofern ist der Kampf gegen das Rauchen ein Widerspruch in sich, da umgekehrt erst das Rauchen den Nichtraucher legitimiert.
Ein in Polaritäten eingeteiltes Denkmodell würde in sich zusammenfallen, sobald einer der beiden konträren Gegensätze aufhören würde zu existieren. Insofern wäre der Nichtraucher in einer rauchfreien Welt nichts besonderes, geschweige denn etwas moralisch höherwertiges.
In logischer Konsequenz müsste sich der Nichtraucher daher ein neues Betätigungsfeld suchen. Alkohol, Zucker, Koffein, fettes Essen stehen daher nicht zufällig bereits auf der Agenda der Bessermenschen.
Treiben wir dieses Spiel bis in die letzte Konsequenz, so bleibt irgendwann nur noch die völlige Ablehnung und Verneinung der Welt - einschließlich des eigenen Selbst. Gegen etwas zu sein, "anti" zu sein ist daher nicht nur destruktiv (wie die Gastronomieeinbußen in Staaten mit Rauchverboten belegen), sondern in letzter Konsequenz selbstzerstörerisch. Und das, wo doch ständig der Wunsch nach Gesundheit, also die Selbsterhaltung in den Vordergrund gestellt wird.
Die Argumentation um die Vernünftigkeit des Nichtrauchens und den angeblichen Egoismus der Raucher wird auf diese Weise ebenfalls ad absurdum geführt. Vernünftig sind Gesunderhaltung, Selbsterhaltung, Arterhaltung (darum die Betonung der angeblichen Gefahren für Kinder), mit einem Wort: vernünftig ist Egoismus! Und aus diesem Egoismus heraus fordert man von den Rauchern Anpassung und Sich-Fügen.
Nichts anderes als rücksichtsloser Egoismus wirft sich das Mäntelchen des moralisch Überlegenen über und erdreistet sich, andere als asozial zu brandmarken!

Genuß bedeutet, sich an etwas anderes zu verlieren, gewissermaßen einen Rückfall in vorzivilisatorische Verhaltensmuster, weshalb er der Vernunft von je verdächtig war. Die Selbstvergessenheit des Genießenden wird im Sanitarismus zu einer Selbstgefährdung umgedeutet - zu etwas Schädlichem. Schon Augustinus deutete Mangelhaftes und Schädliches als "das Böse" und dieser einfältigen Sichtweise haben wir es zu verdanken, daß der unvernünftige Selbstgefährder, der Frevler am Selbsterhaltungstrieb, zu "dem Bösen" wird, wohingegen der abstinente Egoist für sich beansprucht, zu den "Guten" zu gehören.

Da die "Guten" allerdings insgeheim wissen, daß sie für ihr Selbstverständnis immer die "Bösen" brauchen, ist auch nach Einführung von Rauchverboten keineswegs zu erwarten, daß Ruhe einkehren wird. Überall erspähen sie neue Anzeichen des Übels. Sie krabbeln wie Siggi Ermer unter Parkbänken herum auf der Suche nach weggeworfenen Kippen. Sie steigen den Rauchern auf ihre Balkone nach. Sie werden sich früher oder später auch Zutritt zu geschlossenen Gesellschaften erzwingen und in fremder Leute Wohnungen hineinschnüffeln, wenn sie niemand stoppt. Daß sie auf diese Weise neben ihrem verdrängten Sadismus (Kontrolle, Bevormundung) auch ihren Masochismus zur Schau stellen, eine Art Selbstgeißelung durch das zwanghafte Aufsuchen von Orten, an denen geraucht wird, dürfte ihnen gar nicht bewußt sein.

Die "Vernunft" der Nichtraucher, ihre schlaue Selbsterhaltung ist daher lediglich eine dünne Rationalisierung höchst Widersinniger Verhaltensweisen - eine pseudorationale Verklärung des eigenen inhärenten Selbsthasses, der sich u. a. auch in exzessivem Treiben von Ausdauersport und anderen angeblich sinnvollen Tätigkeiten der Gesundheitler zeigt. Im Grunde genommen sind wir Raucher ihre besten Freunde, denn nur wir halten sie am Leben.

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Dies gilt übrigens nicht für jene Nichtraucher, die einfach nur nicht rauchen und die, wie der Volksentscheid in Bayern gezeigt hat, gar kein Interesse an der Debatte haben, weil sie geistig über ein kindisches Schwarz-Weiß-Denken hinausgewachsen sind.
« Zuletzt geändert: 01.08.10 um 15:23:02 von Coma_Black »  
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