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Heißes Thema (mehr als 10 Antworten) Chef will sofort kündigen, wenn er uns erwischt.... (Gelesen: 491 mal)
Werner Paul
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Leben und leben lassen

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Re: Chef will sofort kündigen, wenn er uns erwischt....
Antwort #3 - 10.06.12 um 20:26:28
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xila schrieb on 10.06.12 um 14:11:28:
Wenn nicht, welche Gewerkschaft ist für euch zuständig? Falls von euch noch keiner Mitglied sein sollte, wäre das der richtige Anlaß, das zu ändern und dich von denen beraten lassen, wie ihr am besten weiter vorgeht.


Ja ja, die Gewerkschaften haben schon immer nur Gutes bewirkt. Das merkt man an den steigenden Mitgliederzahlen  Ärgerlich
  

Statistiken sind für Politiker wie Laternen für Säufer. Sie dienen mehr der Stütze, als der Erleuchtung.
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ChristophL
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Freier Rauch statt Rauchfrei!

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Re: Chef will sofort kündigen, wenn er uns erwischt....
Antwort #2 - 10.06.12 um 16:32:32
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Es kommt darauf an, wie viele ihr seid und wie viele davon hinreichend entschlossen sind, dagegen vorzugehen. Dass ihr euch zum Unterschreiben habt hinreißen lassen, stimmt mich nicht unbedingt optimistisch...

Ich schlage Folgendes vor:
- mit genügend Betroffenen gleichzeitig das Verbot ignorieren
- einen oder mehreren von euch zu Sprecher/-innen in dieser Angelegenheit ernennen und den Chef an diese verweisen, keine individuellen Verhandlungen, sondern nur durch diese Sprecher/-innen
- Protest gegenüber einem Entscheidungsgremium der Genossenschaft bzw. den sie tragenden Genossen schriftlich artikulieren
Im Falle von Konsequenzen seitens des Chefs
- vors Arbeitsgericht gehen
- die örtlichen Medien informieren, den Chef bzw. die Genossenschaft durch 'schlechte Presse' unter Druck setzen
- mit genügend Leuten gleichzeitig durch Krankmeldungen, Bummelstreik, Kündigungsdrohung Ärger machen
Dann wird die Position des Chefs nicht lange haltbar sein.

Gewerkschaften und Anwälte konsultieren: ja, aber sich nicht von denen zu einem defensiven Vorgehen überreden lassen.
So habe z.B. ich nach dem oben ausgeführten Vorgehen mal einen Mietzahlungsstreik eines Studentenwohnheims gegen ein Studentenwerk im Ausland mitorganisiert (gegen eingeholten Rechtsrat), das führte zu einem akzeptablen Kompromiss und der Bewohnerausschuss wurde als Kraft, mit der man rechnen muss, anerkannt.
Grundsätzlich gilt: Wer Angst zeigt, hat verloren. Wer Stärke zeigt, erreicht manchmal mehr als gedacht.
« Zuletzt geändert: 10.06.12 um 16:36:27 von ChristophL »  
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xila
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... hat meistens recht
;)

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Re: Chef will sofort kündigen, wenn er uns erwischt....
Antwort #1 - 10.06.12 um 14:11:28
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Hallo Vicky,

arbeitsrechtlich ist das nicht zulässig, zumal ohnehin vor der Entlassung erst einmal eine Abmahnung erfolgen müßte. Aber darüber hinaus ist auch ein Rauchverbot auf dem gesamten Betriebsgelände - auch im Freien - generell nicht zulässig.

Quote:
II. Erlass eines Rauchverbots im Betrieb – Wann ist es zulässig?

Ein Rauchverbot zum Schutz der Nichtraucher kann der Arbeitgeber nur unter Beachtung der Mitbestimmung des Betriebsrats (soweit vorhanden) für alle Betriebsräume erlassen, soweit nicht in Ausnahmefällen höherrangige Rechtsnormen oder behördliche Auflagen unmittelbar ein Rauchverbot fordern.

Der Arbeitgeber und der Betriebsrat sind allerdings nicht befugt, ein Rauchverbot mit der Zielsetzung zu vereinbaren, Arbeitnehmer von gesundheitsschädlichen Gewohnheiten abzubringen, weil sie damit ihre Regelungskompetenz überschreiten würden (vgl. hierzu Bundesarbeitsgericht [= BAG] – Az.: 1 AZR 499/98 - Urteil vom 19.01.1999). Denn in den Zuständigkeitsbereich des Betriebsrats fällt nicht die Erziehung des Rauchers zum Nichtraucher, sondern der Schutz der nichtrauchenden Arbeitnehmer vor gesundheitlichen Gefährdungen und Belästigungen durch Passivrauchen.

Auch ein generelles Rauchverbot im Freien kann nicht mit dem Gesundheitsschutz der Nichtraucher begründet werden. Eine solche Betriebsvereinbarung wäre daher unwirksam.

Bei der Vereinbarung eines Rauchverbots muss der Arbeitgeber und der Betriebsrat die gem. § 75 Abs. 2 BetrVG (= Betriebsverfassungsgesetz) i.V.m. Art. 2 GG (= Grundgesetz) garantierte freie Entfaltung der Persönlichkeit aller im Betrieb beschäftigten Arbeitnehmer, also sowohl der Raucher als auch der Nichtraucher, beachten. Denn das Bundesarbeitsgericht hat ein Recht des Rauchers, im Betrieb dem Rauchen nachzugehen, ausdrücklich anerkannt. In dem vom Bundesarbeitsgericht entschiedenen Fall bestand auf einem Freigelände des Betriebes eine Rauchmöglichkeit, die unterbunden werden sollte.

Zu beachten ist deshalb, dass zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ein vollständiges Rauchverbot auf dem gesamten Betriebsgelände nicht vereinbart werden kann. Ein solches würde die freie Entfaltung der Persönlichkeit der Raucher gem. Art. 2 Abs. l GG verletzen und wäre unwirksam. Daher sollte der Arbeitgeber im Zweifel den Rauchern eine „Rauchgelegenheit“ bzw. „Raucherzimmer“ zur Verfügung stellen, so dass Belästigungen und Passivrauchen der Nichtraucher vermieden werden.


http://www.ra-kotz.de/rauchen2.htm

Hm. Euer großer Chef hat eindeutig seine Regelungskompetenzen überschritten. Die Frage ist, was ihr dagegen tun könnt. Es hilft euch ja nichts, daß ihr im Recht seid, falls ihr anschließend mit Schikanen von seiner Seite rechnen müßt. Eine sofortige Kündigung, wie angedroht, wäre zwar rechtsunwirksam, das heißt, der Betroffene würde vor dem Arbeitsgericht in jedem Fall recht bekommen, aber sicherlich will es keiner von euch so weit kommen lassen.

Was mir nicht ganz klar ist: Meinst du mit "großer Chef" den Vorstand der gesamten Genossenschaft? Wenn ja, müßte es ja mindestens noch einen zweiten Vorstand geben, man könnte mal herauszufinden versuchen, wie er zu der Maßnahme steht. Es geht hier immerhin ja auch um das Haftungsrisiko der Genossenschaft, etwa bei einem verlorenen Prozeß vor dem Arbeitsgericht.

Habt ihr einen Betriebsrat? Wenn nicht, welche Gewerkschaft ist für euch zuständig? Falls von euch noch keiner Mitglied sein sollte, wäre das der richtige Anlaß, das zu ändern und dich von denen beraten lassen, wie ihr am besten weiter vorgeht.




« Zuletzt geändert: 10.06.12 um 14:12:45 von xila »  

Have no respect whatsoever for authority; forget who said it and instead look what he starts with, where he ends up, and ask yourself, "Is it reasonable?" (Richard Feynman)
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vicky
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Hallo

Beiträge: 3
Mitglied seit: 08.06.12
Chef will sofort kündigen, wenn er uns erwischt....
10.06.12 um 13:19:50
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Hallo!
wir arbeiten in einer Milchviehanlage, die wiederum zu einer Genossenschaft gehört. Unser großer Chef hat uns das Rauchen im gesamten Betriebsgelände verboten und drohte mit sofortiger Entlassung beim Erwischt werden. Unser Team besteht zu über 50% aus Rauchern. Wir hatten einen Raucherraum und eine Insel draußen. Nun haben wir das nicht mehr Griesgrämig Zum verlassen des Betriebsgeländes müssen wir 200m laufen....
Darf er das, jemanden sofort entlassen beim Erwischt werden? Wir mussten das auch unterschreiben, wir wollten das erst verweigern, aber da kam wieder die Drohung...
Wir qualmen nämlich gerne mal beim Saubermachen, keiner würde die Milch verunreinigen oder den Strohbergeraum anzünden Zwinkernd
Ich habe schon mal eine Abmahnung kassiert, weil der lehrling während der Arbeit geraucht hatte. Ich selbst habe es gar nicht mitbekommen und das Mädel ist über 18.

Wir fühlen uns ziemlich diskriminiert! Zumal wir andere Probleme haben als das bissel Rauchen....
*Edit* Das mit dem Unterschreiben: Da hat er schön jeden einzelnen "besucht".....
« Zuletzt geändert: 10.06.12 um 13:22:05 von vicky »  
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