Normales Thema Szene München / Stadt der Verbote (Gelesen: 405 mal)
Tegel
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Szene München / Stadt der Verbote
20.06.12 um 05:50:14
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Die SD und so eine Kolumne...erstaunlich. Aber es trifft scheinbar auf den Punkt.

Auszüge:

Besonders laut beschreit sie ihre Gastfreundschaft und Gemütlichkeit. Aber, wie so oft im Leben: Wer am lautesten schreit, hat nicht automatisch recht.


Ach, München. Erst wenn die letzte Bar geschlossen, der letzte Platz geräumt und das letzte Lachen nach 23 Uhr verboten wurde, wirst du merken, dass man so keine Weltstadt mit Herz bleibt - und dass "München mag dich" einfach nur gelogen ist.

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/szene-muenchen-stadt-der-verbote-1.1381918
  

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shadu
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MaryLong I smoke you

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Re: Szene München / Stadt der Verbote
Antwort #1 - 20.06.12 um 09:44:04
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Ein sehr guter Leserkommentar dazu.

Ich glaube ich werde einen grossen Bogen um München machen.

egartenaugust schreibt Drogenkontrolle im Paradies
Gerade mit dem Zug aus Berlin daheim angekommen, gerät August am Hauptbahnhof in eine Personenkontrolle der Münchner Polizei. Es ist beileibe nicht die erste in seinem Leben. Wie man sich in so einer Situation fühlt und wie spürbar plötzlich die Fallhöhe zwischen dem freigeistigen Berlin und der engstirnigen bayerischen Landeshauptstadt wird, hat er für uns zusammengefasst.

Es beginnt immer mit dem gleichen Spruch: "Tschuldigung! Bleim‘s amal stehn! Kriminalpolizei. Personenkontrolle. Ihren Ausweis, bitte!" Eigentlich gibt es keinen Grund nervös zu werden, du hast nichts Verbotenes getan. Aber du bist sofort du aufgeregt und fühlst dich schuldig. Du friemelst deinen Perso aus dem Geldbeutel und einer der Polizisten buchstabiert deinen Namen durch sein Funkgerät. Du spürst die neugierigen Blicke der Passanten. Hoffentlich kommt niemand vorbei, den du kennst. Der Inhalt deiner Tasche wird ausgebreitet. Hättest du das gewusst, hättest du die Kaugummipapierl und die Bierkorken mal entsorgt. Jetzt stehst du da wie ein Messi mit einem Alkoholproblem. Der ganze Kleinkram, den du bei dir trägst, erscheint unter den kritischen Blicken der Beamten plötzlich in einem ganz anderen Licht. Alles könnte ein potentielles Utensil für das Aufbewahren oder Verarbeiten von Drogen sein. Dann musst du dich ausziehen und dabei Fragen beantworten: "Haben Sie schon mal was mit Drogen zu tun gehabt?", "Haben Sie Waffen oder spitze Gegenstände bei sich?", "Rauchen Sie?". Sie mustern dich und sagen Dinge wie: "Sie haben aber ganz schön rote Augen!" oder "Warum sind Sie denn so blass?" Gerade warst du noch ein durchschnittlicher Passant, jetzt bist du auf einmal ein Kind vom Bahnhof Zoo. Manchmal merkst du, dass es den Polizisten auch unangenehm ist. Du versuchst ruhig zu bleiben und nicht sauer zu werden, denn sie machen ja schließlich auch nur ihren Job. Außerdem haben sie in ihrer Ausbildung gelernt, wie man mit dir umgeht. "Hat's in Berlin auch die ganze Zeit geregnet?" – ein bisschen Smalltalk um die Situation zu entschärfen. Für dich macht die Frage aber gerade alles noch schlimmer, sie klingt wie Hohn. Du ringst dir eine knappe Antwort ab, aber du kannst mit jemandem, der in seine Hand in deiner Hosentasche hat und ungefragt das Foto deiner Freundin im deinem Geldbeutel begutachtet jetzt einfach nicht entspannt über‘s Wetter plaudern. Sorry. Irgendwann hat die Prozedur ein Ende. Erbärmlich kniest du am Boden vor den Polizisten und stopfst dein Zeug wieder in die Tasche. Du willst einfach nur weg. Die Beamten verabschieden sich und hinterlassen dich mit einem schrecklichen Gefühl der Leere.

Du versuchst dich wieder aufzuraffen und aus der Opferhaltung zu kommen, aber es will dir nicht gelingen. Du schämst dich für deine Kappe, deinen Beutel oder ein sonstiges Accessoire, das du trägst. Für das Kleidungsstuck, das dich auffällig gemacht hat und das dich in ihr Raster hat fallen lassen. Und du hast nicht die geringste Lust, dass dir das nochmal passiert. Du möchtest nicht jedes Mal einen Adrenalin-Kick kriegen, wenn du Polizisten an der U-Bahn warten siehst. Du willst nicht mehr vor aller Welt bloß gestellt werden und dich fühlen wie ein Schwerverbrecher. Mit der Zeit kommst du ins grübeln. Du überlegst, ob du dich nicht anders anziehen solltest, ob du nicht normaler und unscheinbarer werden solltest. Dann würde dir das nicht mehr passieren. Du hast es selbst in der Hand, im Endeffekt ist es deine Schuld. Wahrscheinlich ist es echt kindisch und freakig wie du rumläufst.
Aber dann erschrickst du und dir wird klar, dass das eigentliche Problem nicht bei dir, sondern in der Mentalität dieser Stadt liegt. München, die Weltstadt mit Herz, macht es einem extrem einfach wie ein völlig außer Kontrolle geratener Outlaw da zu stehen. Wenn ein Reflektor an deiner Radspeiche fehlt, werden sie dich früher oder später hart aber herzlich darauf hinweisen. Wenn du nach der Arbeit in der S-Bahn ein Bier trinkst, musst du paranoid Ausschau halten nach Bahnpolizisten, die es dir abnehmen könnten. Wenn du mit deinem Stuhl vor dem Café ein paar Zentimeter außerhalb der markierten Linie sitzt, kann’s gut sein, dass du und der Besitzer ernste Probleme kriegen.

Jetzt kann man einwenden, dass man sich doch einfach nur ordentlich aufführen muss, um keinen Ärger zu verursachen. Das stimmt, aber genau das ist der Punkt. Die Toleranzschwelle dieser Stadt ist derart gering, dass sie fast unmerklich eine natürliche Auslese betreibt.

Die Toleranzschwelle dieser Stadt ist derart gering, dass sie fast unmerklich eine natürliche Auslese betreibt. Jeder Wildwuchs, jedes Stück Freiheit wird direkt zurechtgestutzt. Das ist keine Atmosphäre für Querdenker und kreative Menschen mit neuen Ideen. Solche Leute werden früher oder später München verlassen weil ihnen der Kampf gegen diese Strenge zu anstrengend und zu blöd ist. Plötzlich fängst du auch an nachzudenken, ob du nicht auch weg solltest von hier, nach Berlin oder London, oder so. Und womöglich gehst du irgendwann wirklich weg, auch wenn du’s hier eigentlich magst. So reinigt sich diese Stadt selbst – und - alles bleibt beim Alten. Traditionell, konservativ und langweilig. Aber eben auch reich, ruhig und sicher. München ist ein Paradies - nur keins für Paradiesvögel wie dich.
  
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ChristophL
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Re: Szene München / Stadt der Verbote
Antwort #2 - 20.06.12 um 16:12:29
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shadu schrieb on 20.06.12 um 09:44:04:
Ein sehr guter Leserkommentar dazu.

Ich glaube ich werde einen grossen Bogen um München machen.


Das habe ich von Münchnern auch schon ähnlich gehört. Und Zé do Rock, der dort wohnt, spricht nicht umsonst von einer Stadt, die preußischer ist als Berlin (kein Wunder, denn zum Preußentum gehört ja auch eine gewisse Liberalität, die man in der "Hauptstadt der Bewegung" weniger findet).

  
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Teufeline
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Re: Szene München / Stadt der Verbote
Antwort #3 - 21.06.12 um 12:27:07
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Wo die Antis auftauchen herrscht eben tote Hose. Ich war letztens mal ein paar Tage in New York - eine einzige Katastrophe! Wo man hinsieht nur noch politisch korrekte Langweiler und unter der Oberfläche gärt und brodelt die Gewalttätigkeit.
  

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ChristophL
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Re: Szene München / Stadt der Verbote
Antwort #4 - 25.06.12 um 12:40:31
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Teufeline schrieb on 21.06.12 um 12:27:07:
Wo die Antis auftauchen herrscht eben tote Hose. Ich war letztens mal ein paar Tage in New York - eine einzige Katastrophe! Wo man hinsieht nur noch politisch korrekte Langweiler und unter der Oberfläche gärt und brodelt die Gewalttätigkeit.


Dazu passend:

Joe Jackson: "Berlin hat, was New York nicht hat"

Quote:
Sie leben in Berlin. Was reizt Sie an der Stadt?

Jackson: Sie bietet mehr Freiheiten als andere Städte und ist deutlich relaxter. Ich liebe das und fühle mich sehr wohl. Andere Städte wie London oder New York, wo ich auch schon gelebt habe, können mir das so nicht bieten.

  
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Re: Szene München / Stadt der Verbote
Antwort #5 - 02.07.12 um 10:05:41
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Ergänzend dazu aus einem weiteren aktuellen Interview mit Joe:

Quote:
Swingt New York anders als Berlin?

Ich will aus meiner neuen Platte kein soziogeografisches Ereignis machen. Sicher swingt Berlin anders als New York, sonst wäre ich vor ein paar Jahren nicht hierher gegangen. Es gibt hier weniger Politiker, die sich wie Kindermädchen aufführen und uns vor allem, was Spaß machen kann, behüten wollen.

Sie reden von Ihrem Engagement gegen das Antirauchgesetz?

Auch das, aber es gibt viel mehr Aspekte individueller Freiheit, die in Berlin mehr gegeben sind als in New York. Die Möglichkeiten, wie King Kong herumlaufen zu können, und dafür nicht verhaftet zu werden, sind hier größer als in New York.
[...]
Was hätte Duke Ellington wohl über das moderne Berlin gesagt?

Er war ein Charakter, der keine Grenzen akzeptierte und folglich auch nichts und niemanden ausschloss. Diesen Geist würde er im heutigen Berlin sicher eher finden als in seiner Heimat.


http://www.berliner-zeitung.de/berlin/joe-jackson-in-berlin-berlin-swingt-anders...
  
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