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Heißes Thema (mehr als 10 Antworten) Ukraine / Endgültiger Vertrauensverlust in Politik & Medien. (Gelesen: 2.655 mal)
Zora
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Re: Ukraine / Endgültiger Vertrauensverlust in Politik & Medien.
Antwort #15 - 21.03.14 um 00:50:59
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Anstatt  auf alte Urteile und Vorurteile sollte man sich lieber auf aktuelle Fakten konzentrieren.

Fakt ist unter anderem, dass die derzeitige Regierung in Kiew als eine der ersten Amtshandlungen ein Verbot von Russisch als Amtssprache gefordert hat. Dass dies dann noch gestoppt wurde, ändert nichts an der Tatsache, dass es für die russischsprachige Bevölkerung der Ukraine ein deutliches Zeichen gesetzt hat. Da braucht es keine russische Gehirnwäsche oder Ähnliches, um ein prorussisches Referendum   zahlenmäßig zu befördern.


Putin ist ohne Zweifel ein schwieriger  Zeitgenosse, seine Politik alles andere als freiheitsliebend. Ich bringe an dieser Stelle aber gern auch noch einmal die NSA ins Spiel, die mir mit ihren „Ostmethoden“ des Abhörens und Ausspionierens ganz gehörig den Glauben an so etwas wie westliche Demokratie oder Freiheitsliebe ausgetrieben hat. Was machen die denn eigentlich anderes als die DDR Staatssicherheit mit besseren Mitteln?


Von daher sollte man sich sehr genau mit den Tatsachen beschäftigen, mit den Realitäten. Mit der Realität einer Swoboda in der Übergangsregierung der Ukraine. Mit der Frage, warum, während der ersten Wochen Maidan in Kiew in unseren Medien eigentlich nur Klischko gezeigt wurde (gut, das ist Makulatur, weil Medienmache). Mit der Frage, wer eigentlich für die Scharfschützen und damit die Morde an über 80 Demonstranten verantwortlich war (Elmar Brok scheint ja immer noch davon auszugehen, dass es Janukowitsch war, was mittlerweile sogar die Regierung in Kiew bestreitet). Und vor allem mit der Frage: hat die EU sich Russland gegenüber eigentlich korrekt verhalten (dies vor allem in Bezug auf die zugesicherte Nicht-Ost-Erweiterung der Nato)? Und konnte Russland mit dem Rücken an der Wand eigentlich noch anders reagieren?

« Zuletzt geändert: 21.03.14 um 00:53:33 von Zora »  

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Re: Ukraine / Endgültiger Vertrauensverlust in Politik & Medien.
Antwort #16 - 21.03.14 um 08:43:23
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Zora,

nichts, was in Kiew passiert sein mag, und genausowenig etwaige Fehler der EU gegenüber Rußland oder in ihrer Politik gegenüber der Ukraine, könnte eine Gebietsannexion rechtfertigen, und ich finde es schockierend, daß du dies suggerierst.

Was das Referendum betrifft: Wenn einer eine Vierzehnjährige aus dem Elternhaus ins Ausland entführt und dort heiratet, ist dies hier auch dann nicht legal, wenn sie gegenüber den Behörden mit Tränen in den Augen versichert, daß sie ihn liebt und bei ihm bleiben möchte. Ich kann auch beim besten Willen nicht empfehlen, diese Ehe dann hierzulande für legal zu erklären, nicht einmal dann, wenn ich davon überzeugt bin, daß das Mädchen es wirklich so meint, wie es sagt. Den Anstieg bei vergleichbaren Entführungsfällen (bei denen nicht zu erwarten ist, daß immer danach gefragt wird, was das Mädchen will) möchte ich nämlich wirklich nicht auslösen.

Übrigens darf man Putin vor allem zu den Nebenwirkungen seiner Schnapsidee gratulieren: Plötzlich ist die EU als Institution besser legitimiert als je zuvor. Auf einmal erkennt man ganz genau, welchen SINN sie eigentlich haben sollte. In keinem osteuropäischen EU-Land möchte man nämlich plötzlich Soldaten ohne Hoheitsabzeichen sehen, die sich angeblich spontan als Selbstverteidigungskräft aus den Reihen der vermeintlich bedrohten russischen Minderheit gebildet haben.

« Zuletzt geändert: 21.03.14 um 12:50:53 von xila »  

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Re: Ukraine / Endgültiger Vertrauensverlust in Politik & Medien.
Antwort #17 - 21.03.14 um 13:40:19
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Oh, und man darf außerdem gespannt sein, wann das Gespenst der Zwangswärmedämmung nun wieder auftaucht. Immerhin müssen wir uns jetzt ja was einfallen lassen, wie wir im Ernstfall ohne Putins Gas auskommen, da kann es leicht sein, daß auch völlig bescheuerte Ideen auf einmal Mehrheiten finden.

Auch das hätte Putin uns ersparen können.  Ärgerlich

  

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Re: Ukraine / Endgültiger Vertrauensverlust in Politik & Medien.
Antwort #18 - 23.03.14 um 21:01:17
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Zora schrieb on 21.03.14 um 00:50:59:
Fakt ist unter anderem, dass die derzeitige Regierung in Kiew als eine der ersten Amtshandlungen ein Verbot von Russisch als Amtssprache gefordert hat. Dass dies dann noch gestoppt wurde, ändert nichts an der Tatsache, dass es für die russischsprachige Bevölkerung der Ukraine ein deutliches Zeichen gesetzt hat. Da braucht es keine russische Gehirnwäsche oder Ähnliches, um ein prorussisches Referendum   zahlenmäßig zu befördern.


Laut der letzten Volkszählung von 2001 gab es in der ganzen Ukraine gerade einmal 17.3% Russen, und diese regional sehr unterschiedlich verteilt. In der Krim 58,8%, in Lemberg (Lwiw) gerade einmal 8,9%. Mit 8.9% steht einer Minderheit in Österreich nicht einmal eine zweisprachige Ortstafel zu, geschweige denn eine eigene Amtssprache. Aus dem historischen Verlauf der Bevölkerungszusammensetzung geht außerdem hervor, dass die Russen in der Ukraine noch um 1900 praktisch nicht vertreten waren. Von den damals drei großen Bevölkerungsgruppen sind die Juden ausgerottet worden, die Polen von der UdSSR vertrieben und die in Polen lebenden Ukrainer umgekehrt genauso vertrieben - mit dem Resultat, dass in der Ukraine exkl. Krim  heute tatsächlich vor allem Ukrainer leben. Insofern macht es Sinn, dass sich die Krim wieder Russland anschließt. Aber im Rest der Ukraine sind die Russen eine sehr kleine Minderheit.
  
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Re: Ukraine / Endgültiger Vertrauensverlust in Politik & Medien.
Antwort #19 - 24.03.14 um 23:17:32
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Xila,
mir geht es um das Referendum und nicht, wie du zu glauben scheinst, um die (auch meiner Meinung nach) vollkommen irrwitzige Reaktion Putins.


Der Westen wird damit leben müssen, dass sich die Krimbevölkerung zu Russland bekannt hat, und dabei ist es erst einmal vollkommen egal, ob das Ergebnis wirklich derart eindeutig erscheint, wie es erscheint, oder ob es „nur“ 60 oder 70% der Menschen sind, die lieber zu Russland gehören möchten.
Noch im Februar lag das Ergebnis einer Umfrage zu diesem Thema bei 41%, aber ich gehe davon aus, dass es eben nicht die Panzer und die böse russische Gehirnwäsche, sondern vor allem das idiotische Vorgehen der neuen Regierung in Kiew war, die zu einem enormen Anstieg der prorussischen Seite geführt hat.


Uns stehen in nächster Zeit einige Referenden im „Haus Europa“ bevor und ich frage mich, wie Europa damit umgehen will, dass Schottland nicht mehr zu England, Katalonien nicht mehr zu Spanien gehören will etc. Dein Beispiel mit der entführten 14jährigen hat damit überhaupt nichts zu tun und ich finde es auch (gelinde gesagt) unpassend.


Um aber noch mal auf den „irrwitzigen“ Herrn Putin zurückzukommen: hier hat der Westen einfach Mist gebaut.
Ich hab Diplomatie immer bewundert. Die feine Balance herzustellen zwischen unterschiedlichen Interessen, ohne dass der eine oder andere das Gesicht verliert. Die Herstellung dieser feinen Balance ist etwas anderes, als mit der Faust auf den Tisch zu schlagen oder die Keule zu schwingen, aber sie setzt voraus, dass man weiß, mit wem man es zu tun hat, wie der Andere tickt.


Genau darum hat sich der Westen aber einen Scheiß gekümmert. Und jetzt, nachdem wir es versemmelt haben, fällt uns, wie so oft, auch nichts besseres ein, als die blöde, alte Machtspirale.

Ich glaube nicht, dass Europa ohne seinen Osten funktioniert, schon allein deshalb, weil er vor unserer Haustür liegt (und nicht in Werbesendungen oder dämlichen US-Serials von jenseits des Atlantik).
  

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Re: Ukraine / Endgültiger Vertrauensverlust in Politik & Medien.
Antwort #20 - 24.03.14 um 23:52:05
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…na, dann gebe ich der von mir gestarteten  Diskussion jetzt noch mal meinen Senf oder vielmehr Meinung bei. Bei dem link zu dem Kommentar von Dirk Müller war der Zeitpunkt, Person und Haltung / Meinung interessant und bemerkenswert . Anfang März  ( wo die Meinungsmache noch im vollen Gang war ) ein solche Statement.  Respekt vor dieser Offenheit. Vielleicht war der Kommentar von Hr. Müller nicht sonderlich präzise…aber sicherlich nicht dümmlich. Er war ehrlich.
Meine Meinung, bei dieser ganzen Angelegenheit geht es wieder nur um Interessen, Geld  und Macht. Von beiden Seiten.  Es geht aber sicherlich nicht um Freiheit und Demokratie. Auch nicht um die Menschen in der Ukraine. Weder die EU noch die USA noch Putin haben solche noblen und ehrbaren Ziele. Von diesem Gedanken  und Wünschen sollte man sich schleunigst verabschieden.
Die aktuelle Anti EU / USA Stimmung  im Westen resultiert aufgrund der Verlogenheit der letzten Jahre. Seit 2001 bekommen wir von unseren westlichen Regierungen nur noch Lügen, Kriege und Verbote geboten. Sicherlich gibt es in Russland genug Leute die ( berechtigt ) die so  über die eigene Regierung in Moskau denken.
Ich kann es nur wiederholen, wir werden ( egal in welchem Land oder politischen  Gemeinschaft, Ost oder West ) nicht mehr auf Basis einer demokratischen und freiheitlichen Überzeugung  im Sinne der Menschen  regiert, sondern nur noch nach wirtschaftliche, machtpolitischen und ideologischen Interessen verarscht.
Vielleicht war es in der Vergangenheit und vor meiner Zeit schon des Öfteren so….nur mir !  war es  noch nie so offensichtlich wie zum jetzigen Zeitpunkt
  

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Re: Ukraine / Endgültiger Vertrauensverlust in Politik & Medien.
Antwort #21 - 25.03.14 um 10:34:44
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Zora schrieb on 24.03.14 um 23:17:32:
Xila,
mir geht es um das Referendum und nicht, wie du zu glauben scheinst, um die (auch meiner Meinung nach) vollkommen irrwitzige Reaktion Putins.


Der Westen wird damit leben müssen, dass sich die Krimbevölkerung zu Russland bekannt hat, und dabei ist es erst einmal vollkommen egal, ob das Ergebnis wirklich derart eindeutig erscheint, wie es erscheint, oder ob es „nur“ 60 oder 70% der Menschen sind, die lieber zu Russland gehören möchten.
Noch im Februar lag das Ergebnis einer Umfrage zu diesem Thema bei 41%, aber ich gehe davon aus, dass es eben nicht die Panzer und die böse russische Gehirnwäsche, sondern vor allem das idiotische Vorgehen der neuen Regierung in Kiew war, die zu einem enormen Anstieg der prorussischen Seite geführt hat.


Uns stehen in nächster Zeit einige Referenden im „Haus Europa“ bevor und ich frage mich, wie Europa damit umgehen will, dass Schottland nicht mehr zu England, Katalonien nicht mehr zu Spanien gehören will etc. Dein Beispiel mit der entführten 14jährigen hat damit überhaupt nichts zu tun und ich finde es auch (gelinde gesagt) unpassend.


Um aber noch mal auf den „irrwitzigen“ Herrn Putin zurückzukommen: hier hat der Westen einfach Mist gebaut.
Ich hab Diplomatie immer bewundert. Die feine Balance herzustellen zwischen unterschiedlichen Interessen, ohne dass der eine oder andere das Gesicht verliert. Die Herstellung dieser feinen Balance ist etwas anderes, als mit der Faust auf den Tisch zu schlagen oder die Keule zu schwingen, aber sie setzt voraus, dass man weiß, mit wem man es zu tun hat, wie der Andere tickt.


Genau darum hat sich der Westen aber einen Scheiß gekümmert. Und jetzt, nachdem wir es versemmelt haben, fällt uns, wie so oft, auch nichts besseres ein, als die blöde, alte Machtspirale.

Ich glaube nicht, dass Europa ohne seinen Osten funktioniert, schon allein deshalb, weil er vor unserer Haustür liegt (und nicht in Werbesendungen oder dämlichen US-Serials von jenseits des Atlantik).



Mein Vergleich ist genau richtig gewesen, denn Putin hat einen feuchten Dreck auf das gegeben, was die Bewohner der Krim wollen, und daran finde ich besonders verstörend, daß er jede Möglichkeit gehabt hätte, sein Ziel auch zu erreichen, ohne sie wie die entführte Vierzehnjährige aus dem Vergleichsbeispiel zu behandeln. Sogar dann, wenn man ihm sämtliche Verletzungen der Spielregeln des Völkerrechts noch zugestehen würde - was ich nicht tue - wäre wenigstens das noch ganz problemlos möglich gewesen. Daß es nicht geschehen ist, sagt etwas aus, und du solltest dir ein paar Gedanken darüber machen, was es aussagt.

Nachvollziehen (wenn auch nicht billigen) kann ich immerhin, warum das Völkerrecht mißachtet wurde. Eine solche Gelegenheit, dem "Westen" vorzuführen, daß er völlig machtlos ist, wenn Putin den gemeingefährlichen Irren spielt, war wohl zu verlockend, um sie ungenutzt verstreichen zu lassen (es sei ihm auch gegönnt. Ich bin selten imstande gewesen, Versuchungen dieser Art nicht nachzugeben) ... aber daß das bis zum Äußersten ausgekostet wurde, statt nach dieser Demonstration der Stärke die damit erreichte Verhandlungsposition zu nutzen, zeigt, daß hier viel (viel zu viel) irrationales Verhalten mit im Spiel ist. Ein "Bis hierher und nicht weiter, und von jetzt an bitte etwas mehr Respekt vor unseren Interessen" hätte doch ein bißchen anders ausgesehen.

Übrigens, die EU macht gerade genau dies, was Putin nicht getan hat: In zwei Stufen eher symbolische Sanktionen, eine dritte Stufe mit echten Sanktionen für den Fall, daß Putin sich an weiteren Teilen der Ukraine - oder, das ist den meisten Normal-Zeitungslesern entgangen, von Georgien und Moldawien - vergreift. Die meisten Leute haben überhaupt nicht kapiert, was da gerade passiert, und du offenbar auch nicht, sonst würdest du nicht von "Machtspirale" schwafeln. Die EU lehnt sich gerade sehr weit aus dem Fenster, um jede weitere Landnahme Rußlands zu verhindern. Deshalb das Abkommen in Kiew, dieselben Abkommen sind auch für Georgien und Moldawien geplant. Damit geht die EU gegenüber diesen Ländern eine Verpflichtung ein, und das möchte ich mir auch ausgebeten haben, daß sie das tut, denn das ist sie Ländern, die zwischen den geopolitischen Fronten zerrieben werden könnten, auch schuldig.

Die Krim hat die EU längst verloren gegeben, auch wenn es im Moment unmöglich ist, das offen auszusprechen. Putin könnte sie nicht einmal mehr zurückgeben, wenn er es wollte, denn das wäre für ihn politischer Selbstmord, und jedem ist klar, daß er den nicht begehen wird. Hier muß jetzt vor allem eine Lösung gefunden werden, die eine Einigung zwischen Rußland und der Ukraine herstellt, damit man sich wieder auf den Boden der völkerrechtlichen Normalität zurückrettet. Oder findest du etwa, die EU sollte über den Kopf der Ukraine hinweg eine Annektion von Teilen ihres Staatsgebietes anerkennen? Genau dann würde sie sich doch so verhalten, wie du es ihr vorgeworfen hast.

Ich sag's nicht gerne, aber bisher hat die EU in dieser brenzligen Sitution so gut wie alles richtig gemacht, und das ist völlig unabhängig davon, welchen Anteil sie daran gehabt haben mag, sie herbeizuführen. Und ich sag's noch viel ungerner: In dieser Situation ist mir klargeworden, wofür eine EU eigentlich wichtig wäre. Daß sie dafür nur bedingt tauglich ist, ändert nichts daran. Wenn das sogar mir schon so geht, wieviel neue Akzeptanz hat sie dann erst beim Durchschnittseuropäer gewonnen?
  

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Re: Ukraine / Endgültiger Vertrauensverlust in Politik & Medien.
Antwort #22 - 25.03.14 um 22:12:41
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xila schrieb on 25.03.14 um 10:34:44:
Nachvollziehen (wenn auch nicht billigen) kann ich immerhin, warum das Völkerrecht mißachtet wurde. Eine solche Gelegenheit, dem "Westen" vorzuführen, daß er völlig machtlos ist, wenn Putin den gemeingefährlichen Irren spielt, war wohl zu verlockend, um sie ungenutzt verstreichen zu lassen (es sei ihm auch gegönnt. Ich bin selten imstande gewesen, Versuchungen dieser Art nicht nachzugeben) ...


Welche Völkerrechtsverletzungen hast du denn so auf dem Kerbholz?  Smiley

Ich bin übrigens nicht für die strikte Einhaltung des Völkerrechts, siehe z.B. den FCTC.
  
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Re: Ukraine / Endgültiger Vertrauensverlust in Politik & Medien.
Antwort #23 - 26.03.14 um 00:40:24
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Xila, die Krimbevölkerung ist deiner Meinung nach also vergleichbar mit zwangsverheirateten Teenagern?!

Meine Güte, denk doch mal drüber nach, was du da eigentlich schreibst! Du fängst ja an, dich wie eine Erziehungsberechtigte anzuhören. Ich denke, dass wir in diesem Forum über eben dieses Phänomen schon dutzende von Einträgen haben.


Was die Demonstration des „Irren aus Moskau“ angeht, denke ich, dass da jemand tatsächlich mit dem Rücken an der Wand steht und solche Leute sind immer erst zu nehmen, weil gefährlich. Ich stimme dir zu, dass der Westen, das heißt Europa, sich momentan recht zahm, sprich: vernünftig verhält, und ich rechne es der Bundesregierung hoch an, dass sie den Dialog zu Russland aufrechterhält.
  

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Re: Ukraine / Endgültiger Vertrauensverlust in Politik & Medien.
Antwort #24 - 26.03.14 um 07:59:47
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Zora schrieb on 26.03.14 um 00:40:24:

Was die Demonstration des „Irren aus Moskau“ angeht, denke ich, dass da jemand tatsächlich mit dem Rücken an der Wand steht und solche Leute sind immer erst zu nehmen, weil gefährlich. Ich stimme dir zu, dass der Westen, das heißt Europa, sich momentan recht zahm, sprich: vernünftig verhält, und ich rechne es der Bundesregierung hoch an, dass sie den Dialog zu Russland aufrechterhält.


G1-Gipfel: Putin wirft übrige sieben Staaten aus G8-Gruppe

http://www.der-postillon.com/2014/03/g1-gipfel-putin-wirft-ubrige-sieben.html

Laut lachend
  
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Re: Ukraine / Endgültiger Vertrauensverlust in Politik & Medien.
Antwort #25 - 27.03.14 um 13:16:14
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Zora schrieb on 26.03.14 um 00:40:24:
Xila, die Krimbevölkerung ist deiner Meinung nach also vergleichbar mit zwangsverheirateten Teenagern?!

Meine Güte, denk doch mal drüber nach, was du da eigentlich schreibst! Du fängst ja an, dich wie eine Erziehungsberechtigte anzuhören. Ich denke, dass wir in diesem Forum über eben dieses Phänomen schon dutzende von Einträgen haben.


Was die Demonstration des „Irren aus Moskau“ angeht, denke ich, dass da jemand tatsächlich mit dem Rücken an der Wand steht und solche Leute sind immer erst zu nehmen, weil gefährlich. Ich stimme dir zu, dass der Westen, das heißt Europa, sich momentan recht zahm, sprich: vernünftig verhält, und ich rechne es der Bundesregierung hoch an, dass sie den Dialog zu Russland aufrechterhält.


Zora,

das "zwangsverheiratet" hast du selbst dazugedichtet, aber sonst ... ja, wenn ein Zustand mangelhafter Urteilsfähigkeit ausgenutzt oder - wie im Fall der Krim - absichtlich herbeigeführt wird (hast du zum Beispiel Fotos von den Plakatwänden gesehen, mit denen für ein Ja geworben wurde? Und ist dir bekannt, daß alle ukrainischen Fernsehsender auf der Krim abgeschaltet wurden?), dann sind die beiden Fälle durchaus miteinander vergleichbar. Es geht hier nicht ums angestrebte Ergebnis, sondern um die Art und Weise des Vorgehens, dem ganz einfach sehr wenig Achtung vor dem Objekt der Begierde anzumerken ist.

Tatsächlich habe ich über diesen Vergleich sogar ziemlich lange nachgedacht.

Du solltest auch vorsichtiger damit sein, die Beschuldigungen aus Moskau an die Adresse des sogenannten Westens einfach für bare Münze zu nehmen. Der postsowjetische Raum ist weiß Gott kein Mädchenpensionat, da brodelt es noch an allen Ecken und Enden. Und Rußland ist viel zu groß, um seine postsowjetischen Nachbarstaaten nicht zu beunruhigen. Wenn Putin sich nicht so verhalten würde, als hätten sie dazu Grund, würden sie nicht so heftig in Richtungen streben, in die er sie absolut nicht haben will. Die wissen nämlich alle, daß Putin sie insgeheim wahnsinnig gerne wieder in sein Reich eingliedern würde.

Ich halte Putin genausowenig für irre, wie ich jemanden für irre halten würde, der während einer in Krwall umschlagenden Demonstration die Gelegenheit nützt, um sich in einem Laden, dessen Schaufensterscheibe eingeschlagen wurde, einen Fernseher mitzunehmen. Gelegenheit macht bekanntlich Diebe, und er hat die chaotische Situation in der Ukraine offenbar für eine günstige Gelegenheit gehalten. Aber daß er sie eigentlich als russischen Besitz betrachtet, daraus hat er noch NIE, auch zu seinen Anfangszeiten als Präsident nicht, ein Geheimnis gemacht.

Wenn man der EU in dieser Sache unbedingt Vorwürfe machen will, dann sollte man ihr meiner Meinung nach vor allem vorwerfen, daß sie auf so etwas dennoch nicht vorbereitet war. Spätestens seit 2008 hat er sogar bei verschiedenen Gelegenheiten - meistens im Zusammenhang mit der Anerkennung des Kososvo - offen damit gedroht. Wenn dieses Kacke auch sonst zu nichts gut gewesen ist, führt sie jetzt doch immerhin dazu, daß man sich wieder vorstellen kann, daß so was nicht zwangsläufig eine leere Drohung bleiben muß.

Ansonsten hat die EU mit Sicherheit nichts Schlimmeres getan als Putin selbst, der ja immerhin - und das bereits zum zweiten Mal nach 2004! - den in der Ukraine zu Recht verhaßten Janukowitsch massiv gestützt hat.

Über deine Deutung es handle sich seitens der EU um eine zahme Reaktion, habe ich herzlich gelacht. Ich bin überzeugt davon, Putin ist fast vom Stuhl gefallen, als klar wurde, daß sich Brüssel überhaupt auf etwas einigt, denn damit hat er bestimmt nicht gerechnet, und noch viel weniger, daß eine so konkrete Drohung formuliert wird. Das hat er Frau Merkel zu verdanken, die, was ich sehr gut verstehe, sich kein zweites Mal mit Lügen hinhalten lassen will. Und es ist eine sehr harte Linie, falls das so umgesetzt wird, wie es von Frau Merkel konzipiert wurde. Ich würde Putin nicht empfehlen, es drauf ankommen zu lassen.

  

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Re: Ukraine / Endgültiger Vertrauensverlust in Politik & Medien.
Antwort #26 - 29.03.14 um 16:34:10
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xila schrieb on 27.03.14 um 13:16:14:
Ansonsten hat die EU mit Sicherheit nichts Schlimmeres getan als Putin selbst, der ja immerhin - und das bereits zum zweiten Mal nach 2004! - den in der Ukraine zu Recht verhaßten Janukowitsch massiv gestützt hat. 


Der allerdings vom ukrainischen Volk zum Präsidenten gewählt und nicht etwa von Putin eingesetzt wurde. Ganz so einfach sind die Dinge nämlich nicht.



  
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Re: Ukraine / Endgültiger Vertrauensverlust in Politik & Medien.
Antwort #27 - 30.03.14 um 20:28:11
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ChristophL schrieb on 29.03.14 um 16:34:10:
xila schrieb on 27.03.14 um 13:16:14:
Ansonsten hat die EU mit Sicherheit nichts Schlimmeres getan als Putin selbst, der ja immerhin - und das bereits zum zweiten Mal nach 2004! - den in der Ukraine zu Recht verhaßten Janukowitsch massiv gestützt hat. 


Der allerdings vom ukrainischen Volk zum Präsidenten gewählt und nicht etwa von Putin eingesetzt wurde. Ganz so einfach sind die Dinge nämlich nicht.





Janukowitsch wurde jedenfalls 2004 auf ähnliche Weise frei gewählt, wie jüngst auf der Krim das Referendum frei durchgeführt wird, was damals bekanntlich die Orangene Revolution ausgelöst hat, und schon für die hat Putin - trotz gerichtlich nachgewiesener Wahlfälschungen - Umtriebe des Westens verantwortlich gemacht.

Es hat natürlich seine innere Logik, das erstere auch zu akzeptieren, wenn das letztere akzeptiert wird.

Was seltsamerweise in den Medien überhaupt nicht erwähnt wird, ist, daß vor noch gar nicht so langer Zeit Öl- und Gasfelder vor der Küste der Krim entdeckt wurden, mit denen die - derzeit am Rande des Bankrotts stehende - Ukraine mittelfristig nicht mehr abhängig von russischem Öl gewesen wäre. Das wird die Ukraine jetzt wohl in den Kamin schreiben können, Rußland hat nämlich bereits Anspruch auf alle Öl- und Gasvorkommen der Krim erhoben.

Wenn sich statt der Russen die Amis so was irgendwo auf der Welt erlauben würden, meine Güte, gäbe das ein Geschrei.
  

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Re: Ukraine / Endgültiger Vertrauensverlust in Politik & Medien.
Antwort #28 - 30.03.14 um 21:58:34
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xila schrieb on 30.03.14 um 20:28:11:
Janukowitsch wurde jedenfalls 2004 auf ähnliche Weise frei gewählt, wie jüngst auf der Krim das Referendum frei durchgeführt wird, was damals bekanntlich die Orangene Revolution ausgelöst hat, und schon für die hat Putin - trotz gerichtlich nachgewiesener Wahlfälschungen - Umtriebe des Westens verantwortlich gemacht. 


2010 hat die OSZE aber keine nennenswerten Unregelmäßigkeiten festgestellt, Janukowitsch war also formaldemokratisch nicht weniger legitimiert als etwa ein Hollande in Frankreich.
Daraus folgt nicht, dass ich ihn mag oder grundsätzlich gegen den Sturz korrekt gewählter Staatsorgane wäre. Vielmehr zeigt es, dass die einseitige Behauptung, 'das Volk' sei gegen Janukowitsch, eher ein Schwarz-Weiß-Denken als eine realistische Einschätzung offenbart.
  
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Re: Ukraine / Endgültiger Vertrauensverlust in Politik & Medien.
Antwort #29 - 31.03.14 um 08:35:51
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ChristophL schrieb on 30.03.14 um 21:58:34:
xila schrieb on 30.03.14 um 20:28:11:
Janukowitsch wurde jedenfalls 2004 auf ähnliche Weise frei gewählt, wie jüngst auf der Krim das Referendum frei durchgeführt wird, was damals bekanntlich die Orangene Revolution ausgelöst hat, und schon für die hat Putin - trotz gerichtlich nachgewiesener Wahlfälschungen - Umtriebe des Westens verantwortlich gemacht. 


2010 hat die OSZE aber keine nennenswerten Unregelmäßigkeiten festgestellt, Janukowitsch war also formaldemokratisch nicht weniger legitimiert als etwa ein Hollande in Frankreich.
Daraus folgt nicht, dass ich ihn mag oder grundsätzlich gegen den Sturz korrekt gewählter Staatsorgane wäre. Vielmehr zeigt es, dass die einseitige Behauptung, 'das Volk' sei gegen Janukowitsch, eher ein Schwarz-Weiß-Denken als eine realistische Einschätzung offenbart.


Offenbar habe ich die Demonstrationen dann nur geträumt oder du glaubst wirklich, daß da nur Faschisten und vom Westen bezahlte Provokateure auf die Straße gegangen sind, wie es die russischen Medien verbreiten.

Ob es mit der Wahl 2010 seine Richtigkeit hatte, sei dahingestellt, das ändert ja nichts daran, daß ab Anfang 2014 sogar auf seiner eigenen Seite der Rückhalt mit zunehmendem Tempo zerbröckelte.

Putin hat - genau wie nach der gefälschten Wahl 2004 - viel zu lange an ihm festgehalten, wohl aus Sorge, daß ein Nachfolger sein Herzensprojekt einer Eurasischen Union gefährden würde, die ohne die Ukraine wenig Sinn ergeben hätte. (Das Projekt, nehme ich an, ist jetzt gestorben. Die Rest-Ukraine nach der Krim-Annexion wird sich daran garantiert nicht beteiligen.) Als am 21.2. dieses Abkommen unterzeichnet wurde, war die Situation längst völlig unkontrollierbar geworden. Selbstverständlich hatte daran auch Putin seinen Teil Mitverantwortung.

Schwarz-Weiß-Denken ist es doch in Wirklichkeit, sich mit solcher Dankbarkeit auf jedes vermeintliche Fehlverhalten der EU zu stürzen, wenn dies von irgendeiner - möglicherweise eigennützig argumentierenden Seite - behauptet wird, nur weil es einem so gut in den Kram paßt, wenn die EU wieder einmal Scheiße gebaut hat.
  

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