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Heißes Thema (mehr als 10 Antworten) Gender-Neusprech (Gelesen: 1.997 mal)
Martella
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Reality.sys is corrupted!
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Gender-Neusprech
03.10.10 um 18:17:41
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Vergangenen Freitag habe ich mir die Jahrestagung der Fachgruppe UBIT (Unternehmensberatung und Informationstechnologie) gegeben. Zum 15-Jahr-Jubiläum meiner Gewerbeberechtigung dachte ich mir, lässt du dich endlich einmal dort blicken.

Ich hätte es unterlassen sollen. Die im März neugewählte Führung legte ein Budget fürs nächste Jahr vor, dass von den anwesenden Buchhaltern (die gehören auch zu uns) in der Luft zerissen wurde. Von sechs Anträgen wurden vier gleich rundweg abgelehnt. Für die Präsentation wiedrum war ein junger Mann Mitte 20 verantwortlich, der er schaffte, in die Folien eine ganze Reihe Rechtschreib- und Satzfehler einzubauen, die die automatische Rechtschreibprüfung problemlos gefunden hätte. Benutzen hätte er sie halt schon müssen.

Endgültig gefragt, ob ich was falsches geraucht habe, hab ich mich aber, als ich in zwei Folien die beeindruckende Konstruktion

"Mitgliederinnen und Mitglieder"

lesen musste. Ernsthaft. Wunderschön, in weiß vor pupur Hintergrund. Ich war so perplex, dass ich nicht einmal gelacht habe. Wohlgemerkt, ich saß da nicht in einer Arbeitsgruppe "Grüne für sexismusfreie Grammatik", sondern in der Jahresversammlung des größten Fachverbandes der Wirtschaftskammer Österreichs.

Als der ganze Zirkus vorbei war, habe ich den Vorsitzenden gefragt, ob er die WKO mit solchem Gender-Unfug in der Öffentlichkeit krampfhaft lächerlich machen will. Er hat nur die Achseln gezuckt, es tue ihm ja auch weh, aber sie hätten genaue Anweisung, wie zu formulieren sei.

Ich war fassungslos. Auch wenn es in einer so großen Organisation wie der WKO eine hirntote Knallcharge gibt, die nicht weiß, dass es "DAS Mitglied" heißt: dann kapiere ich einfach nicht, wie hunderte Funktionäre den Schwachsinn widerstandslos schlucken können.
  
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evarix
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Den Dingen auf den Grund
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Re: Gender-Neusprech
Antwort #1 - 04.10.10 um 09:58:34
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Martella schrieb on 03.10.10 um 18:17:41:
Auch wenn es in einer so großen Organisation wie der WKO eine hirntote Knallcharge gibt, die nicht weiß, dass es "DAS Mitglied" heißt: dann kapiere ich einfach nicht, wie hunderte Funktionäre den Schwachsinn widerstandslos schlucken können.


Also, "Mitgliederinnen" geht gar nicht:

Da wird mir doch sprachlich glatt etwas untergejubelt, das ich gar nicht habe.

Daher Vorschlag zur Güte:

"Das Mitglied" (für den Herren)
"Das Ohneglied" (für die Dame).

Gruß

evarix
  
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Martella
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Re: Gender-Neusprech
Antwort #2 - 04.10.10 um 11:03:43
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evarix schrieb on 04.10.10 um 09:58:34:
Daher Vorschlag zur Güte:

"Das Mitglied" (für den Herren)
"Das Ohneglied" (für die Dame).

Gruß

evarix


Evarix, du verblüffst mich immer wieder.  Laut lachend An diese Interpretation habe ich noch gar nicht gedacht. Ist aber in sich schlüssig. Vielleicht sollte ich das der WKO hochoffiziell vorschlagen? Wenn sie's überhaupt kapieren....
  
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Zora
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fumar es un placer

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Re: Gender-Neusprech
Antwort #3 - 04.10.10 um 11:13:25
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Quote:
"Das Mitglied" (für den Herren)
"Das Ohneglied" (für die Dame).

Gruß

evarix


Laut lachend Laut lachend Laut lachend   großartig!
  

"Puritaner sollten zwei Feigenblätter vor den Augen tragen." (Stanislaw Lec)
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RaucherHB
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Re: Gender-Neusprech
Antwort #4 - 04.10.10 um 11:44:32
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evarix schrieb on 04.10.10 um 09:58:34:
Daher Vorschlag zur Güte:

"Das Mitglied" (für den Herren)
"Das Ohneglied" (für die Dame).



Da können selbst Transgender nicht motzen  Zwinkernd
  

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Matrix
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In tyrannos!

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Re: Gender-Neusprech
Antwort #5 - 11.10.10 um 18:30:08
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Quote:
"Das Mitglied" (für den Herren)
"Das Ohneglied" (für die Dame)


Absolut geil  Laut lachend


Quote:
Auch wenn es in einer so großen Organisation wie der WKO eine hirntote Knallcharge gibt, die nicht weiß, dass es "DAS Mitglied" heißt: dann kapiere ich einfach nicht, wie hunderte Funktionäre den Schwachsinn widerstandslos schlucken können.


Beruflich und freizeitlich-politisch bin ich in mehreren Gremien tätig, die sich - freiwillig oder gezwungenermaßen - ebenfalls mit solchem und ähnlichem Unsinn herumschlagen müssen.
Ich könnte stundenlang darüber berichten, wie sich gestandene, im Leben stehende, akademisch Gebildete und/oder lebenserfahrene Menschen kübelweise Sch**ß bieten lassen, ohne zu mucken. Weil sie innerlich schon gekündigt haben, weil sie nicht "ungut" auffallen wollen, weil sie sich ihren Teil denken und danach dann handeln, weil sie glauben, mit den Wölfen heulen zu müssen, weil...

Nur wenige getrauen sich mehr. Ich frag halt immer ein bisserl nach, dann reden eh auch die anderen...

lg
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Tu felix Austria fume
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RaucherHB
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Re: Gender-Neusprech
Antwort #6 - 19.11.12 um 21:25:54
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Das Leben des Brian läßt grüßen.....


Für das Recht auf Ansprache

Quote:
Das zurzeit im Bundesverband verwendete Binnen-I schreibt lediglich das binäre System fort. Wenn nur in klassisch sozialisierten Geschlechtsgeneralismen, wie ‘Frauen’ und Männern’ gedacht, geschrieben und geredet wird, wird schlichtweg übergangen, dass es eine Breite an Menschen gibt, die sich keinem dieser beiden Geschlechter zuordnen können oder wollen. Mit Unterstrichen (oder auch ‘Gender-Gaps’) soll die GRÜNE JUGEND einen weiteren Schritt in Richtung Gleichberechtigung gehen. Die Lücke zwischen der männlichen und der weiblichen Form und der Unterstrich, der dazwischen eingefügt wird, regen nicht nur zum Nachdenken an, sondern schaffen auch die Basis für die sprachliche Inklusion aller Menschen, egal welches Geschlecht sie haben oder haben wollen.


Also mir geht das noch nicht weit genug, bitte Tiere und Pflanzen auch mit einbeziehen. Ärgerlich

http://www.gruene-jugend.de/beschluesse/gleichberechtigung/1205571.html
« Zuletzt geändert: 19.11.12 um 21:29:58 von RaucherHB »  

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Meinrad
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Wider das tierische Abstinenzlertum
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Re: Gender-Neusprech
Antwort #7 - 20.11.12 um 18:15:16
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@Martella: finde ich gut, dass so etwas in Österreich noch ein Aufreger ist. Bei uns, fürchte ich, ist das schon vorbei. Man hätte sich vor zehn Jahren aufregen müssen.

@RaucherHB: also ehrlich ich habe ja schon gesucht, ob das nicht am Ende ein Fake der Titanic ist. Nein - die meinen das ernst.

Mal ein Gedankenexperiment: wir schließen die Augen und stellen uns Gleichberechtigung vor. Frauen schauen nicht auf Männer herab und Männer nicht auf Frauen. Schön, nicht?

Jetzt Augen wieder auf: bräuchte man in diesem Zustand Binnen-Is, transsexuelle Unterstriche oder überhaupt irgend eine dieser Verrenkungen? Antwort: nein.

   

  
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perle
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Re: Gender-Neusprech
Antwort #8 - 20.11.12 um 20:17:57
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Meinrad schrieb on 20.11.12 um 18:15:16:
Mal ein Gedankenexperiment: wir schließen die Augen und stellen uns Gleichberechtigung vor. Frauen schauen nicht auf Männer herab und Männer nicht auf Frauen. Schön, nicht?


In meinem ganzen Leben hat noch nie ein Mann auf mich herabgeblickt. Und ich auch nicht auf Männer.

Wer das aber tut, sind die Berufsemanzen, die eine Geschlechtsgenossin am liebsten vierteilen und auf dem Scheiterhaufen verbrennen möchten, wenn man ihre genderistischen Ansichten nicht teilt. Und ihre genderistischen Forderungen nicht unterstützt.

Ein Großteil des ganzen Gendergedöns kommt aus der lesbischen Ecke, und zwar aus der Ecke, in der Lesben heterosexuellen Frauen gerne unterstellen, sei seien nur deshalb nicht offen lesbisch, weil sie sich ihr Lesbischsein nicht eingestehen wollten.

Solche Töne gab es schon in den 80ern von Lesben gegenüber heterosexuellen Frauen. Das haben die Männer in der Regel aber nicht mitbekommen. Erst jetzt im Rahmen von Gendergedöns werden auch sie damit konfrontiert.
  

das licht am ende des tunnels könnte auch ein idiot mit einer kerze sein
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freiraucher
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Re: Gender-Neusprech
Antwort #9 - 20.11.12 um 21:15:29
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RaucherHB schrieb on 19.11.12 um 21:25:54:
Das Leben des Brian läßt grüßen.....

Tja, das hatte ich auch gedacht. Ich hab dieses Pamphlet ausgedruckt und in Erwartung eines Lacherfolges mit ins Cafe genommen, wo ich u.a. meine Freundin getroffen habe. Das Ergebnis war ein erbitterter Streit. Sie meinte, dass z.B. das Binnen-I ein großer Erfolg der Feministinnen sei und die zuvor ungenannte Bevölkerungsgruppe Frauen ins sprachliche Bewusstsein gebracht habe. Ihre Position zur Genderei ist noch ambivalent. Mein Einwand (einer der), das Frauenrechte nichts mit Sprache zu tun hätten, da sich die Bedeutung von Begriffen dann ändert, wenn sich die Verhältnisse ändern, konnte nicht überzeugen. Beispiel: DER Bürger mag ja in vergangenen Zeiten nur den männlichen Bürger gemeint haben. Nach der politischen Emanzipation ergäbe sich meiner Meinung nach ein Bedeutungswechsel, der die weiblichen "Bürger" einschließt, ganz von alleine, ohne das man dazu die Sprache vergewaltigen, unlesbar und ausaussprechlich machen müsste. Nicht mal diese Entgleisung "Mitliederrinnen und Mitglieder" fand sie so lächerlich wie sie ist, sondern Anlass, sich über neue sprachliche Formen Gedanken zu machen.
Fazit: entweder verkehre ich mit den falschen Leuten, oder mit uns stimmt irgendwas nicht.  Durchgedreht
  
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RaucherHB
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Re: Gender-Neusprech
Antwort #10 - 20.11.12 um 21:31:23
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Schreibweise hin oder her, die Einstellung zählt.  Ich sehe jedenfalls kein Problem eine Frau als Bürger zu bezeichnen weil diese Wortwahl für mich einfach nicht negativ besetzt ist.
Ich kaufe auch noch Negerküsse, ohne einen Gedanken zu verschwenden wer sich nun diskriminiert fühlen könnte.


« Zuletzt geändert: 20.11.12 um 21:32:24 von RaucherHB »  

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Re: Gender-Neusprech
Antwort #11 - 20.11.12 um 22:05:56
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RaucherHB schrieb on 20.11.12 um 21:31:23:
Schreibweise hin oder her, die Einstellung zählt.  Ich sehe jedenfalls kein Problem eine Frau als Bürger zu bezeichnen weil diese Wortwahl für mich einfach nicht negativ besetzt ist.
Ich kaufe auch noch Negerküsse, ohne einen Gedanken zu verschwenden wer sich nun diskriminiert fühlen könnte.



Danke für diesen Post. Der Fanatismus der Dame (darf ich das schreiben, müsste es nicht Dam_iennen heißen), spricht für sich. Doppeltplusungut.
  
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RaucherHB
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Re: Gender-Neusprech
Antwort #12 - 20.11.12 um 22:17:14
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Quote:
Der Fanatismus der Dame (darf ich das schreiben, müsste es nicht Dam_iennen heißen)


Schreib doch: Mensch mit Menstruationshintergrund  Zwinkernd
« Zuletzt geändert: 20.11.12 um 22:18:05 von RaucherHB »  

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Re: Gender-Neusprech
Antwort #13 - 20.11.12 um 22:26:44
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RaucherHB schrieb on 20.11.12 um 22:17:14:
Quote:
Der Fanatismus der Dame (darf ich das schreiben, müsste es nicht Dam_iennen heißen)


Schreib doch: Mensch mit Menstruationshintergrund  Zwinkernd

Das ist Geschlechterdiskriminierung, schäm dich! Wie kannst du nur andeuten, andere Menschen hätte womöglich abweichende Köperfunktionen.
  
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perle
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Re: Gender-Neusprech
Antwort #14 - 20.11.12 um 22:31:45
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Also als Frau empfinde ich Menschen mit "abweichenden" Körperteilen- und oder Funktionen höchst erfreulich   Augenrollen Augenrollen
  

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ChristophL
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Freier Rauch statt Rauchfrei!

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Re: Gender-Neusprech
Antwort #15 - 21.11.12 um 00:04:51
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freiraucher schrieb on 20.11.12 um 21:15:29:
RaucherHB schrieb on 19.11.12 um 21:25:54:
Das Leben des Brian läßt grüßen.....

Tja, das hatte ich auch gedacht. Ich hab dieses Pamphlet ausgedruckt und in Erwartung eines Lacherfolges mit ins Cafe genommen, wo ich u.a. meine Freundin getroffen habe. Das Ergebnis war ein erbitterter Streit. Sie meinte, dass z.B. das Binnen-I ein großer Erfolg der Feministinnen sei und die zuvor ungenannte Bevölkerungsgruppe Frauen ins sprachliche Bewusstsein gebracht habe. Ihre Position zur Genderei ist noch ambivalent. Mein Einwand (einer der), das Frauenrechte nichts mit Sprache zu tun hätten, da sich die Bedeutung von Begriffen dann ändert, wenn sich die Verhältnisse ändern, konnte nicht überzeugen.


Du vertrittst da sozusagen die materialistische Sicht, während ich eher beim kulturellen Ansatz deiner Freundin bin. Sprache beeinflusst in das Denken, in die eine oder andere Richtung. Man denke an Begriffe wie "Sucht", "Qualm", "Nichtraucherschutz", "Jugendschutz" oder die Antis, die auf Tabakpackungen lieber das schweizerische "Rauchen ist tödlich" als das deutsche "Rauchen kann tödlich sein" sehen wollen.
Was im konkreten Beispiel die Mitnennung von Geschlechtern angeht, hatten sich BRD und DDR auseinanderentwickelt: Während im Osten der Baggerführer auch sprachlich geschlechtsneutral war (ähnlich wie im Englischen), hat sich in Westen die Differenzierung dieser ganzen Bezeichnungen in männliche und weibliche Formen herausgebildet. So war vor 25 Jahren Rita Süßmuth Bundesministerin für Gesundheit und Margot Honecker Minister für Volksbildung. Und das galt für die Alltagsfrauen hüben wie drüben meist entsprechend.
Dies führt dazu, dass in der quantitativ dominierenden Sprachgewöhnung männliche und weibliche Pluralformen bestehen, und das Nennen einer männlichen Form "die Bürger" Frauen nicht automatisch "mitmeint", sondern sowohl eine Anzahl männlicher Bürger als auch gemischtgeschlechtliche Bürger gemeint sein können. Da ist das BürgerInnen oder Bürger/-innen oder Bürger_innen tatsächlich sprachlich präziser.
Mit dem "unaugesprochenen Mitmeinen" ist das eh so eine Sache. Wir sollten ja in unserem Beritt auch vermeiden zu sagen "Wir wollen, dass man auch in Innenräumen seine Zigarette rauchen kann", dann hat man nämlich die Zigarre und die Pfeife zwar mitgemeint, aber leider verschwiegen.
Eine Lösung für das Problem hat allerdings unser geschätzter Mitstreiter und gelegentlicher Mitforist Zé do Rock parat, und  zwar bei seinem Ultradoitsh:



ab 7:00, ich empfehle aber für den Kontext und die Genderfrage ein Anschauen ab 5:43 (oder gleich das ganze Video und die beiden davor auch)


« Zuletzt geändert: 21.11.12 um 00:06:57 von ChristophL »  
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Martella
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Re: Gender-Neusprech
Antwort #16 - 21.11.12 um 20:28:04
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@ChristophL Völlig richtig. In der DDR waren die Frauen beruflich überall anzutreffen: im Bagger, im Turmkran und im Bergbau, ganz ohne weibliche Berufsbezeichnung. Und was werden die Weiber in der aktuell gegenderten Welt? Genderbeauftragte und Modeberaterin. Ohne diese Bewusstseinsänderung wäre die Menschheit besser dran.
  
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Dies ist durchaus ein
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Re: Gender-Neusprech
Antwort #17 - 22.12.12 um 10:04:07
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ChristophL schrieb on 21.11.12 um 00:04:51:
Du vertrittst da sozusagen die materialistische Sicht, während ich eher beim kulturellen Ansatz deiner Freundin bin. Sprache beeinflusst in das Denken, in die eine oder andere Richtung. Man denke an Begriffe wie "Sucht", "Qualm", "Nichtraucherschutz", "Jugendschutz" oder die Antis, die auf Tabakpackungen lieber das schweizerische "Rauchen ist tödlich" als das deutsche "Rauchen kann tödlich sein" sehen wollen.




Ich bin nicht überzeugt, dass Sprache das Denken beeinflusst - eher beeinflusst die "political correctness" die Benutzung der Sprache in der Öffentlichkeit, das Denken kann aber durchaus weiterhin "alten Mustern" folgen. Aber die Gesellschaftsverbesserer sind ja oft auch damit zufrieden.

Wie dem auch sei, wenn es darum geht Begriffe zu besetzen wie "Sucht", "Qualm", "Nichtraucherschutz" u.s.w., dann können wir das auch mitmachen -
Volkserzieher, Zwangsbeglücker, Verbotssüchtige, Prohibitionisten, Gesundheitsdiktatur, Spießer und ähnliches kann in der öffentlichen Diskussion hilfreich sein...
  
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xila
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... hat meistens recht
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Re: Gender-Neusprech
Antwort #18 - 22.12.12 um 10:12:30
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Querkopf schrieb on 22.12.12 um 10:04:07:
ChristophL schrieb on 21.11.12 um 00:04:51:
Du vertrittst da sozusagen die materialistische Sicht, während ich eher beim kulturellen Ansatz deiner Freundin bin. Sprache beeinflusst in das Denken, in die eine oder andere Richtung. Man denke an Begriffe wie "Sucht", "Qualm", "Nichtraucherschutz", "Jugendschutz" oder die Antis, die auf Tabakpackungen lieber das schweizerische "Rauchen ist tödlich" als das deutsche "Rauchen kann tödlich sein" sehen wollen.




Ich bin nicht überzeugt, dass Sprache das Denken beeinflusst - eher beeinflusst die "political correctness" die Benutzung der Sprache in der Öffentlichkeit, das Denken kann aber durchaus weiterhin "alten Mustern" folgen. Aber die Gesellschaftsverbesserer sind ja oft auch damit zufrieden.

Wie dem auch sei, wenn es darum geht Begriffe zu besetzen wie "Sucht", "Qualm", "Nichtraucherschutz" u.s.w., dann können wir das auch mitmachen -
Volkserzieher, Zwangsbeglücker, Verbotssüchtige, Prohibitionisten, Gesundheitsdiktatur, Spießer und ähnliches kann in der öffentlichen Diskussion hilfreich sein...


Lies Victor Klemperers "LTI" (Lingua Tertii Imperii) oder, noch besser, seine Tagebücher. Er hat jahrelang live mitverfolgt, wie die Sprache das Denken beeinflußt hat. Sogar sein eigenes, obwohl er sich der Sache, die da ablief, viel bewußter war als fast  jeder andere.

  

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Querkopf
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Dies ist durchaus ein
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Re: Gender-Neusprech
Antwort #19 - 25.02.16 um 06:06:04
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Es hat ja doch etwas gedauert, bis sich die Sprachverbesserer der aktuellen Flüchtlingskrise angenommen haben - jetzt kommt die Sache aber ins Rollen:

"Sprachforscherin Elisabeth Wehling: Das Wort "Flüchtlinge" wertet Menschen ab"

http://www.zeit.de/vorabmeldungen/neu-in-der-aktuellen-zeit/seite-2

Sprachverbesserung und Gender-Neusprech gehen Hand in Hand:

Quote:
Das Wort "Flüchtlinge" werte Menschen ab, sagt Wehling: "Die Endung ‚-ling’ macht diese Menschen klein und wertet sie ab." Da ‚der’ Flüchtling zudem männlich sei, würden männliche Merkmale betont, man denke automatisch eher an stark und agressiv als an hilfsbedürftig. Wehling plädiert dafür, besser von Flüchtenden zu sprechen, "dem flüchtenden Mann, der flüchtenden Frau, dem flüchtenden Kind".


"Das wäre ein große Leistung. Die würde das Vertrauen in die Medien wieder stärken."  Laut lachend
  
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Re: Gender-Neusprech
Antwort #20 - 25.02.16 um 06:20:25
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Querkopf schrieb on 25.02.16 um 06:06:04:
Es hat ja doch etwas gedauert, bis sich die Sprachverbesserer der aktuellen Flüchtlingskrise angenommen haben - jetzt kommt die Sache aber ins Rollen:

"Sprachforscherin Elisabeth Wehling: Das Wort "Flüchtlinge" wertet Menschen ab"

http://www.zeit.de/vorabmeldungen/neu-in-der-aktuellen-zeit/seite-2

Sprachverbesserung und Gender-Neusprech gehen Hand in Hand:

Quote:
Das Wort "Flüchtlinge" werte Menschen ab, sagt Wehling: "Die Endung ‚-ling’ macht diese Menschen klein und wertet sie ab." Da ‚der’ Flüchtling zudem männlich sei, würden männliche Merkmale betont, man denke automatisch eher an stark und agressiv als an hilfsbedürftig. Wehling plädiert dafür, besser von Flüchtenden zu sprechen, "dem flüchtenden Mann, der flüchtenden Frau, dem flüchtenden Kind".


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Re: Gender-Neusprech
Antwort #21 - 25.02.16 um 07:03:06
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Das haben wir noch gebraucht  Augenrollen

"Raucher" wertet auch ab, aber das juckt kein Schwein. Das sagt nämlich aus, dass eine männliche Person den ganzen Tag Rauch erzeugt (wenn die Zigarette aus ist, ist diese Person ja zeitweise Nichtraucher). Da könnte man ein "temporär rauchende Mitbürgerinnen und Mitbürger" daraus machen.
  

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Re: Gender-Neusprech
Antwort #22 - 25.02.16 um 16:21:45
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Querkopf schrieb on 25.02.16 um 06:06:04:
Es hat ja doch etwas gedauert, bis sich die Sprachverbesserer der aktuellen Flüchtlingskrise angenommen haben - jetzt kommt die Sache aber ins Rollen:

"Sprachforscherin Elisabeth Wehling: Das Wort "Flüchtlinge" wertet Menschen ab"

http://www.zeit.de/vorabmeldungen/neu-in-der-aktuellen-zeit/seite-2

Sprachverbesserung und Gender-Neusprech gehen Hand in Hand:

Quote:
Das Wort "Flüchtlinge" werte Menschen ab, sagt Wehling: "Die Endung ‚-ling’ macht diese Menschen klein und wertet sie ab." Da ‚der’ Flüchtling zudem männlich sei, würden männliche Merkmale betont, man denke automatisch eher an stark und agressiv als an hilfsbedürftig. Wehling plädiert dafür, besser von Flüchtenden zu sprechen, "dem flüchtenden Mann, der flüchtenden Frau, dem flüchtenden Kind".




Frau Wehling geht offenbar von sich selbst aus. Ich empfehle ihr, ihren Namen ändern zu lassen, der ist nämlich noch viel abwertender als "Flüchtling".

  

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Re: Gender-Neusprech
Antwort #23 - 25.02.16 um 16:39:34
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xila schrieb on 25.02.16 um 16:21:45:
Ich empfehle ihr, ihren Namen ändern zu lassen ...


Was dann vermutlich auf das Weichei rausläuft, weil eben nicht stark und aggressiv, sondern eben, naja und genderneutral.
  

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Re: Gender-Neusprech
Antwort #24 - 26.02.16 um 21:57:55
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Die haben doch nicht mehr alle Latten am Zaun  Durchgedreht

  

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Corona zeigt den Nichtlern
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Re: Gender-Neusprech
Antwort #25 - 12.08.20 um 21:28:26
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Martella schrieb on 03.10.10 um 18:17:41:
dass es "DAS Mitglied" heißt:

Etwas hierzu. Ich selbst bin kein 100% Gegner, was die deutsche Sprache mit Sinn betrifft, doch reagiere ich sehr allergisch bei "Dummfug". Dummfug ist, man weiß, es ist falsch und tut es auf Befehl trotzdem.

Gender selbst spreche ich nicht und schreiben tu ich es auch nicht. Wenn mir der Stolperstein begegnet, dann umgehe ich ihn. Das macht etwas Arbeit, doch es ist möglich. Verräter der deutschen Sprache sind jene, die englisch im Deutschen quasseln (z.B. Mittwoch haben wir ein "Meeting")

Die drei antisprachlichen Schwestern - Genderia, Denglisea und Polithea - zerhöhlen unsere Sprache, blockieren ihre Tiefe mit dem einen Ziel, unsere Sprache zu vernichten.

Denn, wenn ich eines Tages keine Energie mehr habe, mich gegen den Dummfug zu wehren, dann werde ich wohl Latein lernen. Das deshalb, weil es keine Lateiner als Menschengruppe mehr gibt und somit keine noch lebenden Menschen bevorteilt sind, außer einige Wissenschaftler, fern dem Alltag.

Die Strichworte, ich bin noch nie auf den Strich gegangen, werde ich jedenfalls selbst per Androhung nicht nutzen.

Das Mitglied ist deshalb "das", weil das "Glied" hinten "das" ist. Es ist schon "Gender" und Mitglieder sind daher bereits männlich und weiblich gemeinsam sächlich wie früher als Kind/Kinder oder sollen wir da auch "Liebe Kinder und Kinderinnen" schreiben? Oder noch zerstörerischer: Lieber/e KindIn
  

War früher alles besser? Nein! Doch früher gab es Möglichkeiten, die es heute nicht mehr gibt.
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