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Heißes Thema (mehr als 10 Antworten) Ukraine / Endgültiger Vertrauensverlust in Politik & Medien. (Gelesen: 2.654 mal)
Tegel
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Ukraine / Endgültiger Vertrauensverlust in Politik & Medien.
11.03.14 um 21:07:17
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…was wir schon damals zu unserem Thema feststellten,  nun hat auch der aufmerksame Rest der Bevölkerung  verstanden. Die Medien sind fest in der Hand von Politik und Interessensgruppen.
Das Thema Ukraine und das angestrebte Ziel  der Verblödung  mit einem „ Gut und Böse „ ist komplett nach hinten losgegangen.
Selbst ein Dirk Müller, besser bekannt zum Thema  Börse und Aktien , beschreibt es als eine
„ Gehirnwäsche durch Politik und Medien „. ( 8 Min. / 35 sec. )

http://www.cashkurs.com/kategorie/cashkurs-tv/beitrag/tagesausblick-ukraine-was-...

Meine Haltung: Mittelfinger in Richtung etablierter Politik & Medien sowie zugehörigen blinden Mitläufern. 
« Zuletzt geändert: 11.03.14 um 22:30:08 von Tegel »  

Gib " links" keine Chance.
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ChristophL
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Re: Ukraine / Endgültiger Vertrauensverlust in Politik & Medien.
Antwort #1 - 11.03.14 um 23:13:55
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Zu dem Thema auch interessant:

Quote:
Ukraine-Konflikt: Wir sind die Guten
Von Stefan Korinth


bei Novo, dort vielgelesen und -kommentiert.
  
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Zora
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fumar es un placer

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Re: Ukraine / Endgültiger Vertrauensverlust in Politik & Medien.
Antwort #2 - 12.03.14 um 08:57:32
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Guter Artikel, der vor allem nicht versucht, die Krise in der Ukraine auf eine simple Gut-Böse-Gleichung runterzubrechen, sondern genau diese Vereinfachung zum Thema macht und kritisiert. Zwei Punkte noch als Anmerkung:


Erstens: Der damals noch durchaus pro europäisch orientierte Viktor Janukowitsch hat im November 2012 in der Ukraine ein drakonisches Rauchverbot verhängt, das theoretisch sogar öffentliche Plätze einbezieht („theoretisch“ deshalb, weil sich draußen niemand dran hält).


Zweitens zur Erinnerung: Es ist der „böse Autokrat“ Putin, der Edward Snowdon Asyl und damit Schutz vor den Nachstellungen der „guten“ Amerikaner gewährt. Von den „freiheitsliebenden“ Europäern war dazu niemand bereit. Man lässt sich lieber abhören und ausspionieren von den „Freunden“ jenseits des Atlantik. Zum Kotzen!
  

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xila
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Re: Ukraine / Endgültiger Vertrauensverlust in Politik & Medien.
Antwort #3 - 12.03.14 um 15:16:18
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Zora schrieb on 12.03.14 um 08:57:32:
Guter Artikel, der vor allem nicht versucht, die Krise in der Ukraine auf eine simple Gut-Böse-Gleichung runterzubrechen, sondern genau diese Vereinfachung zum Thema macht und kritisiert. Zwei Punkte noch als Anmerkung:


Erstens: Der damals noch durchaus pro europäisch orientierte Viktor Janukowitsch hat im November 2012 in der Ukraine ein drakonisches Rauchverbot verhängt, das theoretisch sogar öffentliche Plätze einbezieht („theoretisch“ deshalb, weil sich draußen niemand dran hält).


Zweitens zur Erinnerung: Es ist der „böse Autokrat“ Putin, der Edward Snowdon Asyl und damit Schutz vor den Nachstellungen der „guten“ Amerikaner gewährt. Von den „freiheitsliebenden“ Europäern war dazu niemand bereit. Man lässt sich lieber abhören und ausspionieren von den „Freunden“ jenseits des Atlantik. Zum Kotzen!


Das russische Rauchverbot ist dir aber hoffentlich ebenfalls bekannt? Es wird stufenweise eingeführt. Diesen Sommer ist u.a. die Gastronomie dran. Und die Fernzüge. 

http://www.handelsblatt.com/politik/international/rauchverbot-russland-verbietet...

Das Thema "unverdaulicher Medieneinheitsbrei" in der Berichterstattung hat im Fall Ukraine eine besondere Note bekommen, denn die Kommentarbereiche der Medien werden in - jedenfalls von mir - bislang nicht erlebtem Ausmaß und nahezu flächendeckend, jedenfalls was die "großen" Medien betrifft, von entweder bezahlten Forumsschreibern oder vielleicht auch ehrenamtlichen Kreml-Getreuen gefüllt, die sich die offizielle Putinsche Sichtweise hundertfünfzigprozentig zu eigen gemacht haben und meinem Eindruck nach nach einem Argumentationsleitfaden arbeiten.

Verglichen mit Zahl der neu angemeldeten Diskutanten und der Anzahl ihrer Beiträge sind die Pro-Rauchfrei-Schwadronen ein armseliges Häuflein gewesen.

Daß die PR-Arbeit des Kremls noch lausiger ist, soll jetzt die unbefriedigende Arbeit unserer Medien nicht entschuldigen, aber es verbessert den Informationsstand der Leser natürlich auch nicht. Vor allem sabotiert es echte Diskussionen, und es macht es noch schwerer, bei den vorgebrachten Informationen die Spreu vom Weizen zu trennen.

Bei mir führte es zum Beispiel dazu, daß mir der Novo-Artikel schlecht vorkam. Bei einigen Punkten ist bei mir sofort die Klappe runtergegangen, weil das von den "üblichen Verdächtigen" ebenfalls, und zwar mit der Dickfelligkeit eines Grenzdebilen und der Monotonie einer gesprungenen Schallplatte bei jeder vermeintlich passenden Gelegenheit vorgebracht wird. (Es sind viele solche gesprungenen Schallplatten unterwegs, und sie halten die absonderlichsten Gelegenheiten für passend.)

Quote:
Der russlandfeindliche Konformitätsdruck in deutschen Redaktionsstuben scheint beachtlich. So wird etwa der penetrante anti-russische Unterton nahezu aller Korrespondenten in der Ukraine plausibel. Je kritischer gegen Putin, desto besser. Selbst wenn sie dabei qualitativ schlechte Arbeit abliefern, stört das ihr berufliches Fortkommen in den Sendern offensichtlich nicht - im Gegenteil. Man denke nur an das viel kritisierte ARD-Interview des Moskau-Korrespondenten Thomas Roth im Jahr 2008 mit Wladimir Putin zum Georgienkrieg. Dieses nachträglich massiv zuungunsten Putins zusammengekürzte Interview schadete Roth nicht. Heute hat er den prestigeträchtigen Job des „Tagesthemen“-Moderators.


Das ist auch so eine Sache aus dem Argumentationsleitfaden. Ich kann immerhin dies aus eigener Anschauung beurteilen, denn dieses Interview habe ich - in voller Länge - gesehen und kann keinen der Einwände des Autors nachvollziehen. So schlecht war das Interview nun nicht geführt, zumal wenn man bedenkt, daß Putin kein einfacher Interviewpartner ist.  Putin hat, und das ist jetzt nicht als Dämonisierung gemeint, die lästige Angewohnheit, seine Gesprächsparter totzureden ... und da niemand es wagen würde, ihn zu unterbrechen, tut er das oft und ausgiebig. Vielleicht merkt er es nicht einmal. Man muß sich aber außerdem, egal, wie sorgfältig man sich seine Fragen überlegt, immer darauf einstellen, daß er, wenn eine ihm nicht gefällt, sie sehr ausführlich mit einer Off-topic-Antwort beantworten wird. Verblüffenderweise bemerken das viele nicht einmal, vermutlich deshalb, weil auch seine Off-topic-Antworten durchaus inhaltliche Substanz haben, und in der Form kennen wir das von unseren Politikern nicht. Es ist aber eine Substanz, die mit der Frage gar nichts zu tun hat, und ich bin so frei, das nun wieder als absichtliches Ablenkungsmanöver zu betrachten, weil sich mir nicht erschließt, wie so was versehentlich passieren soll.

Und was kann der Interviewer eigentlich für die Art der vorgenommenen Kürzungen? - Daß man ein Dreißig-Minuten-Interview nicht vollständig in einer Nachrichtensendung unterbringen kann, sollte sich wiederum von selbst verstehen.

Ich glaube, wäre die zitierte Passage nicht gewesen, hätte ich mir vielleicht die Mühe gemacht, den Artikel nach dem Überfliegen doch noch einmal im Ernst zu lesen, aber die hat mich doch zu sehr verdrossen.

Mich hat die Putin-Dämonisierung der letzten Monate aber auch gewaltig gestört. Klar ist mir allerdings, daß berechtigte Schelte an die Adresse unserer Medien nicht bedeutet, daß ich es für normal halten kann, wenn ein Land sich einen Teil des Staatsgebietes eines anderen unter den Nagel reißt ... wonach es im Moment ja gerade aussieht. Das geplante Referendum kann ich unter den gegebenen Voraussetzungen nur als schlechten Witz betrachten. Bei so was geb ich Putin auch als vorheriges Medienmobbing-Opfer keinen Bonus mehr.

Ich finde aber, gerade jetzt erkennt man besonders gut, um wie wenig es bei dem Putin-Bashing vorher letztlich ging, und kann die Aufgeregtheit hinter der Berichterstattung von Frauen Dings Riot bis Sotschi-Türklinken eigentlich nur noch als Ausdruck eines Wertesystems mit verschobenen Maßstäben sehen.
  

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xila
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Re: Ukraine / Endgültiger Vertrauensverlust in Politik & Medien.
Antwort #4 - 14.03.14 um 09:21:55
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Apropos Rauchverbot in Rußland:

Quote:
Almost 1,000 people from countries outside the former Soviet Union have had their work visas revoked for committing two or more “administrative violations” since the end of last year, when the migration service and traffic police linked their databases, according to immigration authorities. Such offenses can be as minor as a parking ticket, smoking in prohibited areas or even jaywalking.


http://www.bloomberg.com/news/2014-03-13/putin-deports-executives-for-speeding-a...

Rußland hätte letztlich gar keine Rauchverbote gebraucht, denn auch ohne sie kann man vermutlich jedem, wenn man nur danach sucht, Gesetzesverstöße nachweisen. Es scheint fast unmöglich zu sein, dort nicht ständig gegen irgendwelche Gesetze zu verstoßen, bloß passiert einem deswegen nichts ... bis zu dem Moment, in dem man die falschen Leute gegen sich aufgebracht hat und deswegen ein Vorwand gesucht wird.
  

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Brigitte
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Hallo

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Re: Ukraine / Endgültiger Vertrauensverlust in Politik & Medien.
Antwort #5 - 14.03.14 um 21:45:39
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xila schrieb on 14.03.14 um 09:21:55:
Apropos Rauchverbot in Rußland:

Quote:
Almost 1,000 people from countries outside the former Soviet Union have had their work visas revoked for committing two or more “administrative violations” since the end of last year, when the migration service and traffic police linked their databases, according to immigration authorities. Such offenses can be as minor as a parking ticket, smoking in prohibited areas or even jaywalking.


http://www.bloomberg.com/news/2014-03-13/putin-deports-executives-for-speeding-a...

Rußland hätte letztlich gar keine Rauchverbote gebraucht, denn auch ohne sie kann man vermutlich jedem, wenn man nur danach sucht, Gesetzesverstöße nachweisen. Es scheint fast unmöglich zu sein, dort nicht ständig gegen irgendwelche Gesetze zu verstoßen, bloß passiert einem deswegen nichts ... bis zu dem Moment, in dem man die falschen Leute gegen sich aufgebracht hat und deswegen ein Vorwand gesucht wird.


Xila, das denke ich auch!

Irgendwie wuerde es mich nicht ueberraschen, wenn Putin Tabakkontrolle verarscht hat mit dem Rauchverbot in Russland. 
Der Mann ist hochintelligent, Stratege und KGB ausgebildet. 

Nun sehen wir uns mal unsere Politiker an.  Mit ANGSTMACHEREI eingekauft von Tabakkontrolle (und anderen Gesundheitsfanatikern!).

Die englische Regierung war kuerzlich mehr mit dem "Passivdampf" beschaeftigt als mit Aussenpolitik.
Die deutschen Politiker auch? 

  
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Meinrad
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Wider das tierische Abstinenzlertum
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Re: Ukraine / Endgültiger Vertrauensverlust in Politik & Medien.
Antwort #6 - 15.03.14 um 21:19:24
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Die Frage ist doch: kann die Presse von irgendwem in einer bestimmten Sache gleichgeschaltet werden? Es ist ja keineswegs das erste Mal, dass sich diese Frage stellt. Ich erinnere mich an den Irak-Krieg, bei dem Ähnliches zu beobachten war. Obwohl die Bundesrepublik eine Teilnahme verweigert hatte und dies von 80 Prozent gut gefunden wurde.  Was die Presse fast durchweg ignorierte, anfangs wenigstens. Als dann Abu Ghraib hochkam und die Lüge mit den Massenvernichtungswaffen gab es natürlich nichts mehr zu beschönigen.

Ebenso im Ossetien-Konflikt 2008. Georgien war dort einmarschiert und hatte durch stundenlanges Artilleriefeuer  militärisch völlig sinnlose Schäden angerichtet. Skandalisiert wurde aber nur der russische Gegenangriff, der vom Ganzen her gesehen sehr maßvoll ausfiel.

Diesmal allerdings stößt die Presse auf erbitterten Widerstand. Von links bis rechts wird den Darstellungen nicht geglaubt und überall werden Zweifel geäußert. Nö, die sind nicht von Putin gekauft. Schon von der Zusammensetzung her völlig unmöglich.

Die Frage, ob sich die deutsche Presse gleichschalten lässt, ist natürlich auch in unseren Zusammenhängen interessant. Meiner Meinung nach war es so, dass zu Beginn des Jahres 2005 die gesamte Presse im Sinne der Tabakkontrolle gleichgeschaltet wurde. Zweieinhalb Jahre ununterbrochenes Trommelfeuer und dann hatten sie ihre Rauchverbote. Die wohl anders nicht zustande gekommen wären.

Hier lächelt der Anti: ach was, die Presse lässt sich doch nicht gleichschalten! Nur, die Gegenbeweise häufen sich.
  
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Querkopf
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Re: Ukraine / Endgültiger Vertrauensverlust in Politik & Medien.
Antwort #7 - 16.03.14 um 06:27:55
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Meinrad schrieb on 15.03.14 um 21:19:24:
Ebenso im Ossetien-Konflikt 2008. Georgien war dort einmarschiert und hatte durch stundenlanges Artilleriefeuer militärisch völlig sinnlose Schäden angerichtet. Skandalisiert wurde aber nur der russische Gegenangriff, der vom Ganzen her gesehen sehr maßvoll ausfiel.



Es ist wohl wie immer etwas komplizierter - natürlich hat Saakashvili sich provozieren lassen und mit dem stundenlangen Artilleriefeuer auf Zchinwali eine sinnlose Militäraktion durchgeführt.

Andererseits hatten die Russen schon vor dem Ausbruch des Konflikts einen Militärstützpunkt auf Georgischem Gebiet eingerichtet und so ihre Absichten zu erkennen gegeben.

Nur eine abschließende Bemerkung: mir geht die Schönrednerei über Putin gegen den Strich!

  
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xila
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Re: Ukraine / Endgültiger Vertrauensverlust in Politik & Medien.
Antwort #8 - 16.03.14 um 18:41:30
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Meinrad schrieb on 15.03.14 um 21:19:24:
Die Frage ist doch: kann die Presse von irgendwem in einer bestimmten Sache gleichgeschaltet werden?


Die korrekte Antwort lautet: nein.

Das Ergebnis, nämlich die quer durch die ganze Medienlandschaft gleichen Behauptungen und Argumente bei sehr vielen Themen, das dich zu deiner Annahme verleitet, kommt auf andere Weise zustande. Man könnte es als "Selbstgleichschaltung" bezeichnen. Wie so was zustande kommt, wäre mal ein gutes Thema für eine wissenschaftliche Arbeit.

Jedenfalls, wir brauchen offenbar gar keine Institutionen, die die totale Kontrolle über die Medien erlangen - so, wie die Medien in Rußland aussehen -, um durch unsere freien Medien genauso miserabel informiert zu werden.

  

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RaucherHB
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Re: Ukraine / Endgültiger Vertrauensverlust in Politik & Medien.
Antwort #9 - 16.03.14 um 20:44:22
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Quote:
Das Ergebnis, nämlich die quer durch die ganze Medienlandschaft gleichen Behauptungen und Argumente bei sehr vielen Themen, das dich zu deiner Annahme verleitet, kommt auf andere Weise zustande. Man könnte es als "Selbstgleichschaltung" bezeichnen.


Klar man geht oft den bequemen Weg.
Die Redaktion gibt ein Thema vor, um später unangenehmen Kritiken zu entgehen wird das bevorzugte Ergebnis gleich mit vorgegeben.
Da geht man ja natürlich den bequemsten Weg, denn die Schreihälse sind bei bestimmten Themen immer sehr aktiv und haben ja schnell ihre Totschlagargumente zur Hand. Das bringt viel Ärger und Arbeit für die Redaktion, die sich dann ja rechtfertigen muss.
Das Drehmaterial von 30 Minuten wird so geschickt zurechtgeschnitten, damit das Ergebnis wie gewünscht ausfällt. Bestenfalls lässt man, im Namen der Ausgewogenheit, noch einen versteckten Zweifel einfließen, der im nachfolgenden Satz auch gleich wieder entkräftigt wird, nur um nicht anzuecken.
(Diese Arbeitsweise wurde mir von einem Bekannten bestätigt, der in diesem Bereich tätig ist)
Ein Redakteur der unliebsame Interpretationen liefert, wird es selten auf einen besseren Posten schaffen.

Die guten Zeiten der Medien sind vorbei, schwindende Leser- und Zuschauerzahlen zwingen zu Kürzungen beim Personal und erlauben auch keine kostenintensive Recherchen mehr.
Um das Blatt zu füllen greift man dann lieber auf PR-Agenturen und Pressedienste zurück. Diese Artikel werden dann 1:1 übernommen und nur in seltenen Fällen hinterfragt.
Es ist einfach eine Kosten- und Zeitfrage.


« Zuletzt geändert: 16.03.14 um 20:46:14 von RaucherHB »  

Verbote sind immer ein Zeichen von Hilflosigkeit!
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fitzcarraldo
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Re: Ukraine / Endgültiger Vertrauensverlust in Politik & Medien.
Antwort #10 - 16.03.14 um 21:03:32
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Meinrad schrieb on 15.03.14 um 21:19:24:
Die Frage ist doch: kann die Presse von irgendwem in einer bestimmten Sache gleichgeschaltet werden?


Die Frage ist nicht ob, sondern zu welchem Grad. Das gehört schliesslich zum Portfolio von PR-Agenturen wie z.B. Burson & Marsteller.
Quote:
In Deutschland schätzen Medienwissenschafter gemäss einem kürzlich erschienenen Bericht des «Spiegels», dass mindestens 40% der Informationen einer Tageszeitung von PR-Agenturen oder aus den Marketingzentralen von Unternehmen und Behörden stammen. Und Grossenbacher, der heute Medien-Monitoring und Reputationsanalysen für private Auftraggeber realisiert, stellt fest, dass bei börsenkotierten Unternehmen zwischen 70% und 90% der Berichterstattung über diese Unternehmen auf direkten PR-Massnahmen beruhen.

http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/articleEKFUR-1.68168


Offenbar reicht es mitunter die Damen und Herren Journalisten zu "unterstützen":


Quote:
Wir unterstützen Journalisten

PR-Altmeister Harold Burson, 85, über Propaganda und die Arbeit seiner Agentur für Diktaturen

SPIEGEL: Herr Burson, was ist PR?

Burson: Es geht darum, Gutes zu tun und Anerkennung dafür zu bekommen. Es hat auch etwas mit Wahrnehmung zu tun. Wahrnehmung kann durch PR gesteuert werden, Verhaltensweisen können geändert werden.

SPIEGEL: Wahrnehmungsmanager klingt grenzwertig; nach Propaganda.

Burson: Propaganda ist eine Form von PR. Aber es kommt darauf an, wie weit Sie Propaganda dehnen. Oft ist das dann nicht mehr PR. Propaganda macht jemand, der die Leute irreführen will.

SPIEGEL: Edward Bernays, der als "Vater der Verdrehung" gilt, hat PR als "Handel mit Realitäten" gesehen. Eines seiner wichtigsten Bücher über PR hieß "Propaganda".

Burson: Bernays dachte, er könne die öffentliche Meinung kontrollieren. Sicher, seine Methodik war grundlegend. Die meisten Dinge, die wir heute tun, hatte Bernays schon vor 80 Jahren identifiziert. Er hatte brillante Ideen. Ich traf ihn ein paar Mal, aber mochte ihn nicht. Er war einer der egozentrischsten Menschen, die ich je getroffen habe.

SPIEGEL: Die Spezialität Ihrer Agentur Burson-Marsteller, die Sie 1953 gründeten, wurde Krisenmanagement. Sie waren sich für kaum einen Job zu schade: Nach der Chemie-Katastrophe von Bhopal 1984 haben Sie versucht, das Image des Chemiemultis Union Carbide zu polieren.

Burson: Also: In Bhopal gab es einen Unfall mit über 2000 Toten. Wir wurden angerufen und gefragt: "Könnt ihr helfen?" Wir wollten die Journalisten dabei unterstützen, Nachrichten rauszubringen.

SPIEGEL: Und die Journalisten brauchten dafür ausgerechnet Sie?

Burson: In einem solchen Chaos war es schwer zu durchschauen, was genau passiert war
...

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-48046169.html
« Zuletzt geändert: 16.03.14 um 21:13:43 von fitzcarraldo »  

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Re: Ukraine / Endgültiger Vertrauensverlust in Politik & Medien.
Antwort #11 - 16.03.14 um 21:08:34
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xila schrieb on 12.03.14 um 15:16:18:
Mich hat die Putin-Dämonisierung der letzten Monate aber auch gewaltig gestört. Klar ist mir allerdings, daß berechtigte Schelte an die Adresse unserer Medien nicht bedeutet, daß ich es für normal halten kann, wenn ein Land sich einen Teil des Staatsgebietes eines anderen unter den Nagel reißt ... wonach es im Moment ja gerade aussieht. Das geplante Referendum kann ich unter den gegebenen Voraussetzungen nur als schlechten Witz betrachten. Bei so was geb ich Putin auch als vorheriges Medienmobbing-Opfer keinen Bonus mehr.



In der Krim haben heute angeblich - bei sehr hoher Wahlbeteiligung - 95 Prozent aller Abstimmenden für den Anschluß gestimmt. Die Prognose lautete vor der Auszählung 93 Prozent, wurde jetzt aber nach Auszählung der Hälfte der Stimmen nach oben korrigiert.

Ich nehme an, es kann nur an der Gehirnwäsche durch unsere gleichgeschalteten Medien und an der Dämonisierung Putins liegen, wenn mir bei so was die Wahlergebnisse in der glücklicherweise schon vor einem Vierteljahrhundert dahingeschiedenen DDR in den Sinn kommen?

(Und daß ich mich "nur" auf die DDR beziehe, ist noch als höfliche Geste gemeint. Mir fallen dazu nämlich noch ganz andere Vergleichsmöglichkeiten ein ...)
  

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Re: Ukraine / Endgültiger Vertrauensverlust in Politik & Medien.
Antwort #12 - 18.03.14 um 20:38:29
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Die FAZ meldet heute 97% für den Anschluss bei 83% Abstimmungsbeteiligung. Beides ist extrem hoch. Allerdings landen Volksabstimmungen oft bei Zustimmungsraten von 90% und mehr, zum Beispiel regelmäßig in Italien. Das liegt daran, dass die Gegner der Vorlage zum Boykott aufrufen,  damit das Beteiligungsquorum unterschritten wird und der Entscheid ungültig ist. Wenn nur die Befürworter hingehen, kommt man auf solche Zustimmungsraten. Auf der Krim gab es kein Abstimmungsquorum, aber die Gegner haben auch hier zum Boykott aufgerufen, weil sie die Abstimmung für illegal hielten. Man muß also von den 17% "Enthaltungen" sicherlich einen Teil als Neinstimmen werten. Bedenklicher fand ich die extrem kurze Vorbereitungszeit des Volksentscheids. In zwei Wochen kann man sich kaum eine vernünftige Meinung bilden, in der Schweiz vergehen in der Regel Jahre bis zur Abstimmung.
  
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Re: Ukraine / Endgültiger Vertrauensverlust in Politik & Medien.
Antwort #13 - 19.03.14 um 09:01:00
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Tartaruga schrieb on 18.03.14 um 20:38:29:
Die FAZ meldet heute 97% für den Anschluss bei 83% Abstimmungsbeteiligung. Beides ist extrem hoch. Allerdings landen Volksabstimmungen oft bei Zustimmungsraten von 90% und mehr, zum Beispiel regelmäßig in Italien. Das liegt daran, dass die Gegner der Vorlage zum Boykott aufrufen,  damit das Beteiligungsquorum unterschritten wird und der Entscheid ungültig ist. Wenn nur die Befürworter hingehen, kommt man auf solche Zustimmungsraten. Auf der Krim gab es kein Abstimmungsquorum, aber die Gegner haben auch hier zum Boykott aufgerufen, weil sie die Abstimmung für illegal hielten. Man muß also von den 17% "Enthaltungen" sicherlich einen Teil als Neinstimmen werten. Bedenklicher fand ich die extrem kurze Vorbereitungszeit des Volksentscheids. In zwei Wochen kann man sich kaum eine vernünftige Meinung bilden, in der Schweiz vergehen in der Regel Jahre bis zur Abstimmung.


Du nimmst dieses Ergebnis tatsächlich für bare Münze? Das ist doch eindeutig "auf Russisch" zustandegekommen. Die Wahlbeteiligung in Sewastopol betrug beispielsweise 123 Prozent.

Ich bin immer wieder verblüfft, wie wenig Tünche nötig ist, um auch einen eindeutigen Betrug zu vertuschen. Kein Wunder, daß auch die Tabakkontrolle so wenig Mühe hatte, Glauben zu finden.

  

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Re: Ukraine / Endgültiger Vertrauensverlust in Politik & Medien.
Antwort #14 - 19.03.14 um 12:17:36
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Die Sache mit der Ukraine und Rußland und der EU und so weiter ist ja - als Ganzes gesehen - reichlich vertrackt (das dümmliche Video, das eingangs verlinkt wurde, wird dem absolut nicht gerecht), auch wenn ich zur Rolle Rußlands in den letzten Wochen, wie inzwischen sicherlich jeder gemerkt hat, durchaus eine eindeutige und absolut nicht positive Meinung habe. Ich mache mir über das Ganze, das dahintersteckt, aber eine ganze Menge Gedanken. Dabei bin ich in der "Welt" auf ein Interview gestoßen, in dem ein interessanter Gesichtspunkt erwähnt wurde:

Quote:
Die Welt: Müssen wir ein schlechtes Gewissen haben, dass wir mit Russland falsch umgegangen sind?

Herfried Münkler: Sicher kein schlechtes Gewissen. Aber ich glaube, dass das, was Max Weber der deutschen Politik nach 1914 vorgeworfen hat, nämlich Außenpolitik von Personen machen zu lassen, die nicht im politischen Kampf gestählt worden seien, sondern nach Beamten-Avancement agieren, auch auf Brüssel zutrifft. Man hat sich zu wenig Gedanken gemacht, was das Assoziierungsabkommen für Moskau bedeutet. Brüssel hat agiert, als ginge es bloß um das Administrieren von Wohlstand und die Durchsetzung menschenrechtlicher Normen. Niemand war auf ein Spiel mit strategischen Gegenakteuren eingestellt. Darin zeigt sich die außenpolitische Handlungs- oder besser noch: Reflexionsschwäche der Europäischen Union. Sie macht sich zu wenige Gedanken über die Gestaltung von Räumen.


http://www.welt.de/kultur/article125943063/Putin-ueberkam-die-Angst-vor-Gesichts...

Mit anderen Worten, Brüssel hat sich in Sachen Ukraine schlicht so verhalten wie immer und jedermann gegenüber, nicht aus Bosheit, sondern weil dieser Laden strukturell unfähig scheint, sich anders zu verhalten, wenn er "das Gute" erkannt zu haben glaubt. Und wenn es um die Durchsetzung von Tabakproduktrichtlinien oder ähnliches geht, hat das ja auch immer prima geklappt. Putin hat jetzt demonstriert, daß Brüssel einem platten: "Ich tu's, weil ich es tun kann, versucht doch, mich zu hindern" wenig entgegenzusetzen hat. Viel peinlicher als die Tatsache, daß Brüssel nicht viel tun kann, ist, daß die dort nicht mal wissen, wie sie antworten sollen, weil sie nie auf die Idee gekommen sind, daß es irgendwer nachvollziehbare Einwände gegen ihre Grundüberlegungen haben könnte.

Eigentlich war genau die gemeinsame Vertretung nach außen das, was mir an der EU immer am meisten eingeleuchtet hätte. Bloß, dafür taugt sie gar nicht.

« Zuletzt geändert: 19.03.14 um 12:19:30 von xila »  

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